02.01.2012

GESTORBENJohannes Heesters

Johannes Heesters, 108. Die meisten nahmen ihn nur noch als biologisches Wunder wahr, sein Spitzname "Jopie" wurde als Synonym für ein unvorstellbares Menschenalter gebraucht. Je älter er wurde, desto mehr schwand die Zahl jener, die sich noch daran erinnerten, was für ein Popstar Heesters in den dreißiger und vierziger Jahren gewesen war, ein leidenschaftlicher Verführer in schwarzweißen Filmen, der mit kraftvollem Tenor die Schönheit der Frauen besang. Selbst als er schon blind war, ein Hörgerät trug und beim Gehen gestützt wurde, sang er noch "Da geh' ich ins Maxim", ein frivoles Lied aus der Operette "Die lustige Witwe". Wenn man ihn fragte, was ihn im Greisenalter noch auf die Bühne treibe, pflegte er zu antworten: "Jetzt ist es auch zu spät, um aufzuhören." Bis zuletzt war seine zweite Frau, die 46 Jahre jüngere Schauspielerin Simone Rethel, an seiner Seite; seine erste Ehe hatte 55 Jahre gehalten. Das Verhältnis zu seiner niederländischen Heimat blieb schwierig. Dass Heesters in Nazi-Deutschland Karriere gemacht hatte, während die Niederlande von Hitlers Truppen besetzt waren, verziehen seine Landsleute ihm nie. Wegen seines Besuchs im Konzentrationslager Dachau 1941 geriet der Schauspieler später auch in Deutschland in die Kritik. Heesters stritt den Besuch im KZ nicht ab, klagte aber gegen einen Publizisten, der behauptet hatte, er sei vor der SS-Wachmannschaft aufgetreten. "Ich schwöre bei meiner Familie - es ist nicht wahr", sagte Heesters. Die genauen Umstände des KZ-Besuchs konnten niemals ganz aufgeklärt werden. Der Gerichtsstreit endete im April 2010 mit einem Vergleich. Heesters bedeutete es viel, dass er 2008 erstmals seit 44 Jahren wieder in seiner Geburtsstadt Amersfoort auftreten konnte, wenn auch unter Protest zahlreicher Demonstranten. Sein Wunsch, seine Königin zu treffen, erfüllte sich indes nicht. Eine Einladung für ein Bankett zu Ehren von Königin Beatrix der Niederlande nahm das Auswärtige Amt im Frühjahr 2011 wieder zurück. Johannes Heesters starb an Heiligabend in Starnberg.

DER SPIEGEL 1/2012
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