02.06.1997

Mutter Teresa,

86, muß sich auf ihre alten Tage noch gegen den Mißbrauch ihres Namens zur Wehr setzen. Der Besitzer des "Bongo Java"-Kaffeehauses in Nashville/ Tennessee hatte seit Jahren Zimtgebäck angeboten. Im vorigen Oktober glaubte ein Kunde in einem der Kringel eine Ähnlichkeit mit der frommen Frau aus Kalkutta zu erkennen. Flugs konservierte Bob Bernstein, der Kaffeehaus-Eigner, das Gebäck mit Schellack und stellte es in einem Glasschrein aus, versehen mit dem Namen "Nonnenbrötchen". T-Shirts, Becher, Kaffeepäckchen mit dem Bild der Mutter Teresa und der Aufschrift "immaculate confection" (unbefleckte Süßwaren) folgten. Das war der bekannt großherzigen Frau zuviel. Sie schrieb dem tüchtigen Vermarkter einen Brief, in dem sie ihn dringend bat, das Unwesen mit ihrem Namen zu beenden. Sie sei "sehr humorvoll", berichtete inzwischen ihr Anwalt, und habe sich "anfänglich nicht daran gestört". Doch die Vermarktung ihres Namens auf immer neuen Artikeln war zuviel. Der Anwalt: "Die Welt liebt Mutter Teresa, und daraus möchten manche Leute Kapital schlagen. Doch man wird nie erleben, daß Mutter Teresa um Geld bittet - nie, nie." Bernstein ließ verlauten, er werde dem Ansinnen von Mutter Teresa wahrscheinlich nachkommen. Wer will schließlich einer lebenden Heiligen den Gehorsam verweigern?
Von Weber und

DER SPIEGEL 23/1997
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