Enver Hodscha war der wohl starrsinnigste Herrscher des Ostblocks: Auf leisesten Widerspruch standen Gefängnis oder der Tod. Hodscha versuchte mit Strafgesetzen und Pogromen den Menschen die Religion auszutreiben und zerstritt sich nacheinander mit Jugoslawien, der Sowjetunion und China. Als er 1985 starb, war Albanien von der Außenwelt abgeschnitten. Trotzdem errichteten seine Nachfolger noch 1988 ihm zu Ehren mitten in Tirana eine Pyramide aus Stahl, Beton und Glas - drei Jahre bevor auch in Albanien der Kommunismus zusammenbrach. Das 22 Meter hohe Monument hat seither stark gelitten: Der Carrara-Marmor auf der Außenhülle wurde abgetragen und auf Basaren verkauft. In der Pyramide hat heute der kommerzielle Sender Top Channel sein Hauptquartier, es regnet durch. Jetzt will die Regierung den Bau abreißen lassen: "Der Geist des Diktators muss exorziert werden", sagt Premier Sali Berisha, er will auf dem Platz ein neues Parlamentsgebäude errichten. Doch es regt sich Widerstand: 6000 Albaner protestierten mit einer Petition gegen den Abriss, darunter Dichter, Journalisten und Architekten, die unter Hodscha im Gefängnis saßen. Ihr Argument: Man könne die Schrecken der Vergangenheit nicht mit der Abrissbirne besiegen. Auch fürchten sie, dass sich Staatsfunktionäre an dem 50-Millionen-Euro-Projekt bereichern.
DER SPIEGEL 25/2012
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