Erneut bricht eine internationale Beobachtermission nach Syrien auf, erneut stellen sich vor ihrem Einsatz alle Beteiligten auf ein Scheitern ein: Wie im Dezember die Arabische Liga, so schickt nun die Uno 300 Beobachter nach Damaskus, um die Einhaltung eines mit dem Regime ausgehandelten Friedensplans zu überwachen. Obwohl der verabredete Waffenstillstand gebrochen wird, halten Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sowie sein Vorgänger und Syrien-Sonderbeauftragter Kofi Annan an der Mission fest. Offiziell unterstützen viele Regierungen die Initiative, tatsächlich aber zeichnet sich ein Ende der Geduld mit dem Assad-Regime ab: Frankreichs Außenminister Alain Juppé kündigte an, "andere Methoden ins Auge zu fassen", falls der Annan-Plan nicht funktioniere. Sein saudi-arabischer Kollege Saud Bin Faisal forderte, der Bevölkerung bei ihrem Versuch beizustehen, sich gegen den "Blutsturz" zu verteidigen. Sogar Russlands Außenminister Sergej Lawrow, bislang Fürsprecher Assads, spricht von einer "Verschlechterung" der Lage. Auch das Regime selbst, so ein Insider, bereite sich diskret auf das Ende der Diplomatie vor. So sollen Mitglieder der alawitischen Elite ihre Familien in ihr Stammgebiet in den Bergen zwischen Latakia und Tartus gebracht haben, wo sie im Falle eines offenen Bürgerkriegs unter ihresgleichen wären: Alpenfestung auf Syrisch.
DER SPIEGEL 17/2012
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