02.01.2012

DIPLOMATIEBlutdiamanten und Cocktails Brügger:

Wie der dänische Dokumentarfilmer Mads Brügger, 39, zum Sonderbotschafter Liberias in der Zentralafrikanischen Republik wurde
SPIEGEL: Sie haben sich als afrikanischer Diplomat ausgegeben, um ...
Brügger: Moment, "ausgegeben" ist falsch. Ich war wirklich einer und bin es noch. Was ich dabei erlebt habe, kann man in meinem Film "The Ambassador" sehen. Neben dem Pass besitze ich auch die offizielle Ernennungsurkunde, unterschrieben von der Präsidentin Liberias, Ellen Johnson Sirleaf.
SPIEGEL: Wie wird ein Däne Staatsvertreter Liberias?
Brügger: Es gibt mehrere Firmen, die mit solchen Titeln handeln. Ich habe einem holländischen Geschäftsmann 135 000 Euro dafür bezahlt. In den neunziger Jahren hat Liberia 2500 diplomatische Titel verkauft. Wer sich damit in einem afrikanischen Schurkenstaat bewegt, dem eröffnen sich viele Möglichkeiten.
SPIEGEL: Zum Beispiel der illegale Handel mit Diamanten?
Brügger: Die Ausfuhr von Blutdiamanten ist ein attraktives Nebengeschäft für viele Diplomaten in Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik. Im Film versuche ich, mit dem Betreiber einer Mine ins Geschäft zu kommen, was auch gelingt. Abends trinke ich dann Cocktails mit anderen Abgesandten im lokalen Nightclub. Daneben habe ich zur Tarnung ein offizielles Projekt verfolgt, den Bau einer Zündholzfabrik.
SPIEGEL: Bei einem Treffen mit Pygmäen tragen Sie Sonnenbrille, Reiterstiefel und rauchen Zigarre. Was soll das Outfit?
Brügger: Mein Afrika-Bild wurde durch "Tim und Struppi" und die "Tarzan"-Filme geprägt. Diese Mischung aus Kolonialherr und Indiana Jones, in der ich auftrete, ist eine Hommage. Außerdem war ich damit so auffällig, dass keiner Verdacht schöpfte.
SPIEGEL: Wurde der Spaß nie gefährlich?
Brügger: Einer der Männer, die wir für den Film interviewten, ist später erschossen worden. Nicht, weil er mit uns gesprochen hat, aber trotzdem zeigt das, mit welchen Leuten wir es zu tun hatten.
SPIEGEL: Im Film erhalten Sie am Ende eine Lieferung Rohdiamanten. Was haben Sie damit gemacht?
Brügger: Irgendeinem Gauner weiterverkauft. Das Geld ist in den Aufbau der Zündholzfabrik geflossen.
SPIEGEL: Haben Sie strafrechtliche Konsequenzen zu fürchten?
Brügger: Die Anwälte sagen nein. Ob die Leute, deren Machenschaften der Film aufdeckt, in Schwierigkeiten kommen, weiß ich nicht. Ich hoffe es.
www.theambassador.dk

DER SPIEGEL 1/2012
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