19.09.2011

PersonalienHelmut Schmidt,Oskar Lafontaine

Helmut Schmidt, 92, Alt-Bundeskanzler, und sein ehemaliger Parteigenosse Oskar Lafontaine, 68, bleiben wohl auf ewig unversöhnt. Lafontaine, damals SPD-Chef im Saarland, hatte 1982 gegenüber dem "Stern" gesagt, mit den von Schmidt gelobten Sekundärtugenden "Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit" könne man "auch ein KZ betreiben". Dem SPIEGEL liegt nun eine Kopie des Briefs vor, den der Geschmähte daraufhin an den "lieben Oskar Lafontaine" schrieb - mit Kopie an den damaligen SPD-Vorsitzenden Willy Brandt. Darin bezieht sich Schmidt auf ein Telefonat vom Vorabend, in dem der Saarländer behauptet habe, ihn mit seinen Äußerungen "nicht persönlich treffen" zu wollen. Der Kanzler will daraufhin Lafontaine geraten haben, die "in den Mund gelegten Zitate durch einen Leserbrief aus der Welt zu schaffen, dessen Abdruck Du mit Hinweis auf das Presserecht verlangen solltest". Lafontaines Erwiderung: Das könne er nicht machen, denn die Zitate seien "so gefallen wie abgedruckt". Diese Tatsache, so Schmidt in seinem Brief, habe es "unmöglich" gemacht, die "von Dir angedeutete Entschuldigung zu akzeptieren". Er habe "eine derartige Beleidigung in über 36 Jahren der Zugehörigkeit zu meiner Partei bisher weder innerhalb der Partei noch von einem politischen Gegner erlebt". Schmidt beendete das Schreiben mit dem Hinweis, er werde sich "zu dieser Beleidigung" nicht öffentlich äußern. 26 Jahre später nahm der Alt-Kanzler dennoch Revanche. 2008 verglich er den inzwischen aus der SPD ausgetretenen Lafontaine (nunmehr Parteichef der Linken) mit "Adolf Nazi": beide seien charismatische Redner.

DER SPIEGEL 38/2011
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