Auf dem Gipfel der Macht ist die Luft dünn, und mancher dort trägt so schwer an der Last der Verantwortung, dass ihm graue Haare wachsen. Nur einer widersteht: David Cameron, 45, hat geradezu Zen-artige Fähigkeiten zum Müßiggang entwickelt. Draußen mag die Schuldenkrise wüten - doch der Herr von 10 Downing Street zückt sein iPad und spielt "Angry Birds". Angeblich hat er schon alle Level bewältigt und widmet seine Aufmerksamkeit nun "Fruit Ninja". Dabei müht sich der Premierminister Großbritanniens, mit einem imaginären Ninja-Schwert möglichst viel umherfliegendes Obst zu zermatschen. "Times"-Journalisten haben jetzt auch enthüllt, mit welcher Verve Cameron an Sonntagen entspannt. Auf seinem Landsitz Chequers sieht er fern, spielt Billard und Tennis, kocht und trinkt Wein, den Abend lässt er gelegentlich mit Karaoke ausklingen. "Wenn es eine olympische Goldmedaille fürs Relaxen gäbe", so zitieren die Journalisten einen Parteifreund, "dann würde er sie gewinnen." Auf Staatsbesuchen zwackt Cameron oft etwas Zeit für sich ab, und jede Woche verbringt er eine romantische "date night" mit seiner Frau Samantha. Der Großmeister des Delegierens und der austarierten Work-Life-Balance erregt den Spott mancher Oppositionspolitiker - aber Experten zollen ihm Respekt: Cameron verfüge über das Talent, sagt Alexandra Beauregard von der London School of Economics, seine Batterien wieder aufzuladen.
DER SPIEGEL 22/2012
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