06.08.2012

AFRIKA

Frauen sind die Hoffnung

Leymah Roberta Gbowee, 40, Bürgerrechtlerin aus Liberia, erhielt 2011 den Friedensnobelpreis. Ende des Monats erscheinen in Deutschland ihre Erinnerungen unter dem Titel "Wir sind die Macht".

SPIEGEL: Sie haben nach mehr als einem Jahrzehnt des Gemetzels den Protest von Frauen gegen die Warlords in Liberia angeführt und zum Ende der Kämpfe entscheidend beigetragen. Können Frauen die Bürgerkriege in Afrika stoppen?

Gbowee: Frauen sind die Hoffnung für unseren Kontinent. Sie sind die besseren Friedensstifter. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Frauen kriegen Kinder, sie übernehmen die Erziehung, sie halten Familien und Gemeinden zusammen. Ich glaube, dass sie deshalb versuchen, Gewalt in Konflikten zu meiden. Sie wissen, was auf dem Spiel steht.

SPIEGEL: Sie haben zu Demonstrationen und Sex-Streiks aufgerufen gegen den Krieg in Ihrer Heimat. Auch im Osten des Kongo herrscht Bürgerkrieg. Was raten Sie der Friedensbewegung im Land?

Gbowee: Die Frauen müssen sich ihrer Macht bewusst werden. In Liberia waren wir erfolgreich, weil wir uns zusammengeschlossen haben. Uns war egal, wer Muslimin und wer Christin ist oder welchem Stamm wir angehörten. Frauen machen in Kriegen vor allem eine gemeinsame Erfahrung: Sie sind Opfer. Ihre Kinder sterben, sie werden vergewaltigt.

SPIEGEL: Ihr Ex-Präsident Charles Taylor ist vor kurzem in Den Haag wegen Kriegsverbrechen verurteilt worden. Hilft das Ihrem Volk?

Gbowee: Das Wichtigste ist, dass die Menschen wissen: Taylor kann nicht zurückkommen. Und dass andere Verbrecher erkennen: Die Gerechtigkeit erreicht jeden, sogar Präsidenten.


DER SPIEGEL 32/2012
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