02.07.2012

BriefeDüstere Tage

Nr. 26/2012, Wenn der Euro zerbricht - Ein Szenario
Zehn Billionen Euro Schulden haben die Euro-Länder angehäuft. Solange dieser Schuldenberg nicht abgetragen wird, bleibt Europa ein Spielball der Finanzmärkte. Sparen ist angesagt, aber es muss auch investiert werden. Der Spagat zwischen diesen Gegensätzen ist möglich, wenn man die Staatsquote - das Verhältnis der Staatsausgaben zum Bruttoinlandsprodukt - aller Euro-Länder auf 35 Prozent begrenzt.
Hermann Mezger, Prüm (Rhld.-Pf.)
Seit den fünfziger Jahren war das Zusammenwachsen Europas mit der Verflechtung von Industrie und Handel, der Angleichung von Verkehr und Recht, dem Austausch von Kultur und Bildung, dem Niederreißen von Grenzen und dem Abbau von Vorurteilen eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Seit der Einführung des Euro: Staaten und Banken stehen vor der Pleite, Volkswirtschaften brechen ein, ganze Bevölkerungsgruppen verelenden; von England bis Griechenland blüht wieder primitiver Nationalismus auf, und die Politiker sind blind, hilflos und zerstritten. Richtig ist: Europa zerbricht am Euro.
Joachim Sensse, Osnabrück
Dieser Titel sollte als Sonderdruck allen Haushalten zugestellt werden; das wäre eine singuläre Aufklärungsaktion, eine klare, nüchterne, eindeutige Botschaft, die jeder, der noch zweifelt, begreift.
Bernd Reutler, Saarbrücken
Euro-Bonds erlauben den meisten europäischen Staaten eine billigere Neuverschuldung, berühren die ökonomischen Strukturprobleme der Südländer aber nicht im Geringsten. Sie sind wie eine Schmerzmittelbehandlung gegen eine Blinddarmentzündung. Sie lindern kurzzeitig die Symptome, aber lösen das eigentliche Problem nicht.
Philipp Wagenführer, Budapest
Ohne Zweifel ist der Euro im Moment der Spaltpilz für jedes harmonische und friedliche Miteinander in Europa. Er bringt die Völker gegeneinander auf, die auf der einen Seite verelenden und auf der anderen gigantische, schuldenfinanzierte Summen in ein Fass ohne Boden versenken. Der Konstruktionsfehler des Euro lässt sich damit nicht beheben. Es ist wie die Hoffnung sich gegenseitig stützender Schwerkranker, durch dieses Zusammengehen wieder gesund zu werden.
Paul Schmitt, Urbar (Rhld.-Pf.)
Merkels Kurs ist richtig, weil es längst nicht mehr um begrenzte Hilfen, sondern um Blankoschecks geht, nach deren Erhalt sich in den Schuldnerländern überhaupt nichts mehr tun wird. Wer soll ernsthaft glauben, dass danach noch jemand Verträge über Reformen einhält?
Dr. Helge Krull, Norderstedt (Schl.-Holst.)
Der Euro war schon zu seiner Einführung ein großer Fehler. Nun will man die restliche Souveränität der Länder auf eine undemokratische technokratische EU-Regierung verlagern. Die inhaltliche Zusammenlegung der Begriffe Euro, EU und Europa ist falsch und erweckt den Eindruck, der Euro sei äquivalent mit den anderen Begriffen. Europa gab es vor dem Euro und wird es auch nachher geben.
Tobias Köck, Berlin
Düstere Tage sind dies für Europa, dessen Zukunft, so viel ist gewiss, nicht auf Gipfeln geschrieben wird.
Lothar Thurian, Castrop-Rauxel
Die politische Elite in Deutschland ist nicht bereit, sich das Scheitern des Euro einzugestehen. Sie will daran festhalten, koste es, was es wolle. Selbst wenn der Wohlstand breiter Bevölkerungsschichten auf dem Spiel steht. Besser ein Euro-Ende mit Schrecken als Zahlungen ohne Ende!
Alfred Hopke, Braunschweig

DER SPIEGEL 27/2012
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