21.05.2012

IRAN

Überraschender Besuch

US-Außenpolitiker befürchten, Frankreich könnte nach der Wahl François Hollandes von seiner Iran-Politik abweichen. "Nicolas Sarkozy übte stets besonders starken Druck auf Teheran aus und bewies echtes Rückgrat", sagt der ehemalige Chefunterhändler Nicholas Burns. "Ich habe große Bedenken, ob Präsident Hollande die harte Linie seines Vorgängers fortsetzen wird." Alte Schärfe oder neues Entgegenkommen - schon am Mittwoch werden Gespräche in Bagdad zeigen, ob sich der Konflikt um Irans Atomprogramm noch friedlich lösen lässt. In der irakischen Hauptstadt treffen Unterhändler der "5-plus-1-Gruppe", bestehend aus den Uno-Vetomächten USA, Frankreich, Großbritannien, Russland und China sowie Deutschland, und eine iranische Delegation aufeinander. Washington hofft, dass Teheran sein Uran nicht mehr auf 20 Prozent anreichert. Für die Produktion von waffenfähigem Spaltmaterial ist eine Anreicherung auf etwa 90 Prozent nötig. Zudem soll das Land seine Reserven an niedrig angereichertem Uran auslagern und Kontrolleuren der Internationalen Atomenergiebehörde den geforderten Zugang zu verdächtigen Anlagen gewähren. Als Zeichen einer möglichen Annäherung kündigte Chefinspektor Yukiya Amano am Freitag überraschend einen Teheran-Besuch an. Iran ist an einer Aufhebung der Sanktionen interessiert, die seine Wirtschaft erheblich schwächen. Um das Land zu Konzessionen zu bewegen, hat die Obama-Regierung eine Aufweichung in Aussicht gestellt. Die Entscheidung darüber fällt jedoch der US-Kongress, in dem Hardliner großen Einfluss haben. "Das ist der Knackpunkt", sagt der ehemalige iranische Atomunterhändler Seyed Hossein Mousavian. "Irans Vertreter werden nur Kompromissen zustimmen, wenn sie im Gegenzug die Lockerung von Sanktionen präsentieren können."


DER SPIEGEL 21/2012
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