13.08.2012

SPORTFÖRDERUNG„Nicht nur Geld“

Clemens Prokop, 55, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands, über Lehren aus London
SPIEGEL: Großbritannien schwelgt im olympischen Goldrausch. Was machen die Briten besser als die Deutschen?
Prokop: Die Briten sind ein Sonderfall. Für London hatten sie den finanziellen Einsatz drastisch erhöht. In der Leichtathletik waren die staatlichen Zuschüsse enorm angestiegen, was zu einer Fülle von zusätzlichen Trainerstellen geführt hat. Mit Ende der Olympischen Spiele wird sich das wieder ändern. Das kann also für uns kein Vorbild sein.
SPIEGEL: Hängen Olympiasiege letzten Endes davon ab, wie viel Geld investiert wird?
Prokop: So einfach ist es nicht. Wir müssen die Frage beantworten, welchen Stellenwert der Hochleistungssport bei uns haben soll. Wozu brauchen wir ihn? Was lassen wir ihn uns kosten? Und: Sollte er wirklich eine rein staatliche Aufgabe sein? Ich meine, nicht. Diese Grundsatzdiskussion ist überfällig.
SPIEGEL: Warum dringen Sie darauf?
Prokop: Weil Erfolg einen langen Vorlauf benötigt, wie das Beispiel der Briten zeigt. Es geht dabei nicht nur ums Geld. Viele unserer Hochleistungssportler sind Studenten. Für sie ist es wichtig zu wissen, ob sie ihre Studienpläne nach den Anforderungen des Sports ausrichten und Prüfungen verschieben können.
SPIEGEL: Amerikas Athleten haben es da besser. Viele erhalten Stipendien an Colleges und Universitäten.
Prokop: Angeblich betreiben eine Million Amerikaner Leichtathletik als Leistungssport. Ich habe mir das US-Schulsystem angeguckt. Es ist faszinierend, welchen pädagogischen Stellenwert der Sport dort besitzt. Im Sport kann jeder auf einfachste Weise erkennen, dass er seine Grenzen zu verschieben vermag: Talent plus Anstrengung erhöht die Leistung. Ich hoffe, dass sich diese Denkweise auch an unseren Schulen durchsetzen wird.
SPIEGEL: Am Freitag veröffentlichte das Innenministerium, wie viele Medaillen deutsche Athleten hätten gewinnen sollen: 86, darunter 28 goldene. Es gab etwa die Hälfte. Was halten Sie von so einer absurden Zielvorgabe?
Prokop: Nichts. Diese Zahlen orientieren sich nicht an der Leistung. Wie groß die Konkurrenz ist, wird nicht berücksichtigt. Man kann von der Medaillenzahl nicht abhängig machen, mit wie viel Geld künftig gefördert wird.

DER SPIEGEL 33/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.


DER SPIEGEL 33/2012
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

SPORTFÖRDERUNG:
„Nicht nur Geld“

Video 02:23

Hydrofoil-Surfing Auftrieb mit Tragfläche

  • Video "Abtreibungs-Referendum in Irland: Das sind die Pro- und Contra-Argumente der Iren" Video 02:27
    Abtreibungs-Referendum in Irland: Das sind die Pro- und Contra-Argumente der Iren
  • Video "NBA-Spieler für Falschparken getasert: Bucks-Spieler? Ich kenne Sie nicht!" Video 01:18
    NBA-Spieler für Falschparken getasert: "Bucks-Spieler? Ich kenne Sie nicht!"
  • Video "Riskanter Einsatz: TV-Reporterin stoppt Rennpferd vor laufender Kamera" Video 01:00
    Riskanter Einsatz: TV-Reporterin stoppt Rennpferd vor laufender Kamera
  • Video "Saddam Husseins Luxusjacht: Vom Diktatorenspielzeug zum Seemannshotel" Video 01:50
    Saddam Husseins Luxusjacht: Vom Diktatorenspielzeug zum Seemannshotel
  • Video "Haarschnitt für Nervenstarke: Die ultrascharfe Was passiert dann-Maschine" Video 00:56
    Haarschnitt für Nervenstarke: Die ultrascharfe "Was passiert dann"-Maschine
  • Video "Ehemalige IS-Hochburg: Die Leichenräumer von Mossul" Video 03:53
    Ehemalige IS-Hochburg: Die Leichenräumer von Mossul
  • Video "Faszinierender Zeitraffer: Tornado mit Touchdown" Video 00:52
    Faszinierender Zeitraffer: Tornado mit Touchdown
  • Video "Seidlers Selbstversuch: Oh Captain, my Captain!" Video 05:15
    Seidlers Selbstversuch: Oh Captain, my Captain!
  • Video "ADAC-Video: Crashtest mit Airbag-Kindersitz" Video 01:41
    ADAC-Video: Crashtest mit Airbag-Kindersitz
  • Video "Makeup-Artistin: Frau verwandelt sich in berühmte Persönlichkeiten" Video 00:53
    Makeup-Artistin: Frau verwandelt sich in berühmte Persönlichkeiten
  • Video "Gesichtserkennung: Amazon verkauft Software an US-Polizei" Video 03:01
    Gesichtserkennung: Amazon verkauft Software an US-Polizei
  • Video "Unvergleichlich: Luchse kämpfen - mit ihren Stimmen" Video 01:11
    Unvergleichlich: Luchse kämpfen - mit ihren Stimmen
  • Video "Kita-Chaos in Berlin: Und was mach ich jetzt?" Video 04:58
    Kita-Chaos in Berlin: "Und was mach ich jetzt?"
  • Video "Orthodoxes Judentum: Regeln - vom Aufstehen bis zum Schlafengehen" Video 05:19
    Orthodoxes Judentum: "Regeln - vom Aufstehen bis zum Schlafengehen"
  • Video "Hydrofoil-Surfing: Auftrieb mit Tragfläche" Video 02:23
    Hydrofoil-Surfing: Auftrieb mit Tragfläche