01.02.1999

Eine Doppelspitze

führt den fünftgrößten deutschen Industriekonzern Thyssen-Krupp: der Ingenieur Ekkehard Schulz, 57, der bei Thyssen die Stahlsparte leitete (Foto, l.), und der gelernte Jurist und Volkswirt Gerhard Cromme, 55, bisher Chef der Krupp AG. Mit der Fusion der Ruhr-Rivalen Thyssen und Krupp endet friedlich, was vor zwei Jahren als Versuch einer feindlichen Übernahme begann: Damals wollte Cromme die wesentlich größere Thyssen AG aus Düsseldorf schlucken. Der Coup scheiterte jedoch im März 1997, weil der Übernahmeplan vorzeitig bekannt wurde und der damalige Thyssen-Chef Dieter Vogel eine erfolgreiche Abwehrschlacht organisierte.
Trotzdem konnte Cromme einen Teilerfolg verbuchen. Thyssen und Krupp einigten sich auf die Gründung einer gemeinsamen Stahl AG, die im September desselben Jahres ihre Arbeit aufnahm. Gleichzeitig wurden zwischen den Aufsichtsgremien beider Konzerne Gespräche über eine Vollfusion vereinbart.
Die Verhandlungen über die Zusammenlegung der restlichen Unternehmensteile stockten jedoch schon bald. Zwischen Thyssen-Chef Vogel und Krupp-Lenker Cromme entzündete sich ein über Monate hinweg erbittert geführter Machtkampf um die Vorherrschaft im neuen Stahlkonzern.
Im Januar 1998 beschlossen die Thyssen-Aufsichtsräte Heinz Kriwet und Günter Vogelsang zusammen mit Krupp-Herrscher Berthold Beitz, den auch in den Medien offen ausgetragenen Machtkampf der beiden Manager zu beenden; Vogel mußte gehen. Schulz und Cromme sollten die Fusion zum Abschluß bringen und den neuen Konzern gemeinsam führen.
Ende vergangenen Jahres stimmten die Aktionäre von Krupp und Thyssen der Verschmelzung beider Unternehmen zu. Die Fusion, die am 1. März ins Handelsregister eingetragen werden soll, könnte allerdings noch durch die Anfechtungsklage einer Aktionärsgruppe gefährdet werden. Sie kritisiert, daß das Umtauschverhältnis der Aktien von 2:1 zugunsten Thyssens die tatsächlichen Größenverhältnisse nicht richtig wiedergibt. Auch die aufwendige Verschmelzung wird von den Klägern in Frage gestellt. Eine Übernahme von Krupp durch die größere Thyssen AG wäre ihrer Meinung nach der bessere Weg gewesen.

DER SPIEGEL 5/1999
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