01.02.1999

GESTORBENHeinz Leymann

66. Anfang der neunziger Jahre machte der deutsch-schwedische Arbeitspsychologe als einer der ersten die Öffentlichkeit aufmerksam auf ein bis dahin verschwiegenes dunkles Kapitel am Arbeits- platz - auf den Psychoterror, mit dem Chefs den Untergebenen, Arbeitskollegen den Kollegen das Leben zur Hölle machen. Er führte dafür den Begriff "Mobbing" ins Neudeutsch ein. Nach Leymann liegt Mobbing dann vor, wenn - Wissenschaft ist nun mal präzise - "eine oder mehrere von 45 genau beschriebenen Handlungsweisen über ein halbes Jahr oder länger und mindestens einmal pro Woche vorkommen". Immerhin ist dem Arbeitspsychologen zu verdanken, daß die Opfer von ständigen Beleidigungen, Verleumdungen, Intrigen, Gerüchten, Diskriminierungen und Obszönitäten sich nun trauten, als Mobbing-Opfer um Hilfe zu bitten, und daß Gewerkschaften sich des Themas annahmen. Leymanns Studien ergaben, daß in der Bundesrepublik 1,4 Millionen Arbeitnehmer unter Mobbing zu leiden haben und der Wirtschaft jährlich ein Schaden in Höhe von mehreren Milliarden Mark entsteht. Heinz Leymann starb vergangenen Dienstag in Stockholm an Krebs.

DER SPIEGEL 5/1999
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