02.01.2012

CASTINGSHOWS„Ich will Kunst“

Jurypräsident Thomas D, 43, Mitglied der Band Die Fantastischen Vier, über die Eurovision-Song-Contest-Talentsuche „Unser Star für Baku“, ab 12. Januar auf ProSieben/ARD
SPIEGEL: Ist es eine undankbare Aufgabe, als Nachfolger von Lena-Entdecker Stefan Raab einen neuen deutschen Kandidaten zu finden?
Thomas D: Ich bin nicht angetreten, dieses Wunder noch zu toppen. Ich habe ein anderes Ziel. Ich will mit dem Sieger ein Album machen, das sich abhebt von den sonstigen 08/15-Alben von Castingshow-Gewinnern. Ich will etwas präsentieren, das die Bezeichnung Kunst verdient.
SPIEGEL: Eine seriöse Castingshow - funktioniert das?
Thomas D: Raab hat als Erster gezeigt, dass es eine seriöse Alternative gibt zu diesen Verheizungsmaschinen von Menschen und Schicksalen. Jetzt sind wir mit "Unser Star für" nicht mehr allein in dieser Position. Auch "X Factor" und "The Voice of Germany" versuchen, die Kandidaten ernst zu nehmen.
SPIEGEL: "Deutschland sucht den Superstar" und "The Voice" sind Quotenhits. Wie wollen Sie da mithalten?
Thomas D: Die Quote interessiert mich nicht. Wir wollen zeigen, wie man es richtig macht - und seriös bleibt. Wir sind live und können schon deshalb nicht in der Nachbearbeitung überdramatisieren. Mich nerven diese Überzeichnungen, wenn etwa in diesen Shows genau ein Zuschauer genau im richtigen Moment aufspringt. Das ist ja erst im Nachhinein so komponiert.
SPIEGEL: Bei "Unser Star für Oslo" waren es vor allem junge Kandidaten. Bei "The Voice" treten auch erfahrene Sänger auf.
Thomas D: Wir suchen definitiv nach einem frischen Talent. Wenn einer 35 Jahre alt ist und wir noch nie etwas von ihm gehört haben, dann hat das seinen Grund. Wer 20 Jahre in Coverbands singt und den Durchbruch nicht schafft, der kriegt es auch mit einer Castingshow nicht hin.
SPIEGEL: Sind Sie auch als Jurypräsident so deutlich - oder eher kuschelig?
Thomas D: Ich bin sicherlich nicht wie Dieter Bohlen. Dieser menschenverachtende Gestus gefällt mir nicht. Aber alles immer nur toll zu finden ist auch nicht sehr glaubwürdig. Wenn etwas Mist ist, dann muss dazu auch "Mist" gesagt werden.

DER SPIEGEL 1/2012
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