SPIEGEL: Jüngst folgten Ihnen 80 000 Georgier zu Protesten auf die Straßen in Tiflis. Was treibt Ihre Anhänger?
Iwanischwili: Die Hoffnung auf Wandel und der Hass auf die Regierung von Präsident Saakaschwili. Die Bevölkerung verarmt, Saakaschwilis Umfeld aber bereichert sich.
SPIEGEL: Wo wird der Machtkampf um Georgien entschieden: auf der Straße oder an den Urnen bei der Parlamentswahl im Herbst?
Iwanischwili: In den Wahllokalen, ich hoffe, wir kommen ohne die Straße aus. Wir werden aber einen großen Vorsprung benötigen, damit Saakaschwili sich in seine Niederlage fügt und nicht versucht, das Ergebnis zu manipulieren. Wir sind in der Lage, zwei Drittel der Stimmen zu holen.
SPIEGEL: Werden die Wahlen frei und fair verlaufen?
Iwanischwili: Wir werden die Regierung dazu zwingen. Die freien Bürger Georgiens, die Zivilgesellschaft und unabhängige Journalisten werden über die Wahlen wachen.
SPIEGEL: Was haben Sie als Nächstes vor?
Iwanischwili: Wir planen eine Demonstration in der zweitgrößten Stadt Kutaissi. Saakaschwili hat vorsorglich den zentralen Platz dort sperren lassen, angeblich für Schulkonzerte.
SPIEGEL: Saakaschwili war der Held der demokratischen Rosen-Revolution 2003 und ein Verbündeter des Westens. Warum bekämpfen Sie ihn jetzt?
Iwanischwili: Ich war sogar mit ihm befreundet und wollte ihm helfen, eine echte Demokratie aufzubauen. Dann aber ging er 2007 gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vor und zeigte sein wahres Gesicht.
SPIEGEL: Falls Sie siegen: Was wird mit Saakaschwili passieren?
Iwanischwili: Wir werden ihn nicht politisch verfolgen. Andererseits hat er viele Gesetze verletzt. Darum werden sich die Gericht kümmern müssen.
DER SPIEGEL 23/2012
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