In der Stadt Londonderry haben Mitglieder einer paramilitärischen Truppe Drogenhändlern den Krieg erklärt. Mit äußerster Brutalität gehen die Anhänger der RAAD (Republikanische Aktion gegen Drogen) in Nordirlands zweitgrößter Stadt gegen vermeintliche Dealer vor: In den vergangenen Monaten haben die selbsternannten Anti-Drogen-Kämpfer Dutzende junge Männer zusammengeschlagen, Sprengsätze in deren Wohnungen gelegt oder sie unter Androhung von Gewalt gezwungen fortzuziehen. Anderen Opfern schossen sie in die Knie. Im Februar forderte der RAAD-Terror ein erstes Todesopfer: Kaltblütig ermordeten die Paramilitärs einen 24-jährigen zweifachen Vater. Nach dem Mord kam es in Londonderry zu Demonstrationen gegen die RAAD. Deren Mitglieder sind seit über drei Jahren aktiv und sollen seither mindestens 85 angebliche Drogendealer angeschossen sowie Hunderte vertrieben haben. Einige ihrer Mitglieder sind ehemalige IRA-Kämpfer. Die Polizei tut sich schwer, Täter zu ermitteln - keine der Gewalttaten ist bisher aufgeklärt worden. Martin McGuinness, einst Londonderrys zweithöchster IRA-Mann und jetzt stellvertretender Ministerpräsident, hat dazu aufgerufen, RAAD-Mitglieder der Polizei auszuliefern.
DER SPIEGEL 21/2012
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