DER SPIEGEL



Kino in Kürze

Feuerreiter.

Über das Leben des wahnsinnigen Dichters Friedrich Hölderlin ist vor allem eines bekannt: daß er 36 Jahre lang in einem Tübinger Turmzimmer lebte. Kein sonderlich üppiger Stoff für einen zweistündigen Film; die Regisseurin Nina Grosse konzentriert sich denn auch auf die Zeit vor dem endgültigen Wahnausbruch Hölderlins (Martin Feifel). Grosse schildert die starke Neigung des Dichters zu seinem Freund Sinclaire (Ulrich Matthes), vor allem aber seine Liebe zur verheirateten Susette Gontard (Marianne Denicourt) und kriegt sich so wenig ein über die leidenschaftlichen Küsse, daß ihr der Film viel zu lang gerät, zugleich aber die entscheidende Frage nicht beantwortet: Was findet der Dichter bloß an diesem Weib? Das steht nämlich vor allem dekorativ in der Gegend herum und entwickelt nicht im Ansatz so etwas wie Charakter.


DER SPIEGEL 49/1998
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