12.12.2011

FUSSBALL

Vom Bauch bestimmt

Günter Schlösser, 65, Chef des Vermögensverwalters Portfolio Concept aus Köln, über den Erfolg der Anleihe des Zweitligisten FC St. Pauli

SPIEGEL: Der FC St. Pauli hat vor vier Wochen eine Anleihe angeboten. Knapp 5000 Anleger haben sämtliche Papiere im Wert von sechs Millionen Euro gezeichnet. Der Club plant nun eine Aufstockung um zwei Millionen. Sind die Anleihen sicherer als Papiere aus Griechenland, wie FC-Geschäftsführer Michael Meeske behauptet?

Schlösser: Das kann man nicht vergleichen. Staatsanleihen aus Griechenland oder Portugal sind momentan höchst spekulative Geschäfte. Eine Vereinsanleihe wie die des FC St. Pauli ist dagegen meist eine Herzensangelegenheit für die Investoren.

SPIEGEL: Mit dem Geld aus der Anleihe möchte der Club sein Stadion ausbauen. Wer sind die Anleger?

Schlösser: Die Fans aus der Kurve. Es ist eine Chance, dem Verein zu helfen und sich mit ihm zu identifizieren. Wer diese Anleihen zeichnet, ist weniger von der Ratio bestimmt als vielmehr vom Bauch.

SPIEGEL: Der Club verspricht immerhin sechs Prozent Zinsen pro Jahr.

Schlösser: Das versüßt das Geschäft auf den ersten Blick. Hinter solch einem hohen Zinssatz steckt aber auch ein Risiko. Der FC St. Pauli hat kein Team für die Champions League. Der Verein sollte aufsteigen, seine Ziele erreichen, ordentlich wirtschaften, damit er die Renditen zurückzahlen kann.

SPIEGEL: Können Anleihen ein interessantes Modell zur Finanzierung von Fußballclubs werden?

Schlösser: Es kommt darauf an, wie der Verein das Geld nutzen will. Dass der FC St. Pauli in sein Stadion investiert, ist sinnvoll. Das hat einen Gegenwert. Durch mehr Zuschauer kann mehr Geld eingenommen werden. Das Geld aus Anleihen in die Mannschaft zu stecken ist problematisch. Spieler haben keinen konstanten Wert. Da ist es unsicher, ob es mit der Rückzahlung auch klappt.


DER SPIEGEL 50/2011
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