06.02.2012

BIOGRAFIEN„Toupetträger erkennen sich sofort“

Der Schauspieler Manfred Krug, 74, über Beharrlichkeit
SPIEGEL: Wie haben Sie es geschafft, eine Fernsehkarriere zu machen, obwohl Sie mit Mitte zwanzig bereits eine Glatze hatten?
Krug: Ich habe mir anfangs Toupets besorgt. Ich wollte in den Filmen doch noch als jugendlicher Held durchgehen und Geld verdienen, da musste ich zuflicken.
SPIEGEL: In dem Bildband, der nun über Sie erscheint, steht unter manchen Fotos, wann Sie ein Haarteil getragen haben und wann nicht. Warum schummeln Sie nicht mehr?
Krug: Toupetträger erkennen sich untereinander sowieso sofort. Das kann so gut eingekämmt und geknüpft sein, wie es will. Ich fand mich damals ja nicht mal besonders schön, auf den alten Starpostkarten aus der DDR kam ich mir zu süß vor, zu weich. Ich habe dann darauf hingearbeitet, mehr wie ein Kerl auszusehen. Der Fotograf Jim Rakete hat mal einen schönen Mann aus mir gemacht, 1977, da war ich 40 und gerade in den Westen ausgereist - mit Glatze.
SPIEGEL: Was Ihnen dann in Ihrer Karriere weiterhalf, war der Lkw-Führerschein. Weil Sie den hatten, bekamen Sie den Job in der Fernsehserie "Auf Achse".
Krug: Ich hatte schon mal in der DDR einen Lkw-Fahrer gespielt, und damals durfte ich auch nicht nur so tun, als ob ich fahren könnte.
SPIEGEL: 15 Jahre lang machten Sie bei "Auf Achse" mit, dabei waren die Drehs oft gefährlich, schlecht bezahlt, die Drehbücher mies, schreiben Sie. Warum kündigten Sie nicht?
Krug: Weil der Job auch praktisch war. Ich war so in Lateinamerika, in Afrika, am Nordpol. Ich kam ja frisch aus einem Land, wo man zwar eine Weltanschauung haben sollte, die Welt aber nicht anschauen konnte.
SPIEGEL: Und jetzt haben Sie aus fünf Koffern fast tausend Fotos aus Ihrer Karriere hervorgeholt. Weil jetzt Schluss ist?
Krug: Ja, ich bin Rentner und mache nur noch, was ich will - Musik.
Krista Maria Schädlich, Oliver Schwarzkopf (Hg.): "MK Bilderbuch. Ein Sammelsurium. Mit Texten von Manfred Krug". Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin; 344 Seiten; 69,95 Euro.

DER SPIEGEL 6/2012
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