SPIEGEL: Vor wenigen Wochen wurde das Dopingverfahren in den USA gegen Lance Armstrong eingestellt. Kurz darauf kam er in Panama City bei seinem ersten bedeutenden Triathlon seit mehr als 20 Jahren auf den zweiten Platz, dort war er schneller als so mancher Weltklasse-Athlet. Trauen Sie ihm beim Ironman sogar den Sieg zu?
Bölts: Ich denke, er kann es unter die ersten zehn schaffen, aber nicht aufs Podium. Die Konkurrenz ist stark wie nie, die können mittlerweile auch enorm gut Rad fahren. Als ich vor zwölf Jahren den Ironman absolviert habe, war das noch ganz anders. Armstrong wird auf den 180 Kilometern einen Vorsprung rausfahren, aber der wird am Ende nicht reichen. Dafür ist seine Marathonzeit nicht gut genug.
SPIEGEL: Er kann das Laufen doch noch trainieren.
Bölts: Armstrong ist jetzt 40, seine biologische Uhr tickt. Die Ausdauer ist nicht das Problem, aber sein Bewegungsapparat wird den Belastungen irgendwann nicht mehr standhalten.
SPIEGEL: Wie ging es Ihnen denn während der Schlussdisziplin?
Bölts: Ich bin vom Rad gestiegen und viel zu schnell losgelaufen. Meine Beine waren sofort dicht. Als ich Tempo rausnahm, ging es irgendwie. Aber es war eine Qual.
SPIEGEL: In seiner Jugend war Armstrong einer der besten amerikanischen Triathleten, bevor er sich auf das Radfahren konzentrierte. Kann er von der Erfahrung profitieren?
Bölts: Er hat gelernt, technisch sauber zu schwimmen, das ist ein Vorteil. Ich hatte von so etwas wie dem Beinschlag keine Ahnung. Die 3,8 Kilometer durch den Pazifik waren der Horror. Ich hatte Krämpfe von der ungewohnten Bewegung.
DER SPIEGEL 9/2012
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