Klaus Wowereit, 58, Regierender Bürgermeister von Berlin und Aufsichtsratsvorsitzender der örtlichen Flughafengesellschaft, soll als Privatmann von simuliertem Fluglärm verschont bleiben. Das Landeskriminalamt untersagt den Gegnern des neuen Hauptstadt-Flughafens eine Demonstration besonderer Art. Samstag nach Aschermittwoch wollen engagierte Bürger vor Wowereits Wilmersdorfer Wohnung eine halbe Stunde lang den Fluglärm abspielen, den er "Hunderttausenden Bürgern im Süden der Stadt in den kommenden Jahrzehnten ununterbrochen zumutet". Die Organisatoren planen, dazu eigens hergerichtete Fahrzeuge an der Brandenburgischen Straße in Stellung zu bringen, die mit Lautsprecherauslegern in luftiger Höhe Wowis Wohnung mit dem Sound von Düsentriebwerken beschallen sollen. Die Polizei verordnete einen Mindestabstand und schlug vor, die Fluglärmsimulation an anderen Plätzen in der Nähe abzuspielen. Daraufhin konterte die Bürgerinitiative: "Es ist nicht recht einsehbar, warum dort den Anwohnern der Lärm zugemutet werden kann, nicht jedoch dem maßgeblich für die Entscheidungen verantwortlichen Politiker." Gegen die polizeiliche Einschränkung legten die Lärmfeinde Widerspruch ein. Ob Wowereit am betreffenden Samstag überhaupt in seiner Wohnung weilt, vermochte seine Kanzlei noch nicht zu sagen.
DER SPIEGEL 8/2012
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