09.11.1998

I. DAS JAHRHUNDERT DER IMPERIEN: 1. Supermacht USASupermacht USA

Die drei Worte "Das amerikanische Jahrhundert" sind mit Sicherheit einer der bekanntesten Begriffe der Zeitgeschichte. Der amerikanische Verleger Henry Luce prägte sie im Februar 1941 - als Überschrift für einen von ihm verfaßten Artikel in seinem "Life"-Magazin.
Nur wenige Monate bevor Hitler die Sowjetunion angriff und Japan Pearl Harbor bombardierte, war das eine sehr selbstbewußte Vorausschau auf eine zukünftige Ära. "Amerikanische Erfahrung", frohlockte Luce, "ist der Schlüssel für die Zukunft. Amerika wird der große Bruder in einer internationalen Staatenbruderschaft sein."
So eine Vision vorzutragen war damals gewagt, denn innenpolitisch wollte der US-Kongreß unter allen Umständen einen Krieg vermeiden; die eigene Armee war unzureichend bewaffnet, und außenpolitisch standen die hochgerüsteten Achsenmächte zum Angriff bereit.
Andererseits: Hätten ausländische Beobachter einen solchen Gedanken nicht sofort verworfen, wenn er 40 Jahre eher, also zu Beginn des Jahrhunderts, formuliert worden wäre, das Luce als das "amerikanische" bezeichnete? Um 1900 schien es ja so, als gehörten die traditionellen Großmächte wie Frankreich, Spanien und das Habsburger Reich zu den Verlierern, und das 20. Jahrhundert würde von vier miteinander rivalisierenden Imperien dominiert werden: dem britischen, dem russischen, dem amerikanischem und dem deutschen.
Die darwinistische Sicht eines zukünftigen Kampfes der "Großen Vier" beeinflußte mutmaßlich den deutschen Admiral Alfred von Tirpitz, als er begeistert das Flottenbauprogramm vorantrieb, sie brachte einen britischen Imperialisten wie Joseph Chamberlain dazu, Reformen im eigenen Land anzustoßen, und war Auslöser für russische Expansionsgelüste.
Ja, die Amerikaner sprachen damals von der "manifest destiny" ihres Landes, der Bestimmung, die Welt mit amerikanischen Werten zu beglücken. In Wahrheit aber war der Ausgang des Rennens um die Vorherrschaft der Welt in den kommenden hundert Jahren für die meisten Strategie-Denker völlig offen.
Nur einige Weitsichtige außerhalb der Vereinigten Staaten - der britische Premierminister William Gladstone und vielleicht der deutsche Kaiser Wilhelm II., der 1896 die europäischen Staaten zur Einigung aufrief, um sich gegen zukünftige wirtschaftliche und politische Vormacht der USA zu wappnen - fühlten, daß Washington eines Tages Mittelpunkt der Weltgeschichte sein könnte.
Womit begründeten sie und die zahlreichen Nationalisten in diesem erstaunlichen Land, daß sie an einen unaufhaltsam wachsenden US-Einfluß in der Welt glaubten? Einer der Gründe war zweifellos die wirtschaftliche Macht Amerikas. Man mußte kein Marxist sein, um sich vorzustellen, daß sich der materielle Reichtum in politischer und strategischer Macht niederschlagen würde: fruchtbares Land, gewaltige Bodenschätze, steigende Industrieproduktion, ein riesiges Bahn- und Straßennetz, betriebsame Häfen, zahllose Multi-Millionäre.
Am Vorabend des Ersten Weltkriegs war das amerikanische Bruttosozialprodukt genauso groß wie das aller anderen Großmächte zusammengenommen: eine Statistik, die Bismarck und seinen frühen britischen Gegenspieler Premierminister Lord Palmerston sehr überrascht (und beunruhigt) hätte.
Es gab aber auch andere, weniger meßbare Anzeichen für den sich anbahnenden Aufstieg Amerikas. Es waren der Pioniergeist, die Energie der Menschen, ob Räuber-Barone oder Neuland-Bauern im Wilden Westen, die so ganz anders waren als die biederen Gewohnheiten der Alten Welt. Es herrschte das Gefühl grenzenlosen Wachstums, begründet in der im Vergleich zu kleinen und stark bevölkerten Staaten wie England, Italien und den Niederlanden ungeheuren Weite des Landes. Und dieser Traum vom sozialen Aufstieg wirkte wie ein Magnet, er zog jedes Jahr Millionen neuer Immigranten ins Land, begierig, ihr eigenes Glück zu machen und den Wohlstand der Nation zu vermehren.
Die negativen Aspekte dieser lebendigen, aber auch rauhbeinigen amerikanischen Gesellschaft stießen bei traditionellen ausländischen Beobachtern eher auf Ablehnung. Die amerikanische Politik, insbesondere zu Wahlkampfzeiten, schien sogar nach europäischem Standard außergewöhnlich korrupt, man ging davon aus, daß jede Stimme im Kongreß käuflich sei.
Die amerikanische Massenkultur empfinden europäische Ästheten und Intellektuelle bis heute als abstoßend. Mit Amerikas rohen Gesellschaftssitten verband man Zügellosigkeit, Instabilität und Exzeß. Es muß wohl sehr beruhigend für diese Beobachter gewesen sein, daß die Vereinigten Staaten sich nach einem kurzen Krieg mit Spanien 1898 außenpolitisch nicht mehr engagierten.
Die USA gefielen sich im Isolationismus, weitab von Europa, ihre Zentralregierung war nicht stark, und trotz einer großen Flotte (1914 die zweitgrößte vor Deutschland) waren die Streitkräfte insgesamt bedeutungslos. Amerika erschien exzentrisch (im doppelten Wortsinn), aber harmlos. Das war eine damals weit verbreitete Fehleinschätzung.
Doch erwiesen sich diejenigen als hellsichtig, die instinktiv begriffen, daß Amerikas gigantische Ressourcen früher oder später die Balance der Großmächte beeinträchtigen würden - etwa der britische Außenminister Sir Edward Grey oder der junge Winston Churchill, der Amerika als eine "riesige Industrie-Maschine" beschrieb. Und sie hatten recht.
Als die europäischen Mächte im August 1914 in den Krieg zogen, erwarteten die meisten Experten einen schnellen und klaren Ausgang. Aber weil jede Seite aus einer Koalition mit mehreren Staaten bestand, mit jeweils großem Potential an Menschen und Material, war dem Konflikt ein solches Ende nicht beschieden.
Als die Kosten des Krieges ständig stiegen, suchten beide Allianzen nach neuen Partnern, etwa der Türkei, Japan, Italien, Bulgarien, Rumänien, Griechenland. Doch wie der Historiker A. J. P. Taylor bemerkte, war das einzige Land, das die Kraft hatte, die Machtbalance der Welt zu verändern, jene rätselhafte, transatlantische Nation USA.
Schon 1915 war der finanzielle Einfluß der USA bemerkbar, und im entscheidenden Jahr 1918 beendeten ihre Armeen das militärische Patt an der Westfront. Mehr noch, führende Politiker und die Öffentlichkeit in der Welt mußten sich mit der immensen ideologischen Wirkung der amerikanischen Präsenz auseinandersetzen. Der Aufruf des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson nach nationaler Selbstbestimmung, einem Frieden ohne Sieg, der Freiheit der Meere und einer neu intonierten internationalen Ordnung, ein Aufruf, der von Danzig bis Delhi gehört wurde, veränderte für immer den politischen Diskurs.
Wenn die USA denn wirklich dazu auserkoren waren, die kommende Hegemonialmacht der Welt zu sein, so beschritten sie den Weg halbherzig und ziellos. Nach 1919 war Amerika eine sehr zurückhaltende Supermacht. Der Kongreß votierte für Isolationismus und Neutralität. Eine Mitgliedschaft im Völkerbund, Wilsons stolze Schöpfung, wurde nicht mehr in Betracht gezogen. Die Armee, in den Jahren 1917/18 massiv aufgerüstet, wurde genauso massiv zurückgestutzt. Es gab Vorschläge, die Eliteeinheit Marine Corps aufzulösen, ja sogar über den Erhalt der Institution des Außenministeriums debattierte man. Das Geheimbüro zur Entzifferung ausländischer Chiffre-Schriften wurde geschlossen.
Die Nation stimmte im wirtschaftlichen Bereich für eine fast vollständig selbstzentristische Politik, und der Anteil des Außenhandels am Bruttosozialprodukt reduzierte sich wie nie zuvor. Doch paradoxerweise vergrößerte sich gleichzeitig der Einfluß der amerikanischen Wirtschafts- und Finanzpolitik im Ausland kontinuierlich. Das beweist die internationale Welle der Schwierigkeiten, die dem Crash an der Wall Street 1929 folgte, und das regelrechte Abwürgen des amerikanischen Außenhandels durch den im folgenden Jahr eingeführten Smoot-Hawley-Zolltarif*.
Die Welt suchte verzweifelt nach einem wirtschaftlichen Rettungsanker, und obwohl Amerika die Mittel für diese Rolle besaß, verweigerte es sich. Deshalb stand Amerika während der dreißiger Jahre nicht mehr auf seinem natürlichen Platz in der Mitte der politischen Weltbühne, sondern, ähnlich wie sein ebenfalls rätselhaftes so-
* Das von den beiden Kongreßabgeordneten Willis Chatman Hawley und Reed Owen Smoot 1930 ausgearbeitete Zoll-Abkommen war der Höhepunkt des amerikanischen Protektionismus. ** Das im März 1941 vom amerikanischen Kongreß beschlossene Leih- und Pachtgesetz bevollmächtigte den US-Präsidenten, Kriegsmaterial und Lebensmittel an alliierte Länder zu liefern. Großbritannien und das Commonwealth erhielten Waren im Wert von rund 30 Milliarden Dollar, die Sowjetunion im Wert von etwa 10 Milliarden Dollar.
wjetisches Pendant, nur am Rande - und das zu einem Zeitpunkt, als sich die geschwächten westlichen Demokratien mit den aufziehenden faschistischen Diktaturen konfrontiert sahen.
Wie lange diese kuriose Situation hätte andauern können, ist schwer zu beurteilen. Präsident Roosevelt und seine Berater allein wären nicht in der Lage gewesen, Amerika aus dem Isolationismus herauszuführen - hätte es nicht die zunehmende Aggression eines Adolf Hitler und der japanischen Militärführung gegeben. Die Lobby der Isolationisten wehrte sich zunächst gegen eine Einmischung der USA in einen Krieg in Europa und im Pazifik und lehnte es ab, gegen die Bedrohungen eine Strategie zu formulieren.
Doch als Frankreich und die kleineren europäischen Staaten besiegt waren, die Sowjetunion angegriffen und Großbritannien belagert wurde, war Amerika gezwungen, in die internationale Politik zurückzukehren. Das war die eigentliche Bedeutung von Henry Luces Aufruf an seine Landsleute 1941, einen Schritt zu unternehmen und den Rest des Jahrhunderts in ein "amerikanisches" zu verwandeln.
Und tatsächlich, die Zeit der USA war gekommen. Nur sie hatten die industrielle Kraft, den faschistischen Staaten materiell zu trotzen und sowohl die eigenen Truppen auszurüsten als auch die der bankrotten Alliierten mit dem einzigartigen Leih- und Pachtgesetz zu unterstützen**.
Je weiter der Krieg voranschritt, desto deutlicher wurde das ungeheure Potential der USA sichtbar: Für jedes von deutschen U-Booten versenkte Handelsschiff baute Amerika drei neue, jedes über Europa oder dem Pazifik abgeschossene alliierte Flugzeug ersetzte es durch fünf. Im Jahre 1944 allein wurden 96 318 Flugzeuge produziert, und alle paar Wochen lief ein Flugzeugträger vom Stapel.
Während die deutsche und die japanische Luftwaffe mangels Treibstoff kaum Angriffe mehr fliegen konnten, flogen amerikanische Piloten Sondereinsätze, um Weihnachtskuchen an die Truppe zu verteilen - weltweit. Nichts war unmöglich. Sollte es Milliarden Dollar kosten, um etwa die neue, noch nie getestete Atombombe zu produzieren, so wurden die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt.
Schon 1945 war der Aufruf Luces in vielen Teilen der Welt begriffen worden. Ob man es mag oder nicht, Amerika war überall der "große Bruder" - von Brasilien über Australien bis zum Mittelmeer. Zwischen lauter erschöpften und erledigten Ländern waren allein die USA gesund und stark genug, um Geld in den Nachkriegsaufbau zu pumpen.
Amerika hatte nun das Britische Empire als die größte See-, Handels- und Finanznation abgelöst. Als die neue Hegemonialmacht war es Chef-Konstrukteur einer neuen internationalen Architektur. Dabei konnte es nicht überraschen, daß die Institutionen, die auf der Konferenz von Bretton Woods 1944 geschaffen wurden (Weltbank und Weltwährungsfonds), in Washington und nicht in London, die Vereinten Nationen nicht in Genf, sondern in New York ihren Hauptsitz nahmen. Amerikas Streitkräfte waren hochgerüstet, und Washington besaß das Monopol auf die Atombombe.
Ob der Kongreß und die Öffentlichkeit bei einer stabilen außenpolitischen Lage den Weltmachtanspruch Amerikas hätten zurücknehmen können, ist schwer zu beurteilen. Tatsächlich wurden nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Armee- und Luftwaffenstützpunkte im Ausland aufgelöst und die Truppenstärken reduziert. Und viele Amerikaner forderten gar die Rückkehr zu den alten isolationistischen Vorkriegszeiten.
Aber die Verschlechterung der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen und der Beginn des Kalten Krieges ließen solche Kalkulationen nicht zu. Amerikas führende Politiker, die sich auf die aus der Phase von Appeasement und Isolationismus gezogenen Lehren beriefen, änderten schnell ihren Kurs und sagten allen Demokratien, die darum bitten sollten, ihre Hilfe zu: der Beginn der Truman-Doktrin.
Militärische Unterstützung wurde Ländern mit einer Freizügigkeit versprochen, die die Gründungsväter überrascht hätte: Griechenland, der Türkei und anderen Nato-Verbündeten, Japan, Australien, Zentral- und Lateinamerika. US-Bomber wurden auf ehemaligen britischen Flugzeugbasen stationiert, Soldaten bezogen wieder ihre ehemaligen Kasernen im Rheinland und in Bayern.
Es dauerte nicht lange, und die Worte "Pax Americana" waren allgemein bekannt. Die Macht Amerikas gegenüber anderen Ländern war vermutlich ausgeprägter, als das jemals seit dem Römischen Reich der Fall gewesen war.
Während der Kalte Krieg das weltweite Engagement Amerikas förderte, verdeckte er doch zugleich die einzigartige Stellung der USA. Die Existenz der UdSSR mit ihrer riesigen konventionellen Streitmacht und (ein wenig später) ihrem Nukleararsenal, ihren Verbündeten in Osteuropa und der Dritten Welt sowie ihrer konkurrierenden Ideologie schuf in den Augen der Weltöffentlichkeit ein bipolares System, eine Welt zweier Supermächte.
In den späten sechziger Jahren versprach Nikita Chruschtschow, der erste Mann der Sowjetunion, gar, die USA einzuholen und dabei den Kapitalismus zu "beerdigen". Und noch andere Faktoren überdeckten die tatsächliche Dominanz Amerikas. Viele Entwicklungsländer lehnten beide Blöcke ab. Anti-Amerikanismus war in Europa wie auch bei den Vereinten Nationen weit verbreitet.
Der Vietnamkrieg löste nicht nur innenpolitische Konflikte in den USA aus, sondern auch heftige Kritik an Amerika im Ausland. Die Position des amerikanischen Präsidenten wurde durch den Watergate-Skandal von 1972 dauernd geschwächt.
Das Ende des Bretton-Woods-Systems der festen Wechselkurse ein Jahr später deutete auf wachsende wirtschaftliche Schwächen hin. Mit einer Erniedrigung der Supermacht endete gar die Geiselkrise in Iran 1981, als die Machtmittel der USA versagten. Der Aufstieg Japans, und mit ihm eines Großteils Ostasiens, nährte Zweifel an der Zukunftsfähigkeit amerikanischer Technologie und die Angst, von den Asiaten überholt zu werden. All dies deutete weniger auf ein "amerikanisches Jahrhundert" hin als auf den allmählichen Niedergang Amerikas.
Solche Befürchtungen hatten viel für sich, doch die Propheten des Untergangs ignorierten eine Reihe wichtiger Faktoren. Erstens zeigte der Erzrivale UdSSR noch sehr viel größere ökonomische Schwächen als die USA, auch wenn viele Kalte Krieger dies jahrelang nicht zugeben mochten. Die Sowjetunion war, nach den Worten des Strategie-Wissenschaftlers Paul Dibb, die "unvollständige Supermacht" - und nicht nur die unvollständige, sondern die zunehmend an Boden verlierende und schließlich in Auflösung übergehende.
Mit ihrer Auszehrung verlor die UdSSR ihre Kontrolle über Osteuropa und dann über die nichtrussischen Republiken innerhalb der Union. Diese Entwicklung versetzte der politischen Attraktivität des Kommunismus für den Rest der Welt praktisch den Todesstoß - und mit ihm dem sozialistischen Ideal der Planung.
Der zweite Faktor war die erstaunliche Fähigkeit der amerikanischen Wirtschaft, sich seit Beginn der achtziger Jahre neu zu finden und so einen guten Teil ihrer früheren Führungsrolle zurückzugewinnen. Diese Erneuerung des Unternehmergeistes war begleitet von einschneidenden Maßnahmen - Verkleinerung der Belegschaften, Brechen (oder doch Schwächung) des Gewerkschaftseinflusses, Schaffung von Millionen nichtversicherten Teilzeitjobs und Produktionsverlagerung in Billiglohnländer.
Kein europäisches Land, mit Ausnahme von Margaret Thatchers Großbritannien, sah sich infolge der Zwänge der auf dem alten Kontinent nach dem Krieg etablierten Sozialpartnerschaft in der Lage, diesen Weg zu gehen. Bis heute hält sich dort starker Widerstand gegen den Kapitalismus amerikanischer Prägung. Aber dessen Kritiker können kaum bestreiten, daß das Ergebnis der wirtschaftlichen Erneuerung Amerikas eine vielbeneidete, äußerst wettbewerbsfähige Wirtschaftsmaschine ist. Dazu trug auch bei, daß die sich in den siebziger und achtziger Jahren rasant entwickelnden neuen Technologien den Stärken Amerikas entgegenkamen. Computer, Kommunikationssysteme, neue Software und die Entstehung eines globalen Datennetzes brachten eine Wissensrevolution, die nur in einer dezentralisierten Gesellschaft und Wirtschaft entstehen konnte. Gleichzeitig war auch ihr Nutzen für eine ausgeprägt pluralistische Gesellschaft wie die amerikanische weitaus größer als für das verkalkte Sowjetsystem oder die stark bürokratisierten Länder Europas und Japan.
Die Wissensrevolution schuf gewissermaßen eine sich selbst verstärkende Rückkopplung, die wiederum denjenigen einen Vorteil verschaffte, die sie (wie Bill Gates) ursprünglich angestoßen hatten. All dies stärkte zudem nicht nur die amerikanische Wirtschaftskraft, auch die Kampfstärke der amerikanischen Militärmacht profitierte enorm von den neuen Technologien und machte die US-Kriegsmaschine sowohl in der taktischen wie der strategischen Kriegführung allen anderen Armeen der Welt überlegen.
Und wenn auch europäische Intellektuelle über Grobheit, Gier und den Mangel an Fürsorge in Ronald Reagans Amerika herziehen mochten, so mühten sich doch Millionen von Menschen in anderen Teilen der Welt - in Osteuropa, Ostasien, der Karibik -, in die USA zu gelangen, weil sie ihren Familien dort ein besseres Leben zu ermöglichen hofften. Und die Schar neuer Immigranten verstärkte das amerikanische Sonderbewußtsein, die Vorstellung, einer durch nichts aufzuhaltenden Nation anzugehören.
Darüber hinaus trieben amerikanische Politiker von Reagan bis Clinton die ökonomische Umwandlung des Landes gezielt voran. Sie verringerten die Staatsausgaben (und die Erwartungen der Bürger an die Leistungsfähigkeit des Staates), reduzierten Steuern, eliminierten Währungs- und Kapitalkontrollen.
Diese Befreiung des Kapitals, die auch die Briten konsequent, die übrigen Länder jedoch weitaus zurückhaltender und langsamer durchsetzten, ließ auf einmal riesige Kapitalströme auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten um die Erde kreisen. Sie belohnten Länder und Regionen, die den amerikanischen Laisser-faire-Praktiken folgten, und bestraften jene, die ihnen zu widerstehen versuchten, ob nun Mitterrands Frankreich oder Suhartos Indonesien.
Da die Kommunikationsrevolution der letzten beiden Jahrzehnte hauptsächlich von den USA ausging, führte sie - gewollt oder ungewollt - auch zum Export amerikanischer Kultur. Dies bedeutete nicht einfach die Verbreitung amerikanischer Freihandelsideologie, amerikanischer Modegewohnheiten oder amerikanischer Hotelketten (so daß das Hilton in Singapur nicht anders aussieht als das Hilton in Dallas).
Vielleicht noch wichtiger war die Verbreitung amerikanischer Jugendkultur - MTV, Freizeitkleidung, Jeans, die Hard-Rock-Cafés, Hollywoodfilme und noch vieles andere. Nichts davon war intellektuell besonders gehaltvoll, es war derb und laut und versprach vor allem sofortige Befriedigung - aber für junge Menschen weltweit war diese Kultur wegen ihrer befreienden Botschaft ungemein attraktiv.
Ihr Einfluß war außerdem schleichend und entzog sich den Versuchen muslimischer Ajatollahs, sowjetischer Politkommissare und französischer Kulturminister, das Eindringen dieser gefährlichen amerikanischen Unsitten zu verhindern.
Hollywoodfilme und amerikanische Jugendkultur mochten niveaulos sein - doch die amerikanische Renaissance der letzten zwei Jahrzehnte zeitigte vieles, das auf eine zunehmende Konzentration des geistigen, wissenschaftlichen und technologischen Potentials der Erde innerhalb der Grenzen dieser einen Nation hindeutete. Amerika beherbergt die großen Forschungszentren von Bell und IBM, die Labore der aufstrebenden Pharmazie- und Biotechnologie-Industrie. Die USA dominieren die Software-Entwicklung der Welt. Das Land besitzt ein unschätzbares intellektuelles Kapital in seinen Universitäten, mit denen die Hochschulen anderer Länder einfach nicht konkurrieren können.
Die Liste der Nobelpreisträger belegt diese Dominanz jährlich aufs neue. Junge Wissenschaftler aus Indien oder Brasilien, Schottland oder Kambodscha strömen in die USA, um dort zu studieren. Heutzutage verlegen deutsche Pharmakonzerne ihre Forschungslabore auf die andere Seite des Atlantiks, während die Geschäftsführung Englisch zur offiziellen Firmensprache erklärt.
In so gut wie allen Dimensionen der Macht, ob man "weiche" Machtfaktoren wie Jugendkultur oder "harte" wie Kriegsgerät, die Finanzkraft oder die Forschung betrachtet - in allen Bereichen befinden sich die USA heute in einer stärkeren Position als jemals seit den vierziger Jahren.
Zum Teil liegt der Grund in der Ausnutzung und Wiedergewinnung eigener Stärken, aber sicherlich auch in der Schwäche der Rivalen Amerikas. Die Sowjetunion ist zerbrochen, und Rußland kann sich kaum selbst ernähren. Das japanische Bankensystem ist gefährlich nahe am Zusammenbruch. China kämpft mit Problemen, die bereits fast ganz Asien erfaßt haben. Und Europa, obwohl es sich langsam auf eine Währungsunion zubewegt, ist weit davon entfernt, eine einheitliche und effektive Politik zu betreiben. Angesichts der Schwäche der anderen großen Mächte sind die Vereinigten Staaten dem von Henry Luce erträumten "amerikanischen Jahrhundert" näher als je zuvor.
Wie stehen Amerikas Aussichten, seine dominierende Stellung im kommenden Jahrhundert noch weiter auszubauen? Bestimmte Anzeichen sprechen dafür: Die Durchsetzung amerikanischer Standards im Welthandel schreitet fort, amerikanische Kultur breitet sich immer noch über den Globus aus, und die Welle der Demokratisierung erfaßt immer weitere Regionen unseres Planeten.
Nationalisten in den USA freuen sich auf die "Amerikanisierung" von allem und jedem, während diese Vorstellung bei Politikern in anderen Ländern von Kanada bis Malaysia auf Ablehnung stößt. Ob sie es befürworten oder kritisieren - es ist deutlich zu erkennen, daß ein Großteil der Menschheit eine noch dominierendere Rolle Amerikas in der Welt erwartet.
Andere Entwicklungen weisen jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Je mehr die Amerikanisierung und Globalisierung voranschreitet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit einer Gegenreaktion. In Rußland und Indonesien ist sie bereits zu spüren, ebenso an zahlreichen anderen Orten, wo die Menschen das Gefühl haben, den kreativen Windstürmen des internationalen Kapitalismus schutzlos ausgeliefert zu sein.
Obwohl schwer vorherzusagen ist, welche Stellung etwa Europa oder China in 25 Jahren einnehmen werden, so haben beide doch das Potential, um mit den USA gleichzuziehen oder sie sogar zu überflügeln - zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht. Während es für die amerikanische Regierung im Kalten Krieg mit seinem klaren Feindbild vergleichsweise einfach war, Volk und Verbündete hinter sich zu bringen, wird dies angesichts sehr viel diffuserer und komplizierterer Bedrohungen amerikanischer Interessen in Zukunft weitaus schwieriger werden.
Schließlich könnten die Turbulenzen der amerikanischen Innenpolitik und hausgemachte Kulturkämpfe zwischen Linksliberalen und der religiösen Rechten es Amerika schwerer machen als noch im Kalten Krieg, Führer heranzuziehen, die nicht nur nach innen schauen, sondern internationale Entwicklungen im Auge behalten. Alle diese Faktoren könnten - zusammen oder einzeln - Amerikas globale Führungsrolle beeinträchtigen.
Ein letzter Gedanke: Werden "Macht" und "Einfluß" sich künftig überhaupt noch aus der Perspektive von Nationalstaaten, wie es die USA und Rußland sind, messen lassen? Oder werden Staaten-Konglomerate wie die Europäische Union in Zukunft die Hauptakteure sein? Die Dezentralisierung des Wissens stärkt die Rolle von Individuen und Firmen, nicht aber die der Nationalstaaten. Die Finanzmärkte sind von ihnen abgekoppelt. Das Kapital zirkuliert frei, und es läßt sich nur schwer vorstellen, wie es unter Kontrolle gebracht werden kann.
Viele Beobachter meinen, daß die großen, multinationalen Firmen angesichts ihrer Fähigkeit, Ressourcen von einem Teil unseres Planeten in einen anderen zu verschieben, die wirklich souveränen Akteure auf der Weltbühne sein werden. Weltweit agierende Drogenbarone und international operierende Terroristen stellen ebenfalls neue und schwerwiegende Herausforderungen an die traditionelle Staatsmacht dar. In welchem Maß kann "Einfluß" unter diesen Bedingungen noch als amerikanisch oder nicht-amerikanisch bezeichnet werden?
Mehr noch: Während das Ende unseres Jahrhunderts naht, ächzt und stöhnt das vorhandene Gebäude der internationalen Beziehungen unter einem enormen Veränderungsdruck. Viele Experten glauben, daß wir uns echten Grenzbereichen nähern - hinsichtlich der Zerstörungen, die wir unserem Planeten zugefügt haben, dem immer noch starken Bevölkerungszuwachs, der unkontrollierbaren Schwankungen unseres Finanzsystems - und daß auch große Gesellschaften unter dieser Beanspruchung zusammenbrechen werden.
Können die Vereinigten Staaten diese neuen Herausforderungen - allein oder mit Verbündeten - meistern, zudem in einem Zeitalter des Dauerkonflikts zwischen Präsident und Kongreß? Daß den USA dies gelingt, ist alles andere als ausgemacht. Es könnte daher sein, daß wir über das 21. Jahrhundert grundsätzlich anders denken müssen als über das gegenwärtige.
Zweifellos haben die Vereinigten Staaten von Amerika auf unserer Erde in den letzten hundert Jahren mehr Einfluß ausgeübt als irgendein anderes Land. In diesem Sinn mag man das 20. Jahrhundert als das Amerikas bezeichnen, mehr noch als man das 16. Jahrhundert mit Spanien, das 18. mit Frankreich und das 19. mit Großbritannien verbindet.
So bestehen zwar keine Zweifel, daß die USA in das 21. Jahrhundert als die Weltmacht Nummer eins eintreten werden. Aber ob dies auch über die nächsten hundert Jahre so bleiben wird, ist eine offene Frage. Denn die technologischen, wirtschaftlichen, demographischen und ökologischen Veränderungen, die unseren Planeten im gegenwärtigen Zeitalter prägen, sind so grundlegend, daß es voreilig wäre zu behaupten, Amerika werde auch das kommende Jahrhundert prägen.
Nur eine kluge Politik wird es den Vereinigten Staaten ermöglichen, noch viele Jahre an der Spitze der Welt zu stehen. Aber es scheint ratsam, sich an Voltaires Frage zu erinnern: "Wenn Rom und Karthago fielen, welche Macht ist dann unsterblich?" Die Antwort des französischen Philosophen lautete: "Keine."
Der Autor
Paul Kennedy, 53, Professor der Geschichte und Direktor für Sicherheitsstudien an der Yale-Universität, wurde einer breiteren Öffentlichkeit durch sein Buch "Aufstieg und Fall der großen Mächte" bekannt. Der gebürtige Brite sagte darin das Ende der UdSSR, aber mittelfristig auch den Niedergang der USA voraus.
LITERATUR
STEPHEN AMBROSE: "Rise to Globalism: American Foreign Policy since 1938". Penguin USA, New York 1997; 428 Seiten.
ERICH ANGERMANN: "Die Vereinigten Staaten von Amerika". dtv, München 1995; 560 Seiten.
ROBERT DALLEK: "Franklin D. Roosevelt and American Foreign Policy 1932 - 1945". Oxford Univ. Press, New York 1995; 671 Seiten.
JOHN LEWIS GADDIS: "Strategies of Containment: A Critical Appraisal of Postwar American National Security". Oxford Univ. Press, New York 1982; 432 Seiten.
DAVID HALBERSTAM: "The Best and the Brightest". Random House, New York 1992; 708 Seiten.
GEORGE KENNAN: "American Diplomacy". Univ. of Chicago Press, Chicago 1985; 179 Seiten.
HENRY KISSINGER: "Memoiren 1968 - 1973". Aus dem Amerikanischen von Hans-Jürgen Baron von Koskull. Bertelsmann, München 1979; 1632 Seiten.
HENRY KISSINGER: "Memoiren 1973 - 1974". Aus dem Amerikanischen von Hans-Jürgen Baron von Koskull. Bertelsmann, München 1982; 1504 Seiten.
WALTER LAFEBER: "America, Russia, and the Cold War 1945 - 1996". McGraw-Hill, New York 1997; 421 Seiten.
WILLIAM LINK: "American Epoch: A History of the United States since 1900". McGraw-Hill, New York 1993; zwei Bände; 864 Seiten.
ARTHUR NEAL: "National Trauma and Collective Memory: Major Events in the American Century". New York 1998; 224 Seiten.
JAMES PATTERSON: "Grand Expectations: The United States 1945 - 1974". Oxford Univ. Press, New York 1997; 848 Seiten.
UDO SAUTTER: "Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika". Kröner, Stuttgart 1994; 629 Seiten.
ARTHUR SCHLESINGER JR.: "The Disuniting of America: Reflections on a Multicultural Society". W. W. Norton, New York 1998; 207 Seiten.
ROBERT SCHULZINGER: "A Time for War: The United States and Vietnam, 1941 - 1975". Oxford Univ. Press, New York 1997; 432 Seiten.
GRAFIKTEXT AUF SEITE 172
Triumph und Ohnmacht Die USA in diesem Jahrhundert
1901 US-Präsident William McKinley wird er- mordet; Bau und Verwaltung des Panamakanals gehen an die USA
1917 Die USA treten in den Ersten Weltkrieg ge- gen Deutschland ein
1918 Präsident Thomas Woodrow Wilson verliest sein 14-Punkte-Programm über Kriegsziele und Friedensbedingungen
1919 Friedenskonferenz der Siegermächte in Ver- sailles; der amerikanische Senat lehnt den Frie- densvertrag ab und tritt dem Völkerbund nicht bei
1920 Prohibition: verfassungsmäßiges Verbot von Einfuhr, Herstellung und Verkauf von Alkohol
1924 Der Dawes-Plan sieht die Regelung der Re- parationszahlungen Deutschlands an die Alliier- ten vor, die damit ihre Kriegsschulden in den USA begleichen
1927 Postflieger Charles Lindbergh landet nach 33,5 Stunden Nonstop-Flug aus den USA in Paris
1929 Schwarzer Freitag an der New Yorker Börse; die Kurse fallen um bis zu 90 Prozent; Beginn der Weltwirtschaftskrise
1933 Präsident Franklin D. Roosevelt prägt die Politik des "New Deal": Wirtschaftsreform durch staatliche Intervention; die USA erhalten ein So- zialstaatsprogramm
1941 Die Atlantik-Charta bekräftigt gemeinsame Friedensziele von Roosevelt und dem britischen Premier Winston Churchill. Japanischer Überfall auf Pearl Harbor; die USA erklären Japan den Krieg; Kriegserklärung Deutschlands an die USA
1944 "D-Day": Landung der Alliierten in der Normandie
1945 Präsident Roosevelt stirbt; sein Nachfolger Harry S. Truman befiehlt den Atombombenabwurf auf die japanische Stadt Hiroschima; eine zweite Bombe folgt drei Tage später auf Nagasaki; Japan kapituliert
1948 Marshallplan: Unterstützung für wirt- schaftsschwache europäische Staaten in Höhe von 14 Milliar
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Triumph und Ohnmacht Die USA in diesem Jahrhundert 1901 US-Präsident William McKinley wird er- mordet; Bau und Verwaltung des Panamakanals gehen an die USA 1917 Die USA treten in den Ersten Weltkrieg ge- gen Deutschland ein 1918 Präsident Thomas Woodrow Wilson verliest sein 14-Punkte-Programm über Kriegsziele und Friedensbedingungen 1919 Friedenskonferenz der Siegermächte in Ver- sailles; der amerikanische Senat lehnt den Frie- densvertrag ab und tritt dem Völkerbund nicht bei 1920 Prohibition: verfassungsmäßiges Verbot von Einfuhr, Herstellung und Verkauf von Alkohol 1924 Der Dawes-Plan sieht die Regelung der Re- parationszahlungen Deutschlands an die Alliier- ten vor, die damit ihre Kriegsschulden in den USA begleichen 1927 Postflieger Charles Lindbergh landet nach 33,5 Stunden Nonstop-Flug aus den USA in Paris 1929 Schwarzer Freitag an der New Yorker Börse; die Kurse fallen um bis zu 90 Prozent; Beginn der Weltwirtschaftskrise 1933 Präsident Franklin D. Roosevelt prägt die Politik des "New Deal": Wirtschaftsreform durch staatliche Intervention; die USA erhalten ein So- zialstaatsprogramm 1941 Die Atlantik-Charta bekräftigt gemeinsame Friedensziele von Roosevelt und dem britischen Premier Winston Churchill. Japanischer Überfall auf Pearl Harbor; die USA erklären Japan den Krieg; Kriegserklärung Deutschlands an die USA 1944 "D-Day": Landung der Alliierten in der Normandie 1945 Präsident Roosevelt stirbt; sein Nachfolger Harry S. Truman befiehlt den Atombombenabwurf auf die japanische Stadt Hiroschima; eine zweite Bombe folgt drei Tage später auf Nagasaki; Japan kapituliert 1948 Marshallplan: Unterstützung für wirt- schaftsschwache europäische Staaten in Höhe von 14 Milliarden Dollar 1949 Gründung des Nordatlantik- pakts (Nato) 1950 Die USA tre- ten zur Verteidigung Südkoreas in den Koreakrieg ein 1951 Julius und Ethel Rosenberg werden wegen Atomspionage zum Tode verurteilt 1952 Die USA zünden die erste Wasserstoff- bombe mit einer Zerstörungskraft von 700 Hiroschima-Bomben 1961 Exilkubaner wollen mit US-Hilfe Fidel Castro stürzen: Die Invasion in der Schweine- bucht scheitert 1962 Kubakrise: ausgelöst durch sowjetische Mittelstreckenraketen auf Kuba; amerikanische Seeblockade zwingt die UdSSR zum Einlenken 1963 Präsident John F. Kennedy besucht West-Berlin als alliierter Freiheitsgarant und sagt: "Ich bin ein Berliner"; am 22. Oktober wird Kennedy in Dallas Opfer eines Attentats 1964 Präsident Lyndon B. Johnson befiehlt die offene Beteiligung der USA am Vietnamkrieg: Bis zum Waffenstillstand 1973 dienten insgesamt 2,8 Millionen US-Soldaten in Vietnam 1969 Landung der amerikanischen Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin auf dem Mond 1972 Präsident Richard M. Nixon und Leonid Breschnew unterzeichnen in Moskau das Rüstungskontrollabkommen Salt I 1974 Die Watergate-Affäre zwingt Nixon zum Rücktritt 1979 Bei Harrisburg/Pennsylvania kommt es im Kernkraftwerk Three Mile Island beinahe zum Super-GAU; Besetzung der US-Botschaft in Teheran und Geisel- nahme; die gescheiterte Befreiung der 52 Bot- schaftsangehörigen wird zur Niederlage für Prä- sident Jimmy Carter 1983 Ronald Reagan ordnet die US-Invasion auf Grenada an 1985 Ein geplantes satellitengestütztes Raketen- abwehrsystem (SDI) soll die USA unverwundbar machen 1991 Golfkrieg: Die USA führen eine Alli- anz von 31 Staaten gegen den Irak. "Operation Wüsten- sturm" zwingt Sad- dam Hussein zum Abzug aus Kuweit
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Die USA in diesem Jahrhundert
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Triumph und Ohnmacht Die USA in diesem Jahrhundert 1901 US-Präsident William McKinley wird er- mordet; Bau und Verwaltung des Panamakanals gehen an die USA 1917 Die USA treten in den Ersten Weltkrieg ge- gen Deutschland ein 1918 Präsident Thomas Woodrow Wilson verliest sein 14-Punkte-Programm über Kriegsziele und Friedensbedingungen 1919 Friedenskonferenz der Siegermächte in Ver- sailles; der amerikanische Senat lehnt den Frie- densvertrag ab und tritt dem Völkerbund nicht bei 1920 Prohibition: verfassungsmäßiges Verbot von Einfuhr, Herstellung und Verkauf von Alkohol 1924 Der Dawes-Plan sieht die Regelung der Re- parationszahlungen Deutschlands an die Alliier- ten vor, die damit ihre Kriegsschulden in den USA begleichen 1927 Postflieger Charles Lindbergh landet nach 33,5 Stunden Nonstop-Flug aus den USA in Paris 1929 Schwarzer Freitag an der New Yorker Börse; die Kurse fallen um bis zu 90 Prozent; Beginn der Weltwirtschaftskrise 1933 Präsident Franklin D. Roosevelt prägt die Politik des "New Deal": Wirtschaftsreform durch staatliche Intervention; die USA erhalten ein So- zialstaatsprogramm 1941 Die Atlantik-Charta bekräftigt gemeinsame Friedensziele von Roosevelt und dem britischen Premier Winston Churchill. Japanischer Überfall auf Pearl Harbor; die USA erklären Japan den Krieg; Kriegserklärung Deutschlands an die USA 1944 "D-Day": Landung der Alliierten in der Normandie 1945 Präsident Roosevelt stirbt; sein Nachfolger Harry S. Truman befiehlt den Atombombenabwurf auf die japanische Stadt Hiroschima; eine zweite Bombe folgt drei Tage später auf Nagasaki; Japan kapituliert 1948 Marshallplan: Unterstützung für wirt- schaftsschwache europäische Staaten in Höhe von 14 Milliarden Dollar 1949 Gründung des Nordatlantik- pakts (Nato) 1950 Die USA tre- ten zur Verteidigung Südkoreas in den Koreakrieg ein 1951 Julius und Ethel Rosenberg werden wegen Atomspionage zum Tode verurteilt 1952 Die USA zünden die erste Wasserstoff- bombe mit einer Zerstörungskraft von 700 Hiroschima-Bomben 1961 Exilkubaner wollen mit US-Hilfe Fidel Castro stürzen: Die Invasion in der Schweine- bucht scheitert 1962 Kubakrise: ausgelöst durch sowjetische Mittelstreckenraketen auf Kuba; amerikanische Seeblockade zwingt die UdSSR zum Einlenken 1963 Präsident John F. Kennedy besucht West-Berlin als alliierter Freiheitsgarant und sagt: "Ich bin ein Berliner"; am 22. Oktober wird Kennedy in Dallas Opfer eines Attentats 1964 Präsident Lyndon B. Johnson befiehlt die offene Beteiligung der USA am Vietnamkrieg: Bis zum Waffenstillstand 1973 dienten insgesamt 2,8 Millionen US-Soldaten in Vietnam 1969 Landung der amerikanischen Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin auf dem Mond 1972 Präsident Richard M. Nixon und Leonid Breschnew unterzeichnen in Moskau das Rüstungskontrollabkommen Salt I 1974 Die Watergate-Affäre zwingt Nixon zum Rücktritt 1979 Bei Harrisburg/Pennsylvania kommt es im Kernkraftwerk Three Mile Island beinahe zum Super-GAU; Besetzung der US-Botschaft in Teheran und Geisel- nahme; die gescheiterte Befreiung der 52 Bot- schaftsangehörigen wird zur Niederlage für Prä- sident Jimmy Carter 1983 Ronald Reagan ordnet die US-Invasion auf Grenada an 1985 Ein geplantes satellitengestütztes Raketen- abwehrsystem (SDI) soll die USA unverwundbar machen 1991 Golfkrieg: Die USA führen eine Alli- anz von 31 Staaten gegen den Irak. "Operation Wüsten- sturm" zwingt Sad- dam Hussein zum Abzug aus Kuweit
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Die USA in diesem Jahrhundert
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* Das von den beiden Kongreßabgeordneten Willis Chatman Hawley und Reed Owen Smoot 1930 ausgearbeitete Zoll-Abkommen war der Höhepunkt des amerikanischen Protektionismus. ** Das im März 1941 vom amerikanischen Kongreß beschlossene Leih- und Pachtgesetz bevollmächtigte den US-Präsidenten, Kriegsmaterial und Lebensmittel an alliierte Länder zu liefern. Großbritannien und das Commonwealth erhielten Waren im Wert von rund 30 Milliarden Dollar, die Sowjetunion im Wert von etwa 10 Milliarden Dollar.
Von Paul Kennedy

DER SPIEGEL 46/1998
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