07.11.2011

RÜSTUNGSINDUSTRIEThyssen will U-Boot-Kooperation kündigen

Der Konzern ThyssenKrupp will die Zusammenarbeit mit dem Essener Industriedienstleister Ferrostaal beim Verkauf von U-Booten "schnellstmöglich" beenden - "notfalls auch durch einseitige Kündigung". So jedenfalls steht es in einem Brief, den der Vorstand der ThyssenKrupp Marine Systems am 20. Oktober an Ferrostaal-Vorstand Joachim Ludwig schrieb. Beide Konzerne sind bislang zu gleichen Teilen an der Vertriebsfirma Marine Force International (MFI) in London beteiligt. Das Unternehmen wurde 2004 gegründet, um von der Thyssen-Tochter HDW gebaute U-Boote in alle Welt zu verkaufen. Hintergrund des Ausstiegs von ThyssenKrupp ist offenbar die Korruptionsaffäre um Ferrostaal. Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft dem Unternehmen vor, beim Verkauf von Schiffen der 214er-Klasse an Griechenland Schmiergelder in Millionenhöhe gezahlt zu haben.
Insider vermuten jedoch, dass ThyssenKrupp auch aus dem Konsortium aussteigen will, weil die MFI selbst zuletzt immer wieder in Korruptionsverdacht geriet. So spielte die Londoner Firma etwa in der Affäre um fragwürdige Zahlungen im Zusammenhang mit dem Verkauf von U-Booten an Südkorea eine Rolle. Nach einem SPIEGEL-Bericht vergangene Woche musste ThyssenKrupp einräumen, an einen unter Korruptionsverdacht stehenden Vermittler in Seoul Millionen überwiesen zu haben, obwohl MFI spätestens seit 2007 wusste, dass dieser schon 1993 wegen Bestechung koreanischer Militärs verurteilt worden war.
Die Geschäfte der MFI wurden auch in einem streng vertraulichen Bericht der US-Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton durchleuchtet. Die konnte bei ihrer Untersuchung zwar keine Hinweise auf konkrete Schmiergeldzahlungen über MFI finden, listete in ihrem Bericht aber zahlreiche Ungereimtheiten bei U-Boot-Projekten mit Pakistan, Indonesien, der Türkei, Italien und Ägypten auf. Bei dem Türkei-Geschäft stießen die Anwälte zum Beispiel auf ein dubioses Darlehen über zwei Millionen Euro an einen Vertriebspartner vor Ort. In Indonesien soll der dortige Vermittler vor Auftragsvergabe unverhohlen "Schmiermittel in die Taschen meiner Freunde" gefordert haben.

DER SPIEGEL 45/2011
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