Die Management-Versicherung (D & O) des Stromversorgers EnBW hat es in einem Schreiben an den Vorstand abgelehnt, für die Folgen der Affäre um den russischen Lobbyisten Andrej Bykow aufzukommen. Die von EnBW geltend gemachten Schäden seien nicht nachvollziehbar, "Pflichtverletzungen" der versicherten EnBW-Manager nicht zu erkennen. Damit droht die juristische Aufarbeitung der Bykow-Affäre für EnBW, ihren Chef Hans-Peter Villis und dessen Vorgänger Utz Claassen und Gerhard Goll zu einem Fiasko zu werden. Mehr als 250 Millionen Euro hatte der Konzern an Bykow für Verträge über Uranlieferungen und Beratung gezahlt. Einen großen Teil davon will der Ex-Diplomat in Russland zur sogenannten Landschaftspflege, etwa zum Bau von Schulen, ausgegeben haben. Damit habe er das "eigentliche Ziel" von EnBW gefördert, ein großes Gasgeschäft in Russland abzuschließen, so Bykow. Er behauptet, dies sei den Verantwortlichen bekannt gewesen. EnBW bestreitet das. Konzernchef Villis fordert deshalb dreistellige Millionenbeträge, 120 Millionen Euro von Bykow und 146 Millionen Euro von mehreren Top-Managern aus dem eigenen Haus. Dies sei ein abwegiges Unterfangen, urteilt der EnBW-Versicherer D & O in dem Schreiben: "Sämtliche Verträge, aus denen den EnBW-Gesellschaften angeblich jetzt Schäden entstanden sein sollen, dienten der von Herrn Goll angestoßenen und von Herrn Prof. Dr. Claassen und auch Ihnen, sehr geehrter Herr Villis, fortgesetzten Konzernstrategie der EnBW AG, in Russland einen Einstieg in das Gasgeschäft zu finden." EnBW hingegen sieht es so: "Über die Begründetheit von Ansprüchen und Klagen entscheiden nicht Versicherungsunternehmen, sondern schlussendlich Gerichte."
DER SPIEGEL 33/2012
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