Viermal hat der SPIEGEL Geheimmaterial der Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlicht: Kriegstagebücher aus Afghanistan und dem Irak, später US-Botschaftsdepeschen und Dokumente über das Gefangenenlager Guantanamo. Stets hatte die Redaktion darauf bestanden, über die Berichterstattung nur nach eigenen Grundsätzen zu entscheiden. So wurde die Identität von Informanten der US-Militärs oder von Diplomaten nicht preisgegeben, um die Zuträger zu schützen. WikiLeaks akzeptierte die Bedingungen. In der Nacht zum Freitag vergangener Woche hat WikiLeaks diesen Pfad verlassen. Ihr Chef Julian Assange, 40, ließ 251 287 Dokumente von Diplomaten mit unbearbeiteten, hochsensiblen Daten ins Netz stellen, nachdem der Zugangscode bekanntgeworden war. In einer gemeinsamen Erklärung haben der SPIEGEL, die "New York Times", der britische "Guardian", die französische "Le Monde" und die spanische "El País", die WikiLeaks als Quelle genutzt hatten, diesen Schritt verurteilt. Ob der SPIEGEL künftig Enthüllungsplattformen nutzen werde, hänge davon ab, ob sie vertrauenswürdig seien, sagt SPIEGEL-Chefredakteur Georg Mascolo, 46: "WikiLeaks hat durch seine jüngste Entscheidung, das Material zu veröffentlichen, viel Vertrauen eingebüßt" (Seite 146).
DER SPIEGEL 36/2011
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