21.05.2012

LITERATUR

Rembrandts Geheimnis

Anfang der vierziger Jahre, als die Nazis die Niederlande überfallen hatten und auch dort Juden systematisch zusammentrieben und in Todeslager deportierten, überließ ein holländischer Geschäftsmann aus Amsterdam einem SS-Mann ein Gemälde von Rembrandt. Im Gegenzug, so die erpresserische Zusage, würden seine beiden Töchter überleben. Jahrzehnte später wird das Bild aus der Werkstatt eines Restaurators in Großbritannien gestohlen. Das Bild hat ein Geheimnis. In ihm ist eine Aufstellung aller Konten versteckt, auf die der Nazi das Blutgeld, das er bei seinen Raubzügen durch Europa zusammengerafft hatte, bei einer Bank in Zürich eingezahlt hat. Der Nazi ist längst tot, und das Geld hat sich stetig vermehrt. Der Eigentümer der Zürcher Bank hat es klammheimlich an sich gebracht und damit sein Milliardenvermögen begründet. Jetzt wird es von seinem Sohn verwaltet und vermehrt, der sich der Öffentlichkeit geschickt als scheuer Philanthrop präsentiert. Gabriel Allon, ehemaliger Agent und Killer des israelischen Geheimdienstes, will sowohl das Bild finden als auch den Bankier seiner dunklen Aktivitäten überführen. Am Ende hat Allon, wie immer bei seinen Einsätzen, etliche Menschen ermordet, mehrmals sein Leben riskiert und herausgefunden, wie der Schweizer Bankier Iran hilft, die Atombombe zu bauen.

Aktueller, bis zum Äußersten ausgereizter Stoff mit historischen Bezügen also, den der amerikanische Erfolgsautor Daniel Silva, 51, in gewohnt zielgerichteter Art in seinem Roman "Die Rembrandt-Affäre" aufbereitet. Silva bleibt seinem Thriller-Rezept unverbrüchlich treu: ein attraktiver Protagonist, schnörkellose Spannung, kaum Sex und eine Mischung aus Zeitgeschichte, Weltpolitik und einer spekulativen Lösung, die den Eindruck von kostbarem Hintergrundwissen vermittelt.

Daniel Silva

Die Rembrandt-Affäre

Aus dem amerikanischen Englisch von Wulf Bergner. Pendo Verlag, München, Zürich; 480 S.; 19,99 Euro.


DER SPIEGEL 21/2012
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