26.05.2012

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Historische Gelegenheit

Es gibt Begegnungen, die über Aufstieg und Fall entscheiden, über Karriere oder Knast. Für Seyed Hossein Mousavian, 54, wurde der 19. Juli 2005 zum Wendepunkt. Der langjährige Unterhändler Irans im Nuklearkonflikt war vorgeladen bei dem gerade gewählten Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Der frühere Botschafter in Deutschland und Leiter der außenpolitischen Abteilung im Nationalen Sicherheitsrat Irans zählte zur engeren Wahl für das Amt des Außenministers. 20 Minuten waren für das Treffen vorgesehen, doch die Diskussion über "das weite Feld von Irans Beziehungen zum Westen" dauerte mehr als zwei Stunden lang. Mousavians Fazit: "Wir stimmten nicht in einem einzigen Punkt überein." Die Konfrontation mit Ahmadinedschad ist eine der persönlichen Szenen aus Mousavians "Erinnerungen", die jetzt in den USA erscheinen, wo der Top-Diplomat inzwischen lebt. Denn seine Kritik am Kurs des Präsidenten büßte Mousavian mit einer Verurteilung: Wegen "Gefährdung der nationalen Sicherheit" erhielt er fünf Jahre Berufsverbot. Um weiterer Verfolgung zu entgehen, suchte er 2009 Zuflucht beim "Großen Satan". An der Elite-Universität Princeton lehrt Mousavian internationales Krisenmanagement und zählt zu den gefragtesten Kommentatoren des Nuklearkonflikts. Die Gespräche zwischen dem Westen und Iran, die am vergangenen Mittwoch in Bagdad begannen, sieht er als "historische Gelegenheit" zur Vertrauensbildung. In seinem Werk "The Iranian Nuclear Crisis" gibt der Spitzendiplomat nun einen seltenen Einblick in die iranische Verhandlungsstrategie. Er zeigt, warum die Lösungsversuche bislang scheitern mussten - etwa weil das Misstrauen auf iranischer Seite so groß ist wie auf westlicher. Mousavians Aufzeichnungen zählen zum Aufschlussreichsten, was über den Konflikt zu lesen ist - und sind um so interessanter, als manche in Teheran dem Autor die Chance auf ein politisches Comeback einräumen, wenn im Sommer 2013 ein neuer Präsident gewählt wird.

Seyed Hossein Mousavian

The Iranian Nuclear Crisis - A Memoir

Carnegie Endow-ment, Washington; 554 Seiten.


DER SPIEGEL 22/2012
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