31.10.2011

Bescheuertes Schachbrett

Hat denn die Presse "kein anderes Thema als ein bescheuertes Schachbrett?" Das ist die Frage, die sich Peer Steinbrück in diesen Tagen stellt. Der Euro ist natürlich auch interessant, aber ein Schachbrett kann ebenfalls attraktiv sein, zumal wenn es falsch aufgestellt ist und die Spielpartner Peer Steinbrück und Helmut Schmidt heißen. Die haben in der vergangenen Woche das Gesprächsbuch "Zug um Zug" veröffentlicht. Das Cover zeigt sie beim Schachspiel, das Brett aber steht verdreht. Unten rechts, vom Spieler aus betrachtet, ist ein schwarzes Feld, eigentlich müsste dort ein weißes sein. Damit ändert sich die Grammatik des Spiels, aber Steinbrück teilt mit: "Ob da rechts ein weißes Feld war, war uns scheißegal." Die Situation war offenbar so: Die Fotografin Ingrid von Kruse hatte den Schachtisch in Schmidts Haus für das Shooting zum Fenster gerückt, aber nicht gedreht, wie sie der "Süddeutschen Zeitung" erzählte. Schmidt war da noch beim Mittagsschlaf. Als er ausgeschlafen hatte, habe er "sich mit seinen Gehbeschwerden an die ihm nächstgelegene Seite gesetzt", berichtet nun Steinbrück. Niemand habe daran gedacht, den Altkanzler wegen der falschen Anordnung "wieder umzusetzen". Wie im SPIEGEL-Gespräch vergangene Woche erklärt Schmidt in dem Buch seinen Schachpartner für kanzlertauglich. Die Welt weiß nun, dass Steinbrück in Schmidts Augen gut regieren kann. Sie weiß auch, durch das bescheuerte Schachbrett, dass Steinbrück ganz gut darin ist, auch mal fünfe gerade sein zu lassen.


DER SPIEGEL 44/2011
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