24.08.1998

Die Erwerbsgesellschaft

neigt sich ihrem Ende zu, je mehr die Menschen durch den Einsatz intelligenter Technologien ersetzt werden. Der Münchner Soziologe Ulrich Beck, 54, Experte für riskanten gesellschaftlichen Wandel ("Die Risikogesellschaft", "Politik der Globalisierung"), propagiert deshalb die ehrenamtliche "Bürgerarbeit". Sie soll in einer individualistischen Gesellschaft mit schrumpfenden Arbeitsmengen Alternativen bieten. Beck, der in München und London Soziologie lehrt, war führendes Mitglied der von den Ministerpräsidenten Bayerns und Sachsens initiierten Kommission für Zukunftsfragen. Deren neokonservative Wirtschaftsentwürfe forderte die Berliner Arbeitssenatorin Christine Bergmann, 58, zu einer Streitschrift heraus. Die Sozialdemokratin, in der DDR aufgewachsen, ficht vehement für die traditionelle Arbeitswelt, die die Menschen in die Demokratie einbindet und ihnen Identität verleiht. Notfalls müsse die schwindende Arbeit anders aufgeteilt werden, meint Bergmann, die designierte Familienministerin im Schattenkabinett von SPD-Spitzenkandidat Gerhard Schröder ist.

DER SPIEGEL 35/1998
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