DER SPIEGEL



SOLARENERGIE

Nie unter Produktionskosten

Jerry Stokes, 50, Europa-Chef des weltgrößten Solarmodulherstellers Suntech, über die Dumping-Klage gegen seine Firma und weitere chinesische Billiganbieter

SPIEGEL: Die Kläger um die deutsche Firma Solarworld haben auch Ihre Firma wegen Dumping-Preisen bei der EU-Kommission angezeigt. Bereiten Sie jetzt den Gegenschlag vor?

Stokes: Nein, wir bedauern das und werden der EU-Kommission alle nötigen Informationen zur Verfügung stellen. Wir sind ein börsennotiertes Unternehmen, unsere Finanzierung und Bücher liegen offen und werden von Wirtschaftsprüfern geprüft.

SPIEGEL: Was haben die staatlichen Hilfen für Ihre Branche in China noch mit freiem Markt zu tun?

Stokes: Es ist ein Vorurteil, dass private chinesische Firmen wie wir staatlich gelenkt würden. Wir sind global tätig, unsere Kreditbedingungen sind mit denen westlicher Firmen vergleichbar.

SPIEGEL: Ihr Firmengründer Zhengrong Shi sagte 2009, Suntech verkaufe seine Panels in den USA unter Fertigungs- und Transportkosten.

Stokes: Wir haben nie unter Produktionskosten verkauft. Wir hatten enorme Anlaufkosten in einem sich träge entwickelnden US-Markt, so dass wir dort zeitweise kein Geld verdienten.

SPIEGEL: Gerade haben chinesische Behörden die Schulden einer großen Solarfirma übernommen. In den USA werden deshalb bereits Strafzölle auf chinesische Solarprodukte erhoben.

Stokes: Die Zölle gelten nur vorläufig bis zu einer Entscheidung Ende des Jahres. Für Suntech können wir sagen: Wir haben keine handelswidrigen oder illegalen Hilfen erhalten.

SPIEGEL: Welche Konsequenzen hätten Strafzölle der EU?

Stokes: Dadurch würde die gesamte Branche, aber auch Installateure und Verbraucher belastet: Die Energiewende würde teurer, Tausende Arbeitsplätze wären bedroht. Wir kaufen jedes Jahr für Hunderte Millionen Euro Material und Maschinen aus Europa.


DER SPIEGEL 31/2012
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