27.02.2012

IRANTief enttäuscht

Vor der Parlamentswahl am Freitag dieser Woche stehen sich die Lager von Präsident Mahmud Ahmadinedschad und Revolutionsführer Ajatollah Ali Chamenei unversöhnlicher gegenüber als je zuvor. Selbst die Einigkeit, die der Regierungschef und der religiöse Führer im Atomstreit demonstrieren, trügt. So soll Ahmadinedschad darum bemüht sein, wieder mit dem Westen ins Gespräch zu kommen. Der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton liegt ein Brief aus Teheran vor, der Verhandlungsbereitschaft signalisiert. Chamenei wiederum dringt angeblich darauf, die Nuklearanlage von Fordo zügig auszubauen. Nahe der Stadt Ghom hat das Regime Labore errichten lassen, die bis zu 70 Meter tief in den Felsen verborgen sind. Das macht die Anlage nahezu unzerstörbar bei Luftangriffen, mit denen Israel droht. Derzeit rotieren in dem Bergmassiv unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA knapp 700 Zentrifugen - doppelt so viele wie im Herbst 2011. Die Chamenei-Fraktion will die Anlage jedoch möglichst bald mit der vollen Kapazität von 3000 Zentrifugen betreiben. Teheran hat zudem angekündigt, die Anlage von einer Forschungsstätte zur Anreicherungsfabrik umzudeklarieren. Fordo soll das Zentrum für die Uran-Anreicherung auf 20 Prozent werden und Natans als Produktionsort ablösen. Für Skeptiker nicht nur am IAEA-Sitz in Wien ist die neue Ausrichtung eine Provokation. Die "ernste und wachsende Sorge" der IAEA über Irans Atom-Aktivitäten spiegelt auch deren jüngster Bericht wider, der am Montag nächster Woche dem Gouverneursrat vorgelegt werden soll. Generaldirektor Yukiya Amano ist über die mangelnde Kooperationsbereitschaft Teherans "tief enttäuscht". Erst in der vergangenen Woche war eine weitere Mission gescheitert. Teheran weigerte sich, die Experten in eine militärische Anlage bei Parchin vorzulassen.

DER SPIEGEL 9/2012
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IRAN:
Tief enttäuscht