14.12.1998

ROTES KREUZ

Brief gelöscht?

Die Staatsanwaltschaft München I hat gegen den Präsidenten des Bayerischen Roten Kreuzes und CSU-Landtagsabgeordneten Albert Schmid, 55, Ermittlungen wegen Untreue eingeleitet. Er soll im Zusammenhang mit der jüngst bekanntgewordenen Schmiergeldaffäre beim Rot-Kreuz-eigenen Blutspendedienst (BSD) leitende Mitarbeiter dazu angestiftet haben, Unterlagen verschwinden zu lassen.

Der Staatsanwaltschaft liegt die Aussage eines Zeugen vor, der zufolge Schmid am 11. November vergangenen Jahres ihn sowie zwei weitere Spitzenfunktionäre des Bayerischen Roten Kreuzes und des BSD aufgefordert habe, ein Schreiben des damals neuen BSD-Geschäftsführers Hardy Sehrt "zu vernichten". Außerdem habe Schmid verlangt, den Brief von allen Computer-Festplatten und Disketten zu löschen. Im Schreiben vom 9. November 1997 hatte Sehrt den Rot-Kreuz-Präsidenten "dringend" davor gewarnt, die alte Geschäftsführung des Blutspendedienstes für 1996 zu entlasten. Die sei für "gravierende Unregelmäßigkeiten" verantwortlich und habe sich möglicherweise strafbar gemacht (SPIEGEL 50/1998).

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit September gegen die früheren BSD-Geschäftsführer Heinrich Hiedl und Adolf Vogt. Die beiden sollen für den BSD Blutbeutel, Wattestäbchen und Testseren zu "weit überhöhten Konditionen" gekauft und dafür Bestechungsgelder kassiert haben.

Nach Aussage des Zeugen fiel die Aufforderung Schmids in einer Vorbesprechung zu einer Verwaltungsratssitzung und zu einer Gesellschafterversammlung des Blutspendedienstes. Trotz eindringlicher Warnungen habe Schmid für eine Entlastung Vogts und Hiedls gestimmt. Dadurch, so die Ermittler, seien Rückforderungen des Roten Kreuzes wesentlich erschwert. Der Präsident habe so womöglich das Vermögen des Roten Kreuzes gefährdet - was den Tatbestand der Untreue erfülle.

Schmid sagte dem SPIEGEL am vorigen Freitag, er habe "niemals irgend jemanden aufgefordert, Unterlagen zu vernichten". Ein solcher Vorwurf sei "völlig aus der Luft gegriffen".


DER SPIEGEL 51/1998
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