01.10.2011

SPORTGESCHICHTEVerschnupfte Legenden

Im Jahr 1966, in der Steinzeit des Anti-Doping-Kampfes, ließ der Fußball-Weltverband Fifa erstmals Spieler bei einer Weltmeisterschaft auf Dopingsubstanzen testen. Positive Fälle aus England wurden nicht gemeldet. Doch offenbar gab es damals in der deutschen Mannschaft drei Spieler, bei denen ein Verstoß gegen die Dopingregeln nachgewiesen wurde. Das geht aus einem Brief vom 29. November 1966 hervor, den Historiker der Berliner Humboldt-Universität entdeckt haben. An jenem Tag schrieb der Vorsitzende des Medizinischen Komitees der Fifa, der Jugoslawe Mihailo Andrejević, an seinen Arztkollegen Max Danz, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands, über den Verlauf der Dopingtests bei der WM und notierte: "Wir hatten nur zum Schluss bei der deutschen Mannschaft bei drei Spielern sehr feine Zeichen von der Einnahme eines gewissen Ephedrinmittels gegen Schnupfen entdeckt." Ephedrin stand auf der Liste der verbotenen Medikamente, die allen Delegationen vorlag. Allerdings waren keine Grenzwerte festgelegt worden - streng genommen waren die Fußballer also gedopt. Möglicherweise hatten der deutsche Teamarzt und die Spieler es unterlassen, Andrejevićs Komitee darüber zu informieren, dass sie ein ephedrinhaltiges Präparat verwenden. Sanktionen zog dieses Versäumnis nicht nach sich. Die Elf von Bundestrainer Helmut Schön erreichte das Finale, unterlag dort England aufgrund des "Wembley-Tors" 2:4 und wurde zur Legende.

DER SPIEGEL 40/2011
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