12.03.2012

Klassenziel: Elite

Wie das Internat Louisenlund mit dem Geld vermögender Eltern versucht, eine ganz normale Schule zu sein
Ingeborg Prinzessin zu Schleswig-Holstein gönnt sich bisweilen einen Hauch von Häme, wenn sie mit ihrem BMW Cabrio das Kopfsteinpflaster erreicht. Einmal pro Woche fährt sie von Hamburg an die schleswig-holsteinische Schlei. "Nicht sehr sportwagenfreundlich", sagt sie und lächelt die Strapazen weg auf der letzten Etappe zum Internat Louisenlund, dessen Trägerstiftung sie anführt. Auf der Rumpelstrecke hätten es zumindest jene ihrer Schützlinge oder deren Eltern schwer, die mit dem tiefergelegten Porsche kommen.
Einerseits will sie eben nicht, dass die schon auf dem Parkplatz zeigen, was sie haben (und sie haben oft eine Menge). Andererseits ist sie auf das Wohlwollen der reichen Eltern durchaus angewiesen. Zwar schicken viele Vermögende ihre Kinder auch auf ganz normale staatliche Gymnasien. Zwar gibt es andere teure Privatschulen wie das fast paramilitärisch anmutende Salem am Bodensee oder das abgeschiedene Lyceum Alpinum im Schweizer Zuoz, wo das Schuljahr mit rund 70 000 Schweizer Franken zu Buche schlägt - ohne Extras wie etwa den Einzelzimmerzuschlag. Aber Louisenlund hat zumindest in Deutschland einen besonderen Ruf.
320 Schüler werden hier zurzeit von 58 Lehrern betreut. In den Klassen sitzen im Schnitt 14 Schüler. In der Freizeit wird gesegelt, Tennis und Hockey gespielt. Der Bildungsauftrag ist klar: die Elite von morgen werden. Luxus geht dennoch anders. Man wolle keine Schnöselschule sein, so der Internatsleiter Werner Esser, der vorher in Salem unterrichtete.
Die Mischung ist ihm wichtig. Manche der Schüler (mit ärmeren Eltern) haben Leistungsstipendien, andere kommen aus dem Umland, weil Louisenlund für sie auch einfach eine nahe liegende Schule ist. Ein Vorfahr der Prinzessin habe das Schloss einst aus schierem Mangel zur Bildungsstätte umfunktioniert: "Die ersten Schüler waren drei Brüder mit zwei Paar Schuhen", so ihre Gründungslegende.
Die Zweibettzimmer, in denen die Zöglinge zumeist leben, sind spartanisch geblieben, die Wäsche muss selbst gewaschen werden. "Eine Mutter sagte mal zu mir, dass ihr Kind ein solch bescheidenes Zimmer nicht gewohnt sei und darin nicht leben könne. Ich habe mit dem Schüler gesprochen, der das alles völlig in Ordnung fand", so Prinzessin Ingeborg. "Das Problem haben oft eher die Eltern als die Kinder."
Auf großzügige Helfer ist die Schule dennoch angewiesen: "Das Internat macht unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten keinen Sinn", sagt die Prinzessin.
Einfach ist trotzdem manchmal besonders teuer: 30 000 Euro zahlen für Louisenlund jene, die sich das leisten können. Pro Schuljahr.
Von Martin U. Müller

DER SPIEGEL 11/2012
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