Noch heute besteht Dick Cheney, Vizepräsident unter George W. Bush, darauf, dass er in der Frage des Irak-Kriegs richtiggelegen habe. In seiner vorige Woche erschienenen Autobiografie "In My Time" führt er dazu selbst engste Mitarbeiter aus der Bush-Administration vor. So erzählt er, die damalige Sicherheitsberaterin und spätere Außenministerin Condoleezza Rice habe ihm unter Tränen darin zugestimmt, dass sich die Regierung nicht für Bushs Rede an die Nation 2003 entschuldigen müsse. Bush hatte in dieser Rede behauptet, der Irak habe versucht, sich Uran für Massenvernichtungswaffen zu beschaffen, was sich als falsch herausstellte. Rice räumt zwar ein, dass sie Cheney damals beigepflichtet habe, doch sagt sie: "Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in den ganzen acht Jahren einmal mit Tränen in den Augen zum Vizepräsidenten gekommen bin." Hart geht Cheney auch mit dem ehemaligen Außenminister Colin Powell ins Gericht, der dem Irak-Krieg skeptisch gegenüberstand: "Powell sprach lieber über Umfrageergebnisse, als militärische Optionen zu empfehlen", schreibt Cheney. Aus dem Kreis der ausländischen Regierungschefs hebt Cheney den damaligen britischen Premierminister Tony Blair heraus, der Großbritannien zum wichtigsten Partner der USA machte. Die führenden Kriegsgegner dagegen, Bundeskanzler Gerhard Schröder und Frankreichs Präsident Jacques Chirac, erwähnt Cheney in seinem Buch mit keinem Wort.
DER SPIEGEL 36/2011
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