08.09.1997

ESOTERIK New Age im Modul

Von Wellershoff,

Ausgerechnet Esoteriker und New-Age-Fans haben eine Vorliebe für moderne Technologie - oder für alles, was danach aussieht. Vor ein paar Jahren waren Brillen in Mode, in denen rote Leuchtdioden zu den Schwingungen von New-Age-Musik aufblinkten, was das Gehirn beruhigen sollte. Nun hat die US-Firma Bio-Innergy Systems in New York eine riesige Entspannungsmaschine namens "Genesis Modul" installiert. Einem Meson sei sie nachgebildet, einem der kleinsten Elementarteilchen - behaupten die Erbauer hochtrabend, was allerdings völliger Unfug ist. In der Mitte des Ungetüms ist eine Liege installiert. Ein sogenanntes biostatisches Sensorensystem darin, so die reichlich verwegene Idee der Konstrukteure, messe die Energie des Klienten und leite sie an einen Computer weiter. Der wandele die Daten in New-Age-Musik um, die in einer Art Biofeedback dem Klienten aus zehn Lautsprechern vorgespielt wird. Gleichzeitig vibriert die Liege sanft. Diesen "Mind song" darf der Kunde auf Kassette nach Hause tragen. 65 Dollar kostet die Esoterik-Entspannungsstunde, was ziemlich viel ist für den Hokuspokus, aber andererseits auch nicht, denn er ist für den rastlosen New Yorker ein prima Vorwand, mitten am Tag 60 Minuten lang zu dösen. Mesonen existieren nur für einen winzigen Bruchteil einer Sekunde - ein bißchen länger wird es das falsche Entspannungsmeson wohl geben.


DER SPIEGEL 37/1997
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