Noch vergangene Woche demonstrierten sie in Teheran Einigkeit - Religionsführer Ali Chamenei und Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Dabei hat das Misstrauen zwischen den beiden längst neue Dimensionen erreicht. Denn dem Präsidenten droht der Entzug von Kompetenzen und damit eine empfindliche Einschränkung seiner Macht. Erkenntnissen westlicher Geheimdienste zufolge gründete Chamenei Anfang dieses Jahres ein Komitee, das zur Aufgabe hatte, die "Stabilität des Energiesektors" zu untersuchen. Zuvor waren interne Vorwürfe der Vetternwirtschaft in diesem Bereich bekanntgeworden. Die Untersuchungen ergaben, dass Ahmadinedschad tatsächlich Vertraute in wichtige Positionen gebracht hatte, für die sie keine Fachkenntnisse vorweisen konnten. Darunter befinden sich sowohl der zeitweilige Erdölminister als auch der Chef der größten Öl- und Benzintransportgesellschaft NITC. Der Abschlussbericht des Komitees beschuldigt die beiden - und damit auch Ahmadinedschad -, für zahlreiche Unfälle mitverantwortlich gewesen zu sein, darunter Feuer in petrochemischen Anlagen, geborstene Gasleitungen und eine Explosion im hochsensiblen Schwerwasserreaktor von Arak. Chamenei wird empfohlen, dem Präsidenten daher die Zuständigkeit im Energiesektor zu entziehen. Damit wäre Ahmadinedschad weitgehend vom umstrittenen iranischen Atomprogramm ausgeschlossen.
DER SPIEGEL 36/2012
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