Bei den Bayreuther Festspielen werden in diesem Jahr mehr Karten in den freien Verkauf kommen als bisher. Der Bundesrechnungshof hatte die gängige Kartenvergabe gerügt. Ein Großteil der Kaufkarten war über feste Kontingente für diverse Interessengruppen verteilt worden, etwa für die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth, Reiseveranstalter, die Stadt Bayreuth, die Münchner Staatskanzlei oder den bayerischen DGB. In einer Stellungnahme des Bundesfinanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags vom 26. März heißt es jetzt unter anderem, dass es "keinen Grund mehr gibt, eine (räumlich begrenzte) Gewerkschaftsorganisation durch Bereitstellung eines Kartenkontingentes zu bevorteilen". Auch die Karten für die Mitarbeiter der Festspiele werden stark begrenzt, sie erhalten außerdem statt der besten Plätze im Parkett Sitze auf der Galerie. Eine vom Bundesrechnungshof angeregte Anhebung der Kartenpreise hält die Bundesregierung, die Gesellschafter der Festspiele ist, dagegen für nicht notwendig, vorerst wird es auch keine Erhebung geben, um marktgerechte Preise zu ermitteln. Der Verwaltungsrat der Festspiele hat angeblich erst "im Rahmen der Arbeitsgruppe" zur Kartenvergabe von der langjährigen Praxis erfahren, dass Kartenwünsche von "Persönlichkeiten aus dem kommunalen Bereich und dem Land sowie vor allem auch Künstler und Prominente" vom Kartenbüro in Bayreuth direkt bedient wurden. Durch die Streichungen werden in diesem Jahr die durch Kontingente gebundenen Karten von 55 auf 29,3 Prozent reduziert. Knapp ein Drittel aller Tickets - 19 131 Karten - kommt damit allerdings immer noch nicht in den freien Verkauf. Die Gesamtzahl der Eintrittskarten liegt bei rund 60 000.
DER SPIEGEL 14/2012
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