12.05.1997

ARCHÄOLOGIEPupille im Speicher

Über 70 Jahre nach der ersten öffentlichen Präsentation der wohl eindrucksvollsten altägyptischen Königsplastik hat der Berliner Ägyptologe Rolf Krauss einen "eklatanten Schaden" an der Nofretete-Büste aufgedeckt. Die wertvollste Pretiose des Berliner Ägyptischen Museums war offensichtlich bei einer Materialanalyse beschädigt worden. Anhand des ältesten existierenden Fotos, aufgenommen kurz nach der Bergung des Kunstwerks im Jahr 1912 in Amarna konnte Krauss nachweisen, daß der Kalksteinkopf ursprünglich zumindest ein intaktes Auge besaß. "Wohl um 1920", so Krauss, sei das schwarze Wachs der rechten Pupille von dem Museumschemiker Friedrich Rathgen teilweise ausgekratzt und "aus unerfindlichen Gründen" nicht wieder ersetzt worden. Die - über Jahrzehnte vertuschte - Verstümmelung hat auch ihre gute Seite. Bei seinen Recherchen im Magazinspeicher stieß Krauss auf ein verstaubtes Tütchen mit der alten Wachsprobe. Aufschrift: "Vom Auge der Königin Nofretete No. 21 300". Anhand dieses Materials, mit Hilfe der C-14-Methode analysiert, konnte jetzt das exakte Alter der Büste bestätigt werden: Die anmutige Gattin des Echnaton ließ sich vor 3347 Jahren porträtieren.
Von Schulz und

DER SPIEGEL 20/1997
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