25.07.2011

LINKEPartei der Greise

Schrumpfende Mitgliederzahlen und wachsende Finanzprobleme sorgen für Unruhe bei der Partei Die Linke. Dies geht aus internen Daten über die aktuelle Mitgliederstruktur sowie aus dem Protokoll eines Funktionärstreffens hervor. Die dem SPIEGEL vorliegenden Dokumente besagen, dass das Durchschnittsalter der mitglieder- und finanzstarken Landesverbände im Osten fast durchweg 65 Jahre überschreitet. Finanziell ist die Partei bis heute auf die Altmitglieder angewiesen, die weitgehend aus der SED stammen. Die Mitgliederzahl schrumpfte seit 2009 von rund 78 000 auf inzwischen nur noch rund 71 000 Mitglieder.
Auf dem Treffen der Parteispitze mit den Kreisvorsitzenden Ende Juni kam die offenbar schlechte Zahlungsmoral vieler Genossen zur Sprache. Laut Protokoll wurde eindringlich die "Durchsetzung der Beitragsehrlichkeit" gefordert. Auch die Anwerbung neuer Mitglieder bereitet der Partei Sorgen. Problematisch seien "die Grabenkämpfe vor Ort", die aktive Mitgliedergewinnung verhinderten, heißt es im Protokoll: "Der Umgang in der Linken ist teilweise erschreckend und hat Ausstrahlung auf die Mitgliedschaft und vor allem bei der Neugewinnung von Mitgliedern. Man traut sich oft nicht, Neumitglieder auf Veranstaltungen mitzunehmen." Kein Verständnis zeigte die Basis für den geplanten Umbau der Parteizentrale in Berlin. Eine Spendenaktion dafür wurde abgelehnt.
Irritiert reagierten die Funktionäre auf den Erfolg der Grünen, sie waren uneins, ob sie deren Rezepte kopieren oder ob sie bewusst "nicht den Grünen hinterherlaufen" sollten. Der stellvertretende Vorsitzende Heinz Bierbaum räumte bei dem Treffen ein, dass das Alleinstellungsmerkmal der Linken als Partei der sozialen Gerechtigkeit etwas "verblasst" sei. Immer wieder forderten Genossen vom eigenen Parteivorstand, "befriedend" auf innerparteiliche "Kämpfe" einzuwirken und sich solidarisch zu verhalten, "mehr konkrete Politik täte gut". Ein Teil der Funktionäre ist offenbar vollkommen ratlos: "Warum wählen uns die Leute, deren Interessen wir vertreten, mehrheitlich nicht?" Ein anderer zweifelt: "Verstehen wir die Wähler?"

DER SPIEGEL 30/2011
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