Die politischen Unruhen des Arabischen Frühlings haben in Nordafrika das antike Erbe in Mitleidenschaft gezogen. Am Suez-Kanal nutzen Diebe den Aufstand, um aus einem Lager über 500 Objekte zu entwenden. Dem Ägyptischen Museum in Kairo fehlen über 30 herausragende Stücke, darunter zwei vergoldete Statuen Tutanchamuns; eine weitere fand man beschädigt auf einem Bahnsteig wieder. In Tunesien, wo der Clan um den Diktator Ben Ali seine Privatvillen mit Kostbarkeiten aus den Ruinen Karthagos zierte, wurden Mosaiken und Schmuck ins Ausland geschafft. Schlimm traf es auch Libyen, wo Randalierer 14 000 Jahre alte Felsbilder im Akakus-Gebirge beschädigten. Zurückweichende Truppen Gaddafis stahlen derweil in Tripolis Statuen. Besonders verheerend: In Bengasi, der Hochburg der Aufständischen, drangen Unbekannte in die National Commercial Bank ein und knackten das Schließfach mit dem "Schatz von Bengasi". Geraubt wurden Medaillons, Edelsteine, Glas, Elfenbeinfiguren sowie 7700 Gold-, Silber- und Bronzemünzen. Erst Ende September teilte Interpol den Verlust mit. Der Schatz stammt aus dem Artemis-Tempel von Kyrene und gilt als einer der größten Funde der Archäologiegeschichte. Eine einzige, vergleichbare Münze erzielte jüngst auf einer Auktion in Paris einen Preis von 300 000 Euro.
DER SPIEGEL 52/2011
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