07.04.2012

PRESSE„Es sah mies aus“

Karl-Heinz Ruch, 58, Geschäftsführer der Berliner „tageszeitung“, über 20 Jahre „taz“-Genossenschaft und den Unterschied zwischen Brutto und Netto
SPIEGEL: Nach vielen klammen Jahren steht die "taz"-Genossenschaft, die Eigentümerin der Zeitung, heute besser da denn je, woran liegt's?
Ruch: Wir haben seit 2009 tatsächlich pro Jahr etwa 300 000 Euro erwirtschaftet und Einlagen von elf Millionen Euro. Das stecken wir vor allem in taz.de - unser digitales Angebot, das wir uns leisten und weiterentwickeln.
SPIEGEL: Werden auch die finanziell kurzgehaltenen "tazlerInnen" vom neuen Reichtum profitieren?
Ruch: Wir nähern uns zumindest Tarifgehältern an und lagern unsere Mitarbeiter nicht in Servicegesellschaften aus. Angehen müssen wir die Altersversorgung, wenngleich die bei uns noch komfortabler ist als bei den Schlecker-Kolleginnen.
SPIEGEL: Besser als in den Anfangszeiten sieht es jedenfalls heute aus, damals zahlte die "taz" einen Einheitslohn - 650 Mark netto.
Ruch: Damals wusste noch keiner hier, was der Unterschied zwischen Brutto und Netto ist. Der Einheitslohn wuchs in den achtziger Jahren aber schon auf 1600 Mark und wurde mit Grün-dung der Genossenschaft 1992 aufgegeben.
SPIEGEL: Anfang der neunziger Jahre fielen in Berlin Subventionen weg, von denen auch die "taz" profitiert hatte. Wie schlecht stand es um die Zeitung?
Ruch: Es sah mies aus, wir lebten von der Hand in den Mund. Einige träumten damals von einem finanzstarken guten Investor, der uns so weiterwurschteln ließ wie bisher. Aber das war irreal, so einen gab es nicht.
SPIEGEL: Sie waren gegen einen Verkauf?
Ruch: Sicher, aber eine optimale Lösung hatte ich damals nicht …
SPIEGEL: … bis Olaf Scholz anrief, heute Erster Bürgermeister von Hamburg.
Ruch: Genau, der hatte von unserer Diskussion gehört. Er arbeitete damals als Syndikus beim Zentralverband der Konsumgenossenschaften und meinte, so ein Modell sei auch für uns 'ne gute Sache. Es hat uns wohl gerettet.

DER SPIEGEL 15/2012
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