Ein verzweifelter Arzt mit einem Verwundeten, ein Kind auf einer Bahre, Rauchsäulen über der Wüste, jubelnde Rebellen, rote Farbe an der Wand eines Hauses, fast wie mit einem blutigen Pinsel gemalt - diese Szenen vom Krieg gingen als Fotos um die Welt. Ab Mai werden hundert davon in vier Ausstellungen dort gezeigt, wo sie entstanden sind: in Libyen, in den Städten Tripolis, Bengasi, Zintan und Misurata. Acht preisgekrönte Kriegsfotografen haben sich dafür zusammengetan. "Wir haben Schlachten gesehen, Tod, Zerstörung, Leiden", meint einer von ihnen, der Brasilianer André Liohn, 38, der dort vor allem für den SPIEGEL fotografierte. "Wir hoffen, dass jeder sich an das erinnert, was passierte, damit das Leiden nicht umsonst war." Organisationen wie "Reporter ohne Grenzen", libysche Zeitungen und Bürgerrechtler unterstützen die Ausstellungen, finanziert werden sie auch durch Crowdfunding im Internet. Das Projekt heißt "Almost Dawn in Libya" - fast schon Morgendämmerung über Libyen. Das war die Überschrift eines Artikels, den ein Reporter der "New York Times" über den Tod zweier Freunde schrieb: Fotografen, die vor einem Jahr in Misurata gestorben sind. Der amerikanische Reporter und Bestsellerautor Sebastian Junger ("Der perfekte Sturm", "War") hätte eigentlich mit einem der beiden nach Misurata fahren sollen. Doch es kam etwas dazwischen, Junger fuhr nicht und hat nun den Begleittext für die Ausstellung geschrieben: Der Tod seiner Freunde in Misurata habe sein Leben geändert; er will an keine Front mehr gehen. Kein Film, kein Foto, kein Buch sei so viel wert wie das Leben, so Junger, "aber irgendjemand muss diese Arbeit machen".
DER SPIEGEL 11/2012
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