16.04.2012

SOLARBRANCHE„Hart und falsch“

Conergy-Chef Philip Comberg, 44, über den zweifelhaften Ruhm, als größter Geldverbrenner der Republik zu gelten
SPIEGEL: Der Börsenwert Ihrer Firma ist 2011 um 87 Prozent eingebrochen. Wie fühlt man sich als größter Kapitalvernichter am deutschen Aktienmarkt?
Comberg: Für unsere Aktionäre ist das zweifellos schmerzhaft. Sie haben in fünf Jahren fast ihr gesamtes Kapital verloren. Das basiert vor allem auf einer Reihe von Fehleinschätzungen des alten Managements. Unsere Anteilseigner müssen das nun leider ausbaden. Wir haben 2011 einen Kapitalschnitt gemacht, aus unseren Fehlern gelernt und kommen endlich voran: Im ersten Quartal dieses Jahres haben wir zum ersten Mal seit dem Börsengang mehr eingenommen, als wir ausgegeben haben. 2012 wollen wir operativ schwarze Zahlen schreiben.
SPIEGEL: Die "Bild"-Zeitung hat Sie dennoch zum "Verlierer" des Tages gekürt.
Comberg: Das ist wirklich hart, zumal es falsch ist. Ich bin erst seit drei Monaten Vorstandschef, und hier ging es um die brutalen Kursverluste vorher, nämlich zwischen 2005 und 2011.
SPIEGEL: Die deutsche Solarbranche scheint am Ende. Seit November mussten sieben namhafte Hersteller Insolvenz anmelden. Gehen bei Conergy auch bald die Lichter aus?
Comberg: Das sehe ich nicht. Die Branche befindet sich in einem knallharten globalen Wettbewerb. Durch die Kürzung der Solarförderung ist das Umfeld sicher nicht besser geworden. Die Solarbranche ist eine junge Industrie, die extrem schnell, vielleicht zu schnell gewachsen ist - und wo sicher sehr viele Fehler gemacht wurden. Conergy steuert seit 2011 gegen. Mit Erfolg.
SPIEGEL: Profitieren nun die letzten verbliebenen Solarhersteller von der Krise der anderen?
Comberg: Wir haben den einen oder anderen harten Schnitt früher gemacht als unsere Konkurrenz, das hilft uns jetzt. Wer sich in diesem Umfeld behauptet, kann von einer Marktbereinigung profitieren. Die Nachfrage nach Solaranlagen ist ungebrochen. Das sehen wir in unseren Auftragsbüchern.
SPIEGEL: Derzeit boomen vor allem asiatische Hersteller. Wird Conergy bald chinesisch?
Comberg: Wir wollen schon jetzt zusammen mit asiatischen Partnern Aufträge akquirieren. Je mehr wir operativ zulegen, desto interessanter werden wir natürlich für mögliche Partner. Sinnvollen Gesprächsangeboten werden wir uns nicht verschließen.

DER SPIEGEL 16/2012
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