30.04.2012

RUSSLAND

Entsetzliche Isolation

Putin zum Dritten: Mit großem Pomp wird am Montag nächster Woche der neue alte Kremlchef in sein Amt eingeführt. Fast 2000 Gäste, Deutschlands Ex-Kanzler Gerhard Schröder inklusive, sind in den Großen Kreml-Palast geladen, Champagner, geräucherter Stör und Kaviar werden gereicht. Aber ist auch Ljudmila Putina, 54, mit von der Partie, die Frau, die am 7. Mai erneut Russlands First Lady werden wird? Ein einziges Mal nur wurde sie in diesem Jahr gesehen, am 4. März, dem Tag der Präsidentenwahl. Da schritt die kleine Frau in schwarzen Stiefeletten, knielangem Rock und mit rotblondem Haar an der Seite ihres Gatten ins Wahllokal.

Die ehemalige Stewardess, die Freunde als Frau mit Hang zur Esoterik schildern, wird kaum noch in der Öffentlichkeit gesehen und ist deswegen Gegenstand wilder Spekulationen. Sie lebe zeitweise in einem Kloster, verbreiteten Putins Gegner bei ihren Massenprotesten im Winter, mit denen sie seine Rückkehr in den Kreml verhindern wollten. Putina leide an den Spätfolgen eines schweren Autounfalls im Jahr 1994 und trinke zu viel, sagen andere. Und Mitte April meldete eine Internetzeitung, die Frau des künftigen Präsidenten sei im siebten Monat schwanger, sie halte sich im Universitätsklinikum München auf. "Dies ist uns nicht bekannt", teilte die Klinik mit. Fest steht, dass sich Ljudmila Putina nie mit der Rolle der Politikergattin anfreunden mochte. Als ihr Mann im Sommer 1998 Geheimdienstchef wurde, rief sie eine deutsche Freundin in Hamburg an, um der ihr Herz auszuschütten: "Diese entsetzliche Isolation! Nicht mehr reisen können, wohin man will, nicht mehr sprechen können, was man will … Ich habe doch gerade erst angefangen zu leben!" Offenbar hatte sie auch gehofft, dass ihr Mann 2008 nach Ende seiner ersten Präsidentenzeit wieder Privatperson werden - und nicht ins Amt des Regierungschefs wechseln würde. Verzweifelt soll sie sich damals nach St. Petersburg abgesetzt haben. Putin selbst gab jüngst in einem Interview zu, dass es wegen seiner Rückkehr auf den Präsidentenposten "Misshelligkeiten" in der Familie gebe. Nicht zu vergessen: Gattin Ljudmila sieht sich wiederholt mit Gerüchten konfrontiert, ihr Mann pflege engen Umgang mit anderen Frauen.


DER SPIEGEL 18/2012
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