27.08.2012

GOLF

Krimskrams

Von Hacke, Detlef

Die Engländerin Laura Davies über ihre Profikarriere und mädchenhafte Gegnerinnen in kurzen Röcken

Davies, 48, gilt als Vorreiterin des Frauengolfs und zählt zu den erfolgreichsten Spielerinnen. Nachdem sie sich die Schläge weitgehend selbst beigebracht hatte, begann sie 1985 eine Profikarriere. Bislang hat Davies 81 Turniere und rund neun Millionen Dollar Preisgeld gewonnen. Zweimal wurde sie von der britischen Königin für ihre Verdienste ausgezeichnet.

SPIEGEL: Mrs Davies, die Weltspitze im Frauengolf besteht aus vielen jungen Spielerinnen. Und mittendrin sind: ausgerechnet Sie.

Davies: Ich bin etwas anders, ja.

SPIEGEL: Aus Asien kommen Heerscharen von Spielerinnen, dazu Mädchen aus Amerika und Europa, die wie Models über das Grün wandeln. Sie dagegen sind nicht gerade superschlank, tragen gern bequeme Westen und wirken, als stammten Sie aus einer vergangenen Ära. Welche Rolle spielen Sie in diesem Feld?

Davies: Ich spiele keine Rolle, ich spiele bloß Golf. Ich liebe den Wettkampf. Bei mir beginnt der Genuss am Donnerstagmorgen, wenn ein Turnier startet. Ich komme und versuche zu gewinnen. Und daran habe ich Spaß.

SPIEGEL: Die meisten Ihrer Konkurrentinnen waren nicht einmal geboren, als Sie Profi wurden. Fühlen Sie sich unter ihnen wohl?

Davies: Ich habe auf der Tour kaum noch enge Freundinnen, sie sind fast alle zurückgetreten. Viele Golferinnen sind eher Anfang zwanzig, ich bin Ende vierzig. Der Unterschied ist zu groß, um Abende miteinander zu verbringen. Bei den Jüngeren dreht sich alles ums Golfen: spielen, trainieren, darüber reden. Das langweilt mich. Das mag auch ein Grund sein, warum ich noch dabei bin: Ich habe mich nicht verschlissen.

SPIEGEL: Wie sehr hat sich Frauengolf verändert?

Davies: Es geht heute viel mehr um Fitness, Ernährung und das Drumherum. Man kann das professioneller nennen, ich nenne es übertrieben. Es geht nicht mehr nur um Golf, sondern um Krimskrams. Wenn eine Spielerin es braucht - bitte. Ich kann darauf verzichten.

SPIEGEL: Wenn Sie eine Spielerin wie die Amerikanerin Paula Creamer sehen, die gern in Pink spielt und eine Rosaroter-Panther-Puppe dabeihat, wie gefällt Ihnen das?

Davies: Warum nicht? Langes Haar, kurze Röcke, die Mädchen mögen dieses Image. Was sie anziehen, wie sie sich geben, es gehört zum Business. Das Fernsehen und die Werbung haben vieles verändert. Früher haben wir unser Geld auf dem Platz verdient. Jetzt wird der Marktwert außerhalb festgelegt.

SPIEGEL: Wollen die Mädchen von Ihnen wissen, wie es früher war?

Davies: Nein, das interessiert sie kaum.

SPIEGEL: Was haben Sie ihnen noch voraus?

Davies: Ich habe sehr viele Turniere gewonnen, ich weiß, wie man siegt. Erfahrung zählt eine Menge im Golf. Umso mehr erstaunt es mich, wie schnell manche junge Spielerin zur Siegerin wird.

SPIEGEL: Wie erklären Sie sich, dass aus Asien, vor allem aus Südkorea, so viele neue Spitzengolferinnen kommen?

Davies: Sie sind anders als die Amerikanerinnen, leise, sie würden nie sagen, dass sie bald gewinnen werden. Aber sie ordnen alles dem Erfolg unter. Ihre Eltern begleiten sie, sie haben Fitnessbetreuer, Trainer, Manager. Und sie trainieren verdammt viel - so viel, dass sie das nicht lange durchhalten. Nach ein paar Jahren sind sie wieder verschwunden. Und die nächsten tauchen auf.

SPIEGEL: Von hartem Training scheinen Sie persönlich wenig zu halten.

Davies: Manche trainieren, um zu trainieren, und werden dabei nicht besser. Solchen Frauen rate ich: Macht weniger, entspannt euch, vertraut auf euer Talent. Bei mir hat es funktioniert.

SPIEGEL: Tatsächlich?

Davies: Mein Spiel ist sehr natürlich. Ich kann nach der Winterpause den Schläger nehmen, und mir gelingt auf Anhieb ein guter Schlag. Das schaffen die wenigsten. Auch wenn ich nicht so aussehe: Ich bin eine ziemlich gute Athletin. Mit Talent für einige Sportarten. Ich spiele auch gut Fußball, Tennis und Kricket.

SPIEGEL: Zu Beginn Ihrer Karriere haben Zeitungen Sie als "das große blonde Gift" bezeichnet. Inzwischen nennt die Presse Sie die "Grande Dame des Golfsports". War es ein harter Weg?

Davies: Ich bin einfach älter geworden und habe Resultate gebracht.

SPIEGEL: Hat es Sie nicht weiter gekümmert, verspottet zu werden?

Davies: Ich habe es so weit wie möglich ignoriert. Ich habe nicht gelesen, was Nettes über mich gesagt wurde, also habe ich auch nicht mitbekommen, was für Unsinn geschrieben wurde.

SPIEGEL: Wie sind Sie überhaupt zum Golfen gekommen?

Davies: Ich war 14 Jahre alt. Während der Sommerferien habe ich meinen älteren Bruder Tony begleitet, er spielte viel. Golf interessierte mich, weil man es allein spielen konnte, ohne Mannschaft oder einen Partner wie im Tennis. Du kannst auf der Driving-Range zehn Stunden lang Bälle schlagen, ohne mit jemandem zu sprechen. Und wenn du willst, spielst du mit deinen besten Freunden eine Runde auf dem Kurs.

SPIEGEL: Sie haben nie einen Golflehrer gehabt. Warum nicht?

Davies: Ich konnte noch nie besonders auf Leute hören, die mir sagen wollen, was ich tun oder lassen soll. Ich habe mir die Profis im Fernsehen angeschaut und versucht, ihre Schläge nachzumachen und daraus zu lernen. Das fiel mir leicht. Keine Ahnung, ob mein Schwung den klassischen Kriterien entspricht. Jedenfalls ist er gut genug, um erfolgreich zu sein.

SPIEGEL: Bevor Sie Berufsgolferin wurden, waren Sie fünf Jahre als Amateurin unterwegs. Wie verlief Ihr Leben damals?

Davies: Ich hatte mit 16 die Schule verlassen, mit der klaren Absicht, eines Tages professionell zu spielen. Damals konnte man noch nicht so jung Profi werden, heute ist das ja nicht mehr ungewöhnlich. Wir waren damals ein paar Mädchen, und wir hatten es nicht eilig.

SPIEGEL: Wovon haben Sie gelebt?

Davies: Ich habe im Winter gearbeitet, um im Sommer spielen zu können. Ein Jahr lang in einer Tankstelle, ein Jahr bei einem Buchmacher am Schalter und drei Jahre im Supermarkt an der Kasse.

SPIEGEL: Gab es damals schon Frauengolf auf professionellem Niveau?

Davies: Es gab viele Turniere, aber alles steckte noch in den Kinderschuhen. Im ersten Profijahr habe ich 21 Turniere in Europa gespielt, im zweiten 26. Danach, 1987, bin ich nach Amerika gegangen und habe gleich die US Open gewonnen. Mit 23 Jahren - das hört sich heuzutage alt an. Mein Bruder kam mit und blieb fünf Jahre lang mein Caddy. Meine Mutter wollte, dass er auf mich aufpasst.

SPIEGEL: Im Tennis liegen die Preisgelder von Frauen und Männern fast auf gleicher Höhe. Beim Golf verdienen Frauen weitaus weniger. Wird sich das ändern?

Davies: Hoffentlich. Ich habe bislang 9 Millionen Dollar gewonnen, bei den Männern wären es bei meinen Erfolgen etwa 40 Millionen. Ich verstehe nicht, warum die Kluft so groß ist. Der sportliche Wert und der Unterhaltungsfaktor sind ähnlich. Der einzige Unterschied ist doch, dass unsere Abschläge nicht so weit fliegen.

SPIEGEL: 2016 wird erstmals bei Olympischen Sommerspielen Golf zum Wettkampfprogramm gehören. Wäre es ein Ziel, in Rio de Janeiro dabei zu sein?

Davies: Dann werde ich 52 sein. Sollte jemand mit 52 noch an Olympischen Spielen teilnehmen? Ich werde in drei Jahren drüber nachdenken.


DER SPIEGEL 35/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG.

Dieser Artikel ist ausschließlich für den privaten Gebrauch bestimmt. Sie dürfen diesen Artikel jedoch gerne verlinken.
Unter http://www.spiegelgruppe-nachdrucke.de können Sie einzelne Artikel für Nachdruck bzw. digitale Publikation lizenzieren.

DER SPIEGEL 35/2012
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon sonntags ab 8 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

GOLF:
Krimskrams