Erst das Haupt, dann der restliche Körper - nach diesem Muster scheint die Natur zu verfahren, wenn Wirbeltiere im Laufe der evolutionären Anpassung an die Umwelt ihre Gestalt verändern. Zu diesem Ergebnis kommen Paläobiologen, die Fischversteinerungen aus zwei unterschiedlichen erdgeschichtlichen Perioden untersucht haben. In beiden Fällen war es nach Massenaussterben unter den überlebenden Fischarten zu einer explosionsartigen Zunahme der Formenvielfalt gekommen. Doch obwohl zwischen den beiden Katastrophen Hunderte Millionen Jahre lagen, folgten die Wandlungen laut Fossilienbefund jedes Mal demselben Schema: "Zuerst tauchen sonderbare Kopfformen auf", berichtet Studienleiterin Lauren Sallan im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B". Erst danach hätten auch die Restkörper verschiedenartigste Größen und Formen angenommen - viele Evolutionsbiologen waren bisher von der umgekehrten Reihenfolge ausgegangen. Das Kopf-voran-Muster betrachten die Forscher als Hinweis darauf, dass die Suche nach neuen Nahrungsquellen die treibende Kraft der evolutionären Entwicklung war.
DER SPIEGEL 3/2012
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