Bis auf die entlegenen Orkneyinseln reichte der steinzeitliche Weiblichkeitskult. Dafür jedenfalls sprechen drei Frauenfiguren, die bei Grabungen auf einer der schottischen Inseln gefunden wurden. Das Besondere an den nur wenige Zentimeter großen Darstellungen mit ihren runden Köpfen: Sie sind 5000 Jahre alt. Als ein Künstler im rauen Norden die Plastiken schuf, standen weder Stonehenge noch die Pyramiden von Gizeh. Besonders bei einer der Skulpturen sind die Details der Ausarbeitung noch sehr gut zu sehen: Sie hat ein Gesicht mit Punktaugen, dicken Augenbrauen und einer länglichen Nase. Zwei Kreise auf der Vorderseite deuten die Archäologen als Brüste. Ein Gittermuster soll offenbar die Kleidung der Frau darstellen. Auf den Orkneys lag in der Jungsteinzeit ein bedeutendes kulturelles Zentrum. Die Menschen bauten dort schon früh Megalithkreise wie später in Stonehenge, erfanden neue Keramikformen und lebten in Siedlungen zusammen.
DER SPIEGEL 36/2012
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