26.05.2012

Ist Bayern am Ende, Herr Beckmann?

Am 19. Mai verlor der FC Bayern München das Finale der Champions League. Der Münchner Sportpsychologe Jürgen Beckmann, 57, erklärt, wie man die Spieler mental aufbauen könnte.

SPIEGEL: Wie überwinden die Spieler des FC Bayern die Niederlage?

Beckmann: Am besten ist es, die Fehler zu analysieren, um daraus zu lernen.

SPIEGEL: Soll Schweinsteiger analysieren, warum er an den Pfosten schoss?

Beckmann: Ich fand schon merkwürdig, dass er bei Robbens Elfmeter nicht hinschauen konnte. Die Nerven lagen möglicherweise so blank bei ihm, dass er vielleicht bei seinem eigenen Elfmeter die Konzentration nicht aufbringen konnte. Das könnte er analysieren, um daran zu arbeiten.

SPIEGEL: Ist ja verständlich, dass er aufgeregt war.

Beckmann: Aber es gibt da ein paar Tricks. Einen kannte meine Oma schon: tief ausatmen.

SPIEGEL: Wir reden von 62 500 Zuschauern im Stadion, und Sie kommen mit Ihrer Oma.

Beckmann: Durch das Ausatmen verlangsamt sich der Herzschlag, das beruhigt. Ein anderer Trick wäre auch, kurz vor dem Schuss die linke Hand zur Faust ballen.

SPIEGEL: Was bringt das?

Beckmann: In Drucksituationen dominiert oft die linke Gehirnhälfte. Der Spieler denkt an Technik. Er will alles richtig machen und konzentriert sich auf die Ausführung des Schusses. Weil das bei einem Profi eigentlich hoch automatisiert ist, verliert er sein Ballgefühl. Statt besser wird der Schuss nun schlechter. Wenn der Spieler die linke Faust ballt, aktiviert er die rechte Gehirnhälfte. Dadurch verlässt er sich wieder auf die automatisierte Ausführung, das Ballgefühl ist da, und der Ball ist im Tor.

SPIEGEL: Acht Bayern-Profis sind im EM-Kader der deutschen Fußballnationalmannschaft. Sollten die Spieler erst mal auf der Bank sitzen?

Beckmann: Nein. Der Bundestrainer Joachim Löw wird das schon richten.

SPIEGEL: Wie?

Beckmann: Er wird den Bayern-Spielern klarmachen, dass die EM ihre Chance ist zu zeigen, dass sie erfolgreicher sein können als gegen Chelsea.

SPIEGEL: Sind Sie als Münchner traumatisiert durch die Niederlage?

Beckmann: Nein, ich schaue mir zwar gern guten Fußball an, aber ich fahre eigentlich lieber Ski.


DER SPIEGEL 22/2012
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