20.10.1997

Barschel-Affäre (III):Wie starb Uwe Barschel und warum? Der Tod in der Badewanne des Genfer Hotels vor zehn Jahren ist bis heute ein Rätsel.War Barschel am Ende allein? Spuren aus Zimmer 317 wecken Zweifel.Widersprüchliche Zeugenaussagen nähren den Verdacht: Es gab eine Geschichte hinter der Geschichte. Von Thomas DarnstädtAktenzeichen 33247/87 ungelöst

Barschel-Affäre (III): Wie starb Uwe Barschel und warum? Der Tod in der Badewanne des Genfer Hotels vor zehn Jahren ist bis heute ein Rätsel. War Barschel am Ende allein? Spuren aus Zimmer 317 wecken Zweifel. Widersprüchliche Zeugenaussagen nähren den Verdacht: Es gab eine Geschichte hinter der Geschichte. Von Thomas Darnstädt
Genf ist die Stadt der Geheimnisse. Und die meisten davon gibt es in der Umgebung des Quai du Mont-Blanc. Waffenhändler von Rang, Agenten aller großen Geheimdienste der Welt, Diplomaten mit diskreter Mission steigen in den First-class-Hotels ab, die alle hier aus ihren teuersten Zimmern den Blick auf die berühmte Stelle bieten, wo die Rhône aus dem Genfer See fließt.
Wer durch die Drehtür des Hotels Beau- Rivage ins abendliche Genf spaziert, ist mittendrin. Wendet er sich nach rechts, guckt ihm die Leuchtschrift des Richemond entgegen. Ein paar Schritte nach links am See entlang: das Noga-Hilton.
Rechts oder links? Die Frage,wohin sich der Beau-Rivage-Gast Uwe Barschel am letzten Abend seines Lebens, am 10. Oktober 1987 gegen 20 Uhr, gewendet hat, ist auch ein Geheimnis.
Vielleicht ist es sogar das größte des Rät- selfalles Barschel.Wüßte man, wen er ge- getroffen hat, dann wüßte man auch, wie er gestorben ist.
Es kann gut sein, daß Barschel sich nach rechts gewandt hat. Im Hotel Le Richemond wohnte unter dem Aliasnamen Lange der Geheimagent Werner Mauss, obwohl der ursprünglich auch im Beau-Rivage, seinem Stammhotel, reserviert hatte. Etwa um diese Zeit saß Mauss mit seiner Frau Ida beim Abendessen. Allein?
Niemals, versicherte der mittlerweile in Kolumbien festgehaltene Hansdampf der deutschen Geheimdienste, habe er mit Uwe Barschel zu tun gehabt. Und jeder, der etwas anderes behauptet, wird von Mauss- Anwalt Karl Egbert Wenzel umgehend mit einer einstweiligen Verfügung belangt.
Der Genfer Generalstaatsanwalt Bernard Bertossa sagt trotzdem: "Ich meine, daß die Anwesenheit von Herrn Mauss nicht von vornherein als bloßer Zufall betrachtet werden kann."
Tatsächlich war Mauss ja ständig unterwegs in dieser Stadt der Geheimnisse. Er hatte überall an den Hotelbars und den Terrassen zu tun,wo die goldgeschmückten Herren herumsaßen, die hier ihre Geschäfte betrieben. Das waren Geschäfte, die Uwe Barschels Bruder Eike, in der Genfer Umgebung ansässig, Geschäfte "im Graubereich" nennt.
Eike Barschel, damals Finanzchef eines Unternehmens, das sich auch mit Waffentechnologie beschäftigt, weiß den Genfer "Graubereich" in der Hand von zwei Gruppen von Arabern. Die beherrschen den Handel mit Embargogütern, Staatsund Industriegeheimnissen und Waffen.
Da ist er wieder, der schwarze Faden, der sich durch die Geschichte des Uwe Barschel zieht.
Eike Barschel, der nach dem Tod seines Bruders durch Genf zog und versuchte, die Hintermänner des von ihm gemutmaßten Mordes aufzuspüren, stieß auf einer dieser Terrassen auf "Monsieur P.", wie Barschel ihn nennt. P. steht für "Philippe". Philippe habe, berichtet der Geschäftsmann Eike Barschel, auch Aktivitäten im Graubereich auszuführen gehabt - womöglich sogar solche mit tödlichem Ausgang.
"Der Mann", sagt Eike Barschel, "ist gefährlich", der habe nicht nur für Mauss gearbeitet, sondern auch ihm "direkte Mitarbeit" angeboten. Bei was nur, fragt sich der Bruder.
Genfer Geschichten aus dem Graubereich. Philippe hat Eike Barschel mit Hilfe des Detektivs Jean-Jacques Griessen kennengelernt, den er mit Ermittlungen nach Uwes Tod beauftragt hatte. Und an Griessen sind vor allem zwei Dinge interessant: daß er eines plötzlichen Herztodes starb, nachdem er seinem Auftraggeber mitgeteilt hatte, er könne jetzt wohl das Rätsel Barschel lösen; und daß er zeitweise Mitarbeiter des Agenten Mauss gewesen ist.
Im Graubereich spielte ebenso das Geschäft, das Mauss an diesem Wochenende in Genf abzuwickeln hatte. Es ging um die Befreiung der Geiseln Rudolf Cordes und Alfred Schmidt im Libanon.
Mauss war mit Wissen der Bundesregierung hier. Und die Bonner haben intern wiederholt erklärt, sie hätten Vorkehrungen getroffen, daß ihr Dunkelmann nicht zu tief im Graubereich verschwindet. Ein Observationstrupp habe dem Privatagenten heimlich hinterhergesetzt.
Doch Mauss hatte auch in Genf geheime Helfer, von denen die Deutschen nichts wußten. Der Polizeioffizier Louis Demartin von der Genfer Kripo gehörte dazu. Der wurde später sogar disziplinarisch bestraft, weil er Mauss pflichtwidrig zugearbeitet hatte.
Reiner Zufall natürlich, daß ausgerechnet Demartin die Todesermittlungen im Fall Barschel leiten würde.
Samstag abend, etwa 20 Uhr - Barschel könnte sehr gut in die entgegengesetzte Richtung gelaufen sein, die paar Schritte zum Hotel Noga-Hilton rüber, Roloff treffen. Was für ein Foto könnte es denn gewesen sein, das der Informant zu dem Treffen mitbringen wollte und das ihm Entlastung bringen sollte? "R. R. will mir ein Bild geben, daß Pfeiffer + Freund zeigt", so heißt es in den Aufzeichnungen, die Uwe Barschel kurz zuvor im Hotel von seinem vorangegangenen angeblichen Nachmittagstreff mit "Roloff" gemacht hatte.
Barschels ehemaliger Medienreferent Reiner Pfeiffer, der Mann für die schmutzigen Tricks, zusammen mit einer Person X: Das gemeinsame Auftreten müßte etwas Entlarvendes haben.
So ein Foto wurde beim toten Barschel nie gefunden - aber im Hotelzimmer 317 sind noch ganz andere Sachen weggekommen. Spekulationen sind deshalb erlaubt.
VERSION EINS: Das Foto zeigt das heimliche Zusammentreffen Pfeiffers mit dem Kieler SPD-Landesvorsitzenden Günther Jansen und dessen Pressesprecher Klaus Nilius. Die saßen gemeinsam mit Peter Schulz, dem Anwalt des sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Björn Engholm, kurz vor der Landtagswahl im Lübecker Hotel Lysia zusammen und tauschten Informationen über die Wahlkampfintrigen gegen die SPD aus. Das Foto davon ist der Beleg für die Mitwisserschaft der Sozialdemokraten.
So ein Foto könnte der Pfeiffer-Freund und Hochstapler Gert Postel gemacht haben. Postel, der vermutlich Pfeiffers Helfer bei den schmutzigen Tricks war, mußte wissen, daß ein Dokument vom konspirativen Treff seines Freundes sich hervorragend für Erpressungen und Kompromittierungen jeder Art eignen würde.
VERSION ZWEI: Das Bild zeigt Pfeiffer mit Freund Postel. Ein solches Foto ist zwar enttäuschend trivial, aber es ist der Beweis für die damals unbekannte Tatsache, daß der Barschel-Mann Pfeiffer mit einem Hochstapler und Fälscher zusammengearbeitet hat. Informationen über eine solche Zusammenarbeit lassen sich ja auch aus den Aufzeichnungen herauslesen, die Barschel von seinem angeblichen Gespräch mit Roloff gemacht hat.
Das Bestechende an der Version zwei: Ein Foto von Pfeiffer und Postel gibt es tatsächlich.
Und wenn Uwe Barschel an diesem Abend des 10. Oktober das Hotel überhaupt nicht verlassen hat? Im unübersichtlichen Säulengewirr des Foyers könnte sich eine ganze Mörderbande, von der Rezeption unbemerkt, zum Zimmer 317 geschlichen haben.
Das letzte Mal im Leben des Uwe Barschel muß der Boden der Realitäten für eine aberwitzige Geschichte verlassen werden - einfach, weil die Ermittler so daran hängen. Seit dem Vortag, dem 9. Oktober, trieb sich nämlich ein gewisser Josef Messerer aus Söcking bei Starnberg in Genf herum. Die Staatsanwaltschaft hat einen Terminkalender
von dem Mann; dort ist für den 9. Oktober ein Treffen in Genf mit einer Reihe prominenter Waffenhändler verzeichnet. Unter ihnen Ahmed Chomeini, der Sohn des Ajatollahs.
Der letzte in dem Terminkalender aufgeführte Name ist "Barschel". Daneben ein Pfeil zum 10. Oktober und das Wort "Ende".
Den Namen Barschel und den Pfeil mit dem schwarzen Wort habe er hinterher drangeschrieben, erklärt Messerer, der den Kalender den Ermittlern selber vorgelegt hat, als ihm die Zusammenhänge klargeworden seien.
Die "Zusammenhänge", wie Messerer sie sieht: Uwe Barschel sei in Waffengeschäfte mit Iran verstrickt gewesen. Nach seinem Rücktritt habe er zehn Millionen Dollar von Iran gefordert, um finanziell abgesichert zu sein. Der Erpresser sei daraufhin vom iranischen und nordkoreanischen Geheimdienst gemeinsam umgebracht worden.
Es kommt noch toller: Vom Todesgeschehen "im Hotelzimmer" (Ermittlerbericht) sei ein Schmalfilm gedreht worden. Darauf könne man sehen, wie Barschel Geld betrachte, wie der Rotwein und eine Flasche Whiskey aus der Minibar mit Gift präpariert würden, schließlich, wie Bar- schel in die Wanne geschleift werde. Der Film, schloß Messerer, liege im Bundeskanzleramt, eine Kopie bei ihm zu Hause. Soso.
Bemerkenswert an dieser Geschichte ist, daß die Ermittler umgehend eine Hausdurchsuchung bei Messerer machten, aber - wir ahnten es - keinen Film fanden.
Bemerkenswert ist allerdings noch etwas anderes: Gift in einer Whiskeyflasche wurde tatsächlich gefunden - doch damals war das noch gar nicht bekannt.
Kurz nach 20 Uhr jedenfalls war Barschel entweder nicht in seinem Zimmer - oder er nahm den Hörer nicht ab. Denn da versuchte der "Stern"-Reporter Sebastian Knauer vergebens, den Gast telefonisch zu erreichen. Knauer war auf dem Weg nach Genf zusammen mit dem Fotografen Hanns- Jörg Anders und um diese Zeit in Frankfurt zwischengelandet.
Die beiden Journalisten kamen gegen 23 Uhr im Hotel Beau-Rivage an, wo sie Zimmer bestellt hatten. Frank Garbely, der Kollege, der Barschel auf dem Flughafen angesprochen hatte, erwartete sie.
Der Plan: Am nächsten Morgen, bevor der Ministerpräsident a. D. das Hotel verlassen würde, sollte er um ein Interview gebeten werden.
Knauer, Anders und Garbely nahmen noch einen Drink an der Hotelbar. Zwischen 23 Uhr und Mitternacht, berichtet Knauer, habe er noch mal an der Zimmertür seiner Zielperson vorbeigeschaut, da sei kein Lebenszeichen gewesen. An der Tür habe das rote Schild "Bitte nicht stören" gehangen.
Um Mitternacht wollen Knauer und Anders in ihre Zimmer im zweiten Stock zu Bett gegangen sein. Unten im Saal lärmte bis in die späte Nacht eine Festgesellschaft mit Musik. Um ein Uhr wurde die Drehtür des Hotels verschlossen. Der letzte Tag im Leben Uwe Barschels war zu Ende.
Was in diesen Stunden im Zimmer 317 geschah, verlief tödlich: Genauer kann man es nicht sagen. Sicher ist nur, daß Barschels Schlafanzug unbenutzt auf dem Bett liegenblieb, auch die Bettdecke wurde nicht abgedeckt. Ihr Mann müsse, mutmaßt seine Witwe Freya, schon bald nach 19 Uhr gestorben sein: So allein auf seinem Zimmer wäre er sicher nicht freiwillig geblieben, er hätte sich gelangweilt.
Kopfschmerz, Schwindel, Sehstörungen, Krämpfe. In der letzten Phase Schock, dann langes Koma. Schließlich Lungen- und Hirnödeme, Kreislaufzusammenbruch, Atem- lähmung.So, sagen die Mediziner, muß es gewesen sein, als Uwe Barschel starb. Es ist die tödliche Wirkung der Medikamente, die im Magen, Blut und Urin des Toten gefunden wurden.Wie lange der Todeskampf gedauert hat? Nicht einmal das kann man sagen.
Alle Indizien, die einen Zeitablauf erkennbar machen, sind entweder raffiniert verwischt oder durch Ungeschicklichkeit vernichtet worden.
Vier Wirkstoffe machen die Gerichtsmediziner für den Tod Uwe Barschels verantwortlich: Cyclobarbital, bekannt zum Beispiel als Schlafmittel "Phanodorm"; Pyrithyldion, einstmals als "Persedon" im Handel, aber 1987 in Westeuropa längst aus dem Verkehr gezogen; Diphenhydramin, ein Antiallergikum, das unter dem Namen "Benadryl" im Handel ist; Perazin, ein Neuroleptikum, zum Beispiel als "Taxilan" in den Apotheken.
Später wurde auch noch Methyprylon im Körper des Toten entdeckt, das ist etwas ähnliches wie Pyrithyldion und war früher auch als "Noludar" im Handel. Daneben fanden die Toxikologen natürlich auch einen ganzen Cocktail von Tranquilizern. Doch daran ist Barschel nicht gestorben.
Medikamentenpackungen, die auf Herkunft und Verabreichung des Gifts schließen lassen könnten, waren verschwunden, als die Polizei den Toten am nächsten Mittag gegen 14 Uhr aus der Wanne zog.
Allein das fast leere Fläschchen Jack- Daniels-Whiskey aus der Zimmerbar, das die Ermittler später im Papierkorb im Badezimmer fanden, läßt Spekulationen darüber zu, wie das Gift in Barschels Körper gelangte.
Ein paar Tropfen Flüssigkeit fanden die Polizeichemiker in der kleinen Flasche. Die Analyse der Neige erbrachte geringe Spuren Alkohol und noch geringere Spuren von Diphenhydramin.
Da der Alkoholgehalt weit unter dem im Whiskey lag, bietet sich die Schlußfolgerung an, daß das Fläschchen mit Wasser aufgefüllt wurde. Das könnte ein Gift-Wasser- Gemisch gewesen sein.
Doch wie soll es da hineingekommen sein? 25 bis 50 Tabletten der damals üblichen Diphenhydramin-Medikamente müssen, so errechneten die Pharmakologen, in Flüssigkeit aufgelöst worden sein. Das Whiskey-Fläschchen hatte nur 5 Milliliter Inhalt und noch dazu einen viel zu engen Hals. Das Gift muß also auf andere Weise in die Flasche gelangt sein: mit einer vorher vergifteten Flüssigkeit. Warum nicht mit Whiskey?
Nachdem Barschel vergifteten Whiskey getrunken hat, so die Fortsetzung, muß er oder jemand anders die Flasche mit Wasser aufgefüllt haben, um sie auszuspülen und damit die Giftspuren zu beseitigen.
Was in der Nacht im Zimmer 317 geschehen ist, kann jedenfalls nicht sehr laut gewesen sein. Die Zimmernachbarn, auch der Gast im Zimmer unter 317, berichteten der Polizei, sie hätten nichts gehört.
Und doch war da etwas: Gegen 3 Uhr morgens fuhren die beiden Nachtportiers, die ohne Schuhe unten in der Halle vor sich hin dösten, plötzlich in ihren Sesseln hoch.
"Ein dumpfes, aber heftiges Geräusch" will Alain Di Natale gehört haben, es habe "etwa 20 Sekunden gedauert, als ob jemand gefallen war". Der Mann vom Nachtdienst meint, der Lärm sei aus dem zweiten oder dritten Stock gekommen. Alle Etagen des Beau-Rivage sind zur Hotelhalle hin wie zu einem Patio offen.
Sein Mitarbeiter Ramush Ramadani kann sich an den Zwischenfall ebenfalls erinnern. So doll, sagt der, sei das aber nicht gewesen: "In einem Hotel ist so etwas selbst nachts normal."
Anlaß, der Sache nachzusteigen, sahen die beiden nicht. Sie lehnten sich zurück und dösten weiter.
Unwahrscheinlich, daß Uwe Barschel die Medikamente alle zusammen in einem großen Cocktail zu sich genommen hat. Die Verteilung des Gifts im Magen, Blut und Urin spricht dagegen.
So finden sich vom Cyclobarbital große Mengen im Magen, viel weniger im Blut, noch weniger im Urin. Bei den anderen Medikamenten war der Anteil in Blut und Urin sehr viel größer. Der Unterschied ist so eklatant, daß mehrere Gutachter darüber in Streit gerieten, was das zu bedeuten hat.
Der Zürcher Toxikologe Hans Brandenberger kommt zu dem Schluß: "Das Zeitintervall zwischen Cyclobarbital-Einnahme und Tod ist sehr wahrscheinlich we- sentlich kürzer gewesen als die Zeitintervalle zwischen Einnahme der drei anderen Medikamente und Tod."
Spektakulär seine Schlußfolgerung: Es sei unwahrscheinlich, daß Barschel noch handlungsfähig war, als er Cyclobarbital schluckte.
Brandenberger ist mit seiner 3+1-Theorie der eigentliche Urheber aller Mordgerüchte um Barschel. Denn wenn der selber die Schlaftabletten nicht mehr nehmen konnte, so die zwingende Konsequenz, muß sie ihm jemand gegeben haben.
Tatsächlich hat sich der Zürcher Gutachter mit seiner These nichts wie Ärger bereitet. Die Kollegen fielen über ihn her, bezweifelten die Seriosität des eigensinnigen Wissenschaftlers.
Selbst der von der Barschel-Familie als Obergutachter bestellte Professor Werner Janssen aus Hamburg bestätigte, was die Genfer Gerichtsmediziner nicht anders sahen: Es gebe keine Hinweise auf "äußeren Zwang" bei der Gifteinnahme. Eine Angabe über die Reihenfolge und mögliche Intervalle der Medikamenteneinnahme, so der Mitgutachter Professor Achim Schmoldt, sei nicht möglich. Dazu seien die Analysen zu ungenau.
Eine Wende im Gutachterstreit zeichnete sich ab, als vor zwei Jahren in einer Kühltruhe der Genfer Gerichtsmedizin noch tiefgefrorene Asservate von der Obduktion des Barschel-Leichnams gefunden wurden. Niere, Leber, Urin, Galle, Blut und Mageninhalt des Toten händigten die Genfer Ermittler den deutschen Kollegen aus. Und nun machte sich der Münchner Toxikologe Ludwig von Meyer erneut an ein Gutachten.
Meyer entdeckte das bisher übersehene Methyprylon in den übersandten Proben. Und zumindest das einst als "Noludar" verkäufliche Mittel sei "mehrere Stunden bis zu Tage" vor dem tödlichen Medikamentenmix eingenommen worden. Nach der 3+1-Theorie nun die 1+4-Theorie.
"Grundsätzlich", so bestätigte Meyer den Kollegen Brandenberger, sei der Befund "geeignet", den Mordverdacht zu stützen.
Anders als die 3+1-Theorie erlaubt die 1+4-Theorie jedenfalls keinen zwingenden Schluß auf fremde Hand. Die vermutliche Menge Noludar, vielleicht vier Tabletten, wann auch immer von Barschel geschluckt, müssen für sich gesehen nicht zum Bewußtseinsverlust geführt haben.
Andererseits erregt das Noludar deshalb einen bösen Verdacht, weil es zusammen mit dem ganz ähnlichen Pyrithyldion auftaucht. Beide Stoffe sind nicht zuletzt deshalb vom Markt genommen worden, weil sie in der kriminellen Szene als K.-o.-Tropfen gebräuchlich waren. Die Wirkung, bei gemeinsamer Einnahme natürlich noch verstärkt, ist bei Methyprylon und Pyrithyldion ähnlich. Sie wirken sofort; in hohen Dosen genommen, führen sie zum schlagartigen Bewußtseinsverlust.
Auch die Spuren des Neuroleptikums Perazin in Barschels Körper erregen Verdacht. Das ist ein Stoff, der fast ausschließlich bei aufsässigen Patienten in der Psychiatrie verwendet wird. Er heißt auch "chemische Zwangsjacke". Perazin macht willenlos, aber nicht bewußtlos - mit quälenden unangenehmen Nebenwirkungen. Mit Perazin bringt man sich nicht um - das bekommt jemand eingeflößt, dem man seinen Willen aufzwingen will.
Doch alle Wissenschaft der Pharmakologen ist bei jemandem wie Uwe Barschel vergeblich. Einer, der so regelmäßig so hohe Dosen an Tranquilizern genommen hat, stirbt anders, als es in den Lehrbüchern steht. Die tödlichen Barbiturate, ebenso das Neuroleptikum, haben in dem an Tavor und Valium gewöhnten Körper unberechenbar reagiert. Barschels Tod entzieht sich jeder Rekonstruktion.
"Es war Mord." Eike Barschel, mittlerweile Unternehmensberater, ist noch immer rastlos dabei, Licht in die Nacht zu bringen, in der sein Bruder starb. Doch auch er kann die wichtigste Frage nicht beantworten: Warum? Wer kann sich etwas vom Tod Uwe Barschels versprochen haben?
Die Ermittler in Lübeck sind auch schon der Frage nachgegangen, ob vielleicht Eike Barschel selber in dieser Nacht bei seinem Bruder gewesen ist - nicht als Mörder, sondern, um ihm beim Sterben zu helfen. Eine letzte Handreichung gegenüber Uwe, mit dem er sich nie besonders gut vertragen hat. Es würde zumindest erklären, warum Eike Barschel immer wieder so heftig mit Mordtheorien in die Ermittlungen eingreift.
Doch Eike Barschel bleibt dabei: Erst am nächsten Morgen habe er sich auf die Suche nach seinem Bruder gemacht - als der nicht zum Frühstück erschien. Als es still geworden war im Zimmer 317, weil dort kein Leben mehr war, brannte im Bad das Licht. Im Zimmer und im Gang waren die Lampen ausgeschaltet worden. Die Vorhänge am Fenster mit dem herrlichen Blick auf den Genfer See waren wahrscheinlich fast vollkommen zugezogen. Die Tür, wie alle Türen im Beau-Rivage, einfach mit der Klinke zu öffnen, war unverschlossen.
Und die Weinflasche? Ob sie noch auf dem Tisch stand, als Uwe Barschel starb, ist von entscheidender Bedeutung für die Lösung des Rätsels.
Nichts weist nach Ansicht der Kriminalisten so deutlich auf die Anwesenheit Dritter wie die verschwundene Flasche. "Wir suchen die Beaujolais-Flasche noch immer", sagt nach zehn Jahren der Genfer Ermittlungsleiter Paul Fleury, der damals schon suchte.
Fleurys Leute haben nicht nur das Zimmer abgesucht, sie haben im Kies auf dem Flachdach unter dem Zimmerfenster von 317 gewühlt, sie haben auf der Straße nach Scherben Ausschau gehalten. Sogar ins Ufergewässer des Genfer Sees sind sie getaucht: nichts.
Vielleicht hat ja Barschel selber solche Bemühungen um seinen Tod provozieren wollen - und darum die Flasche beseitigt, bevor er sich zum Selbstmord in die Badewanne legte, ein Handtuch um den Arm, wie es in den gängigen Suizid-Anleitungen steht: um das Erbrochene aus dem Gesicht zu wischen.
Dann hätte er freilich die Flasche nicht in weitem Bogen aus dem Fenster werfen müssen. Er hätte sie einfach mitsamt dem Tablett, auf dem sie serviert wurde, und dem Flaschenständer, in dem sie kredenzt wurde, auf den Gang hinausstellen können - ein paar Türen weiter. So wäre sie am nächsten Morgen vom Aufräumservice beseitigt worden, und niemand hätte die Flasche jemals dem Gast von Zimmer 317 zugeordnet.
Genauso hätte natürlich auch ein Fremder verfahren können, um die Spuren seiner Tat zu verwischen.
Doch Fleury, der Ermittler von damals, hat einen ganz anderen Verdacht. "Das große Fragezeichen sind die Journalisten, die am Sonntag morgen im Zimmer waren. Wer weiß, was die mitgenommen haben."
Die Verdächtigen heißen Sebastian Knauer und Hanns-Jörg Anders. Die "Stern"-Journalisten ließen sich an diesem Sonntag, dem 11. Oktober, schon um 5.45 Uhr wecken. Sie wollten unbedingt den Reisenden Barschel aufhalten, ihn um ein Interview bitten. Während sich Knauer und Anders in ihren Zimmern im zweiten Stock wahrscheinlich gerade anzogen, machte kurz vor 6 Uhr der Hotelpage Ramadani die Runde durch die Gänge des Beau- Rivage, um die Frühstückszettel einzusammeln, die vor den Zimmertüren hingen. An Zimmer 317, erinnerte er sich, hing gar nichts.
Ramadani hatte, zusammen mit seinem Kollegen Di Natale, die Nacht über Dienst gehabt. Sie hatten etwa um 3 Uhr morgens diese merkwürdigen Geräusche in den oberen Etagen gehört. Jetzt, kurz nach Uhr, war Ramadani wieder an der Rezeption angelangt.
Da seien, so berichtete er später der Polizei, um diese nachtschlafene Zeit plötzlich Knauer und Anders erschienen - "verschwitzt" - und hätten eilig nach einem Taxi verlangt. Als die beiden mitbekommen hätten, daß Ramadani mit seinem Kollegen Di Natale tuschelte, hätten sie sich das noch einmal überlegt und das Taxi wieder abbestellt.
Sebastian Knauer, mittlerweile Redakteur beim SPIEGEL, erklärt Ramadanis Erzählung für "dummes Zeug". Tatsächlich hatte sich der Nachtportier in früheren Vernehmungen an dieses Detail nicht erinnert.
Die Schlußfolgerung, Anders und Knauer seien schon zu dieser frühen Stunde in Barschels Zimmer gewesen und hätten dort etwas unternommen,was sie ins Schwitzen gebracht hätte, ist bizarr. Wenn Journalisten von jemandem ein Interview wollen, dann schleichen sie nicht morgens um 6 Uhr in sein Zimmer, andernfalls würden sie riskieren, von dem im Schlaf Überraschten nie wieder eine Auskunft zu bekommen.
Es sei denn, sie hätten zu diesem Zeitpunkt schon gewußt, daß Uwe Barschel nicht mehr aufwachen konnte.
Knauer und Anders trafen sich gegen Uhr zum Frühstück im Hotel. "Wir hatten die Hoffnung", erzählt Knauer, "daß Herr Barschel auch gleich kommt - dann wollten wir uns zu ihm setzen und ihn um ein Gespräch bitten."
Barschel kam aber nicht. Gelegentlich ging Knauer, wie er berichtet, zur Zimmertür von 317 hinauf. "Das Schild an der Tür zeigte Rot."
Kurz nach 9 Uhr am Morgen deckte die Mutter von Uwe und Eike Barschel im Haus in dem Weindörfchen Yens nahe Lausanne den Frühstückstisch. Sie stellte zwölf Teller hin, elf für die große Familie, den zwölften Teller für den Sohn, der minütlich erwartet wurde.
Zur selben Zeit ging beim Kriminalpolizeiamt in Kiel ein Anruf aus dem schleswig- holsteinischen Innenministerium ein. Der Herr Ministerpräsident a. D. werde nicht, wie ursprünglich angekündigt, um 14.20 Uhr auf dem Hamburger Flughafen eintreffen, sondern erst um 18.20 Uhr. Die Personenschutzkräfte seien entsprechend zu instruieren.
Tatsächlich hatte Barschel ja noch am Freitag in Gran Canaria auf einen späteren Rückflug von Genf nach Deutschland umgebucht. Und damit er auch ganz bestimmt und standesgemäß vom Flughafen abgeholt werde, hatte er, wie Eike Barschel berichtet, am Freitag abend in einem Telefongespräch seine Schwester Folke Junker informiert. Die Schwester erhielt den Auftrag, Uwe Barschels geänderte Ankunftszeit in der Staatskanzlei mitzuteilen.
Doch nun war der Bruder in Yens überfällig. Gegen 9.45 Uhr, berichtet Bruder Eike, sei er unruhig geworden. Er habe im Hilton-Hotel und - "aus einer plötzlichen Eingebung heraus" - auch im Intercontinental angerufen. Hier wie dort war der Gast Barschel unbekannt.
Kurz nach 10 Uhr steigerte sich die Unruhe in Yens zur Alarmstimmung. Eike Barschel machte eine Vermißtenmeldung bei der Polizei.
"Mit Sicherheit noch vor 11 Uhr", erinnert sich Max Vaterlaus, damals Chef der Foto- Agentur Keystone in Genf, habe ihn ein Anruf aus Hamburg vom "Stern" erreicht: "Ein hysterisch aufgeregter Redakteur rief an und sagte, ich solle sofort einen Fotografen zum Hotel Beau- Rivage schicken, da sei etwas Schlimmes passiert."
Um diese Zeit haben jedoch Knauer und Anders nach eigener Bekundung in der Hotelhalle noch immer auf den Interviewpartner aus Zimmer 317 gewartet. "Wir wurden langsam unruhig", sagt Knauer, "wir dachten ja, der hat am Vormittag in Genf noch einen Termin und muß dann gleich zum Flughafen."
Der zuständige Redakteur beim "Stern" in Hamburg war an diesem Sonntag Hans-Dieter Degler, heute gleichfalls beim SPIEGEL. "Mit Sicherheit", sagt Degler, sei der Anruf bei Vaterlaus nicht vom "Stern" gekommen. "Ich hatte an diesem Sonntag erst ab 11 Uhr Dienst. Und ich bin ja selber erst viel später über die Ereignisse in Genf informiert worden."
Um 11 Uhr begann im Hotel Beau-Rivage für das Personal der Frühschicht die Mittagspause. Und weil es schon kurz vor 11 Uhr war, unterbrach das Zimmermädchen Anne-Marie Esteves ihre Putztour durch den dritten Stock - obgleich sie, wie sie einräumt, ganz gut noch hätte das Zimmer 317 auf- räumen können. Denn das Türschild zeigte Grün.
Die Aussage deckt sich mit der des Minibar-Mannes, der kurz darauf das Zimmer 317 betrat, um den kleinen Kühlschrank aufzufüllen. Nichts Besonderes, sagt er, sei ihm aufgefallen. Und das Türschild? "Es zeigte Grün - oder war gar nicht da. Jedenfalls war es nicht rot."
Das Wechselspiel mit dem Türschild wird noch grotesker. Um 11.30 Uhr kam Esteves vom Mittagessen zurück, um nunmehr das Zimmer 317 in Angriff zu nehmen. Das ging nicht: Das Schild zeigte Rot.
Hat also Knauer etwas an der Tür angestellt?
Es könne sein, räumte der Journalist bei der Polizei ein, daß er "so gegen 11 Uhr" an der Tür Barschels spioniert habe, "ob der Schlüssel noch drinsteckt". Dabei könne das Türschild heruntergefallen sein, und er habe es vielleicht verkehrt wieder aufgehängt.
Das Türschildrätsel wird dadurch komplizierter, daß der Nachtdienstmann Ramadani in seiner ersten Aussage bei der Polizei sagte, er sei sich "sicher", daß morgens um kurz vor 6 Uhr nicht nur kein Frühstückszettel, sondern auch kein Türschild da gehangen habe. Ein paar Jahre später, bei einer weiteren Vernehmung, schränkte er ein, er könne sich daran nicht mehr genau erinnern.
Folgende Spekulationen bieten sich an:
VERSION EINS: Das Türschild fehlte tatsächlich am frühen Morgen. Barschel hatte es weggenommen, oder es ist ihm beim Öffnen der Tür heruntergefallen, als er spät in der Nacht von einem Treffen in sein Zimmer gekommen ist. Vorher hatte Barschel es mit der roten Seite vor die Tür gehängt, damit in seiner Abwesenheit niemand sein Zimmer betritt oder um seine Abwesenheit zu verschleiern. Knauer war bereits vor 11 Uhr im Zimmer, und er hat beim Verlassen das Schild, das (im Zimmer?) auf dem Boden lag, wieder hingehängt - möglicherweise, weil er glaubte, es habe da gehangen, möglicherweise, um - das Schild hing auf der grünen Seite - die Entdeckung des Toten durch das Zimmermädchen zu provozieren. Bei einem weiteren Besuch könnten Knauer oder Anders das Schild umgehängt haben.
VERSION ZWEI: Das Türschild ist in der Nacht von der Türklinke gerutscht, als ein Fremder das Zimmer Barschels verließ. Darum war auch die Tür unverschlossen. Der Rest der Geschichte dann wie bei Version eins.
Nach elf, berichtet Knauer, seien Anders und ihm ein Verdacht gekommen: "Wir haben uns überlegt, ob Barschel das Hotel vielleicht heimlich verlassen haben könnte."
Etwa zur gleichen Zeit rief Eike Barschel die Schwägerin auf Gran Canaria an und schlug Alarm: "Uwe ist verschwunden."
Derweil fuhr Uwe Barschels Chauffeur Heinrich Scheller mit dem Dienstwagen übers Land zum Haus der Familie Barschel in Mölln. Wie Barschel von Gran Canaria aus gebeten hatte, wollte der Fahrer ein paar frische Kleidungsstücke holen, um sie dem Ankömmling am Flughafen in Hamburg zu übergeben.
In Mölln erreichte Scheller ein Anruf vom Kriminalpolizeiamt in Kiel: "Dr. Barschel kommt um 19.20 Uhr in Hamburg an."
Auf dem deutschen Dienstweg war offenbar die neue korrekte Ankunftszeit verschlampt worden. Darum erhielt der Fahrer wenig später erneut einen Anruf. Diesmal hieß es richtig, Barschel werde um 18.20 Uhr in Hamburg erwartet.
Scheller, über soviel Verwirrung unsicher geworden, rief seinerseits beim Personenschutzchef der Kripo an. Der, so Scheller später, habe gesagt: "Alles Quatsch. Barschel kann frühestens um 22.20 Uhr in Hamburg sein.Vorher kommt keine Maschine von Gran Canaria."
Nun, endlich, sollte in Genf der Tote in der Wanne entdeckt werden - fast.
Gegen 12 Uhr, berichtet Knauer, habe er, als aufs Klopfen keine Antwort kam, die Klinke des Zimmers 317 heruntergedrückt. Zu seinem Erstaunen habe sich die Tür geöffnet. Sein Blick fiel in den Vorraum: Da lag ein einzelner Schuh.
"Mein erster Gedanke war", berichtet Knauer, "der ist Hals über Kopf abgereist." Ohne Schuhe? "Vielleicht hatte er ja noch andere mit."
Knauer habe gerufen: "Hallo, ist da jemand?" Dann habe er sich ins Zimmer gewagt, Anders sei draußen geblieben. "Es war klar, daß dies ein hochriskanter Akt war."
Im Hotelzimmer habe er, so Knauer, die Aufzeichnungen Barschels gesehen und mit flüchtigem Blick erkannt, daß die "für unser Thema wichtig sind". Er habe dann das Zimmer verlassen und sich mit Anders besprochen, wohl auch in Hamburg bei "Stern"-Ressortleiter Degler angerufen.
Degler erinnert sich: "Irgendwann zwischen 11 und 14 Uhr rief mich Sebastian aus Genf an. Er sagte: ,Du Dieter, der Barschel liegt tot in der Wanne.Was sollen wir tun?''"
Degler hat dem Reporter nach eigener Aussage geantwortet: "Geht rein, faßt nichts an, fotografiert alles. Dann holt die Polizei und schafft vorher die Filme beiseite."
Hatten Knauer und Anders also doch die Leiche schon entdeckt?
Der Reporter erzählt die Geschichte anders: Er habe sich mit Anders und Hamburg besprochen, daß er ein zweites Mal das Zimmer betrete, um die Unterlagen zu holen, damit Anders sie fotografieren könne.
Gegen 12.30 Uhr sei er dann wieder in das Zimmer, habe die Unterlagen geholt, Anders habe sie draußen im Hotelflur unter der Lampe fotografiert. Dann habe Knauer die Papiere wieder ins Zimmer gebracht.
Dann erst, beim Rausgehen, habe Knauer die Tür zum Badezimmer geöffnet. Da drin sei eine "Saunahitze" gewesen - wenngleich der Spiegel nicht beschlagen war. Barschel habe leblos in der Wanne gelegen.
"Mir war sofort klar", erinnert sich Knauer: "Du bist mitten in einem Kriminalfall, wo du hochgradig belastet bist."
Mit der Automatikkamera von Anders, die er sich vor seinem zweiten Vorstoß nach 317 in die Tasche gesteckt hatte,machte Knauer eine Reihe von Blitzlichtaufnahmen des Toten. Dabei durchquerte er auch mehrfach das Bad, um die richtige Perspektive zu finden. "Ich habe nichts angefaßt, aber ich war total durcheinander." Einmal am Tatort, ging Knauer dann abermals ins Zimmer und fotografierte, "was mir in der Eile interessant erschien".
Nur eine Ecke findet sich auf den Fotos nicht: die Ecke, in der das Tischchen stand. Gäbe es ein Bild von diesem Tischchen, dann wüßte die Nachwelt, ob zu diesem Zeitpunkt da noch eine Weinflasche stand.
Roman Pfister war damals Chef der Genfer Kriminaltechnik. Er ist sicher: "Die haben alles angefaßt, die Journalisten. Und dann haben sie einen Riesenschreck bekommen und die Sachen verschwinden lassen - auch die Rotweinflasche."
Zum Beweis knallt Pfister den Ordner mit den Tatortfotos auf den Tisch. Drin sind die Kontaktbögen mit den Kopien der Filmstreifen, die der "Stern" damals bei der Polizei abgeliefert hat. Da sieht man: Die Kleinbildfilmstreifen von "Film 1" mit den Bildern 0 bis 3. Von "Film 2" die Bilder 1 bis 5 und auf einem zweiten Streifen 6 bis 11. "Was ist mit Bild 12 und den weiteren?" fragt Pfister. "Wir haben sie immer wieder angefordert, wir haben sie nie bekommen."
Für den Kriminaltechniker ist sicher, was auf Bild 12 zu sehen ist. "Der Tisch in der Ecke mit der Weinflasche und wahrscheinlich den Medikamentenpackungen drauf."
Zumindest im Kollegenkreis, beim SPIEGEL, hätte Knauer ja mal erzählen können, wie es wirklich war. Aber Knauer bleibt eisern dabei: "Ich weiß nichts von dieser Flasche. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, ob da Medikamentenpackungen waren. Ich war viel zu aufgeregt."
Knauers Genfer Anwalt bestätigt, er habe im Auftrag seines Mandanten alle Kontaktabzüge von allen Filmstreifen bei der Untersuchungsrichterin abgeliefert, auch von den unbelichteten. Und tatsächlich ist es schwer vorstellbar, daß Knauer am hellichten Tag eine Weinflasche vom Tatort eines möglichen Verbrechens entführt haben soll.
In einem Punkt aber ist Knauers Version rätselhaft. Wie konnte er so sicher sein, daß niemand in dem Zimmer sei, wenn er nicht schon beim ersten Mal gleich einen Blick ins Bad geworfen hat? Wenn da ein einzelner Schuh im Vorraum vor dem Bad liegt, drängt sich der Verdacht auf, daß hinter der geschlossenen Tür jemand sein Morgenbad nimmt und erschreckt feststellt, daß er vergessen hat, die Zimmertür abzuschließen.
"Mag ja sein, daß andere erst mal ins Bad geguckt hätten", sagt Knauer, "ich bin nun mal nicht darauf gekommen."
Kurz nach 13 Uhr informierten Anders und Knauer an der Rezeption den Hoteldirektor, daß im Raum 317 ein Toter in der Wanne liegt. Der Chef der Rezeption rief um 13.20 Uhr die Genfer Polizei an. Um 14 Uhr traf Polizeioffizier Jean-Claude Mossier von der Genfer Kripo im Hotel Beau-Rivage ein, er übernahm die Ermittlungen, verbot den Zutritt zu Zimmer 317, seine erste Feststellung: Das Türschild zeigte auf Rot.
Um 15.29 Uhr meldete die Nachrichtenagentur Associated Press es als erste: Eil - Barschel tot aufgefunden.
Vor dem Hamburger Flughafen wartete noch immer Barschel-Fahrer Scheller, verwirrt von den verschiedenen ihm mitgeteilten Ankunftszeiten. Schließlich traf er einen Kollegen, der ihm erzählte: "Was, du wartest auf Barschel? Der ist doch tot. Ich hab s eben in den Nachrichten gehört."
Da, sagt Scheller, habe er Unterwäsche, Hemden und Anzug wieder nach Mölln zurückgebracht.
In Genf sichteten die Tatortermittler die intimste Habe des toten Ministerpräsidenten a. D.:
Krawatte, Marke "Ascot", grün, mit grau/blau/graubraunen Streifen, 70 Prozent Seide, 30 Prozent Wolle. Unterleibchen, weiß, Marke "Kapart", Größe 7, 100 Prozent Baumwolle. Unterhose, weiß, Marke "Kapart", Größe 6, 100 Prozent Baumwolle. 1 Paar Socken, braun, ohne Marken- und Materialbezeichnung. Taschentuch, weiß, Größe 35 x 35 Zentimeter, ohne Marken- und Materialbezeichnung. Hosengurt, Marke "Kewitz-Lubeck", Größe 95/38 Hose, olivgrün, ohne Marken- und Materialbezeichnung. Herrenhemd, weiß, Marke "Van Laak Royal", Größe unbekannt, 100 Prozent Baumwolle, (zweitoberster Knopf fehlt). Die Verwirrung, die Uwe Barschel - mit Vorsatz oder nicht - in den letzten Tagen seines Lebens stiftete, ist mit seinem Tod nicht zu Ende. So, als brächte eine unsichtbare Hand weiterhin alles durchein- was zur Lösung des Rätsels Barschel führen könnte, brach am Tatort Chaos los.
Der Polizeifotograf schob an seiner Kamera versehentlich den Schalter von "Elektronenblitz-Synchronisation" auf "Blitzlichtbirne". Das Ergebnis läßt sich noch in Pfisters Tatortakten bewundern: grünflaue Bilder von mäßigem kriminalistischen Wert.
Ein Kriminaltechniker ließ das Badewasser ab, um "Wischproben" von der Wanne zu nehmen. Er vergaß jedoch, die Temperatur des Wassers zu messen. Auch die Leichentemperatur des toten Uwe Barschel wurde nicht festgestellt. So wird der Todeszeitpunkt für immer ein Rätsel bleiben.
Weil so vieles unklar war an diesem Tatort, lassen sich aus den folgenden Fundstücken der Ermittler die schönsten Geschichten zimmern: Der Schuh: Anders, als Barschels rechter Schuh, der sich im geschnürten Zustand abgestreift im Vorraum fand, lag sein linker, aufgeschnürt, im Badezimmer. Offenbar war er sehr naß, so daß es Farbspuren auf dem Badevorleger gegeben hat. Der Schlafanzug: Lag ausgepackt auf dem Bett bereit. Warum und wann hat Barschel sich aufs Zubettgehen vorbereitet?
Der Hemdknopf: Er war aus dem Oberhemd abgerissen, wurde auf dem Boden gefunden, mit Fäden dran - die einzige Spur von Gewaltanwendung. Ein Handtuch: Es gehörte dem Hotel und lag beschmutzt mit brauner Schuhfarbe und zusammengeknüllt im Vorraum. Die Whiskeyflasche: Sie enthielt Reste des Giftes. Die Metallverschlußkappe: Reste vom Verschluß der Rotweinflasche fanden sich auf dem nie fotografierten Tischchen unter Prospekten. Herausgerissene Seiten: In Barschels Terminkalender fehlen die Tage 17., 18. und 19. Januar, 6., 7., 8. Juni und 19., 20., 21. Dezember. Das Papier kann niemand als Notizzettel verwendet haben, es ist von beiden Seiten bedruckt. Das Weinglas: Es ist offenbar beim Abspülen unter dem Wasserhahn im Bad zerbrochen und dann in den Papierkorb geworfen worden. An seinem Boden spürten Kriminaltechniker winzige Reste von Rotwein auf. Das andere, unversehrte Glas, das der Zimmerkellner routinemäßig mitgebracht hatte, war spurlos sauber.
Die Hoffnung, daß plötzlich das fehlende Teil in diesem Puzzlespiel auftaucht und alles Unerklärliche zu einer sinnvollen Geschichte zusammenfügt, treibt die Ermittler noch immer. Irgendwo, wo ohnehin alles geheim ist, könnte die fehlende Infor- mation liegen, bei den Geheimdiensten und deren dubiosen Helfern und V-Leuten.
Was könnte Mauss wissen? Sein Flugzeug war kurz vor der Entdeckung des Toten von Genf nach Frankfurt gestartet, nur um wenige Stunden später erneut in Genf zu landen. "Mauss war nicht in der Maschine. Er hat veranlaßt, daß seine Kinder abgeholt werden", erklärt sein Anwalt Wenzel.
Sein Pilot Dieter Büscher erinnert sich anders: "Ich bin mir eigentlich hundertprozentig sicher, daß am Mittag des 11. 10. 87 Herr Mauss von Genf mit uns nach Frankfurt geflogen ist."
Nun kann man sagen: Was hat das mit Barschel zu tun? Wahrscheinlich nichts. Man kann aber auch fragen: Warum läßt Mauss lügen? Auch die Wege von Reiner Pfeiffer und Werner Mauss haben sich schon früher gekreuzt. Auf einem Foto von 1965 sind beide Männer zu sehen. Ein Kunstfehler, daß der gewitzte Mauss bestreitet: "Ich habe keinerlei Beziehungen zu Herrn Pfeiffer. Ich habe ihn nie persönlich gesehen, sondern nur in der Zeitung und im Fernsehen. Ich hatte auch sonst nie Kontakt zu ihm."
Die andere große Hoffnung der Ermittler heißt Herbert Mano Ziehm. Der Mann ist bei der Berliner Gauck-Behörde für die Sichtung der einschlägigen Stasi- Akten verantwortlich. Und einmal haben die Fahnder des Lübecker Leitenden Oberstaatsanwalts Heinrich Wille sogar eine Hausdurchsuchung bei Ziehm gemacht, weil sie der Meinung waren, er halte irgendwelche Geheimnisse über das Leben und Sterben Uwe Barschels im Schrank.
Doch Ziehm hat so etwas nicht. "Barschel war für das MfS nicht der Mittelpunkt der Welt." Die Agenten des Stasi-Ministers Erich Mielke hätten zwar immer mal ein wenig gespitzelt und auch versucht mitzumischen. Aber, so Ziehm, ein Motiv für einen Mord sei bei Barschel nicht erkennbar. Vielleicht war das ja total normal: Wann immer der Kieler in die DDR reiste, setzte die Stasi ihre Truppen in Bewegung, die ihn bespitzelten. Pro Besuch kamen da gut 20 Zentimeter dicke Akten voll eng beschriebenen Papiers zusammen.
Der Gast wurde manchmal richtig in die Falle gelockt. "Entsprechend genannter Neigungen zu Frauen ist der Einsatz weiblicher Inoffizieller Mitarbeiter aus den Verantwortungsbereichen der Bezirksverwaltungen Dresden, Karl-Marx-Stadt und Berlin bzw. der Hauptabteilung VI, Abteilung Objektsicherung und Tourismus, vorzubereiten", heißt es in einem Operationsplan der Stasi von 1984.
Mielkes Agenten besorgten sich sogar die internen Terminkalender Uwe Barschels. Im jüngst erschienenen Buch des Journalisten Werner Kalinka über die DDR* ist so einer abgedruckt, der bei der Magdeburger Gauck- Behörde aufgetaucht ist. "Freitag, 29. 5. 87, 9.45 Uhr ab Mölln Wiese", bis "Sonnabend, 30. 5. 87, 20.00 Uhr Landung Mölln Wiese".
Der 31. Mai lag offenbar dem MfS nicht vor. Fraglich, ob die Stasi wissen konnte, was da passieren würde. Uwe Barschel stürzte beim Landeanflug auf den Flughafen Lübeck-Blankensee ab und überlebte knapp. Drei Menschen starben. Die Umstände des Unglücks sind, Rätsel Barschel, bis heute nicht völlig geklärt.
Viele tausend Packen alten Papiers, jeder etwa zwei Hände hoch: Das ist die gerettete und nach der Wende eilig zusammengeschnürte Hinterlassenschaft des Ost-Berliner Schnüffelimperiums. Und wenn in einem Packen doch noch die letzte Wahrheit über Dr. Dr. Uwe Barschel steckt?
Die Chance schmilzt von Tag zu Tag. Ziehm hat alle Restpacken einer Grobsichtung unterziehen lassen: "Die Mitarbeiter sind auf den Namen Barschel sensibilisiert."
Ende des Jahres werden die letzten Stasi- Bündelchen gesichtet sein. Dann ist Schluß, die letzte Hoffnung im Fall Barschel aufgezehrt.
Und dann? Wird in den Schulbüchern über die deutsche Nachkriegsgeschichte stehen, daß 1987 ein Politiker gestorben ist, und daß keiner weiß, warum? Wenigstens ein Wahrscheinlichkeitsurteil über den Fall Barschel erlaubt die Spurensuche in den letzten Lebenstagen des gescheiterten Politikers.
Wahrscheinlich gab es den geheimnisvollen "Roloff". Das folgt aus der genauen Analyse der letzten Aufzeichnungen Barschels.
Dafür, daß sich hinter Roloff der Hochstapler Postel verbarg, spricht zwar in den Aufzeichnungen vieles, aber die Personenbeschreibung, die Barschel nach dem angeblichen Treffen mit seinem Informanten gab, paßt nicht recht: "ca. 178 cm, kein Bart, dunkelblonde Haare, sportlich." Postel ist auffällig dürr und groß.
Und wahrscheinlich ist Barschel, die Taschen voller Tranquilizer, nicht ohne Hoffnung nach Genf gereist, sein politisches Überleben retten zu können.Wahrscheinlich hat er Roloff in Genf getroffen und vielleicht das versprochene Bild bekommen.
Und dann? Für die Fortsetzung der Geschichte bieten sich zwei Versionen an.
VERSION EINS: Barschel hatte dem Treffen mit Roloff von vornherein mißtraut. Er sah darin den letz- ten Versuch seines Lebens. Für den Fall des Mißlingens hatte er sich in Gran Canaria Schlafmittel besorgt. Als er am Samstag entdeckte, was andere längst wußten, verlor er die Nerven: Der Informant war ein Scharlatan, mit dem als Kronzeugen konnte man nicht rechnen. Barschel tarnte seinen Selbstmord als Mord - aber vielleicht schon unter der Vorwirkung von Tabletten unvollständig.
Diese Version hat den Vorteil, daß sie Barschels Ende ohne zusätzliche, unbewiesene Annahmen erklärt. Die Ermittler in Lübeck könnten die Akte 705 Js 33247/87 endlich schließen.
Doch sie hat den Nachteil, daß viele Fragen unbeantwortet bleiben. Wieso hat Mauss über seine Aktivitäten in Genf offenbar die Unwahrheit gesagt? Wieso ist Barschel überhaupt in die Schweiz geflogen, wenn es doch nur darum ging, vom Norddeutschen Postel oder von irgendeinem anderen Hintermann der Kieler Affäre ein Foto zu bekommen? Wieso hat Barschel, wenn er sich das Leben nehmen wollte, Tabletten geschluckt, die dazu völlig ungeeignet waren?
Der Verdacht bleibt, daß es eine Geschichte hinter der Geschichte gab.
VERSION ZWEI: Barschel hat Roloff in die Schweiz bestellt, weil er da ohnehin etwas vorhatte. Sei es, daß er in Genf mit seinem Wissen über Waffenhandel eine Geldsumme für das Leben nach der Politik erpressen wollte, sei es, daß er sich an dubiosen Deals im Genfer Graubereich beteiligte.
Diese Version läßt eine Beteiligung des Privatdetektivs Mauss plausibel erscheinen. Und sie würde auch die Schweiz-Reise Barschels erklären. Doch das Ende ist noch immer offen.
Denn nicht jede Erpressung endet mit Mord, nicht jeder Waffendeal hat tödliche Folgen. Es könnte ebenso sein, daß Barschel das Motiv für einen Selbstmord gerade im Scheitern der Geschäfte fand, auf die er klammheimliche Hoffnungen gesetzt hatte.
Es könnte aber auch Mord gewesen sein. Und wenn es einer war, dann war es Profiarbeit, das perfekte Verbrechen. Denn zehn Jahre lang ist es den Ermittlern nicht gelungen, auch nur die Spur eines Mörders zu finden.
Manche Verbrechen sind deshalb perfekt, weil sie unvorstellbar erscheinen. Die Täter sonnen sich in der Sicherheit, daß jeder, der sie verdächtigt, als Spinner gilt. Doch eine Spekulation über so ein Verbrechen ist erlaubt.
VERSION DREI: Als Uwe Barschel sich nach seiner Kieler Affäre von den CDU-Parteifreunden verraten und fallen gelassen sah, drohte er, über die Affären auszupacken, die in der CDU ohne ihn gelaufen waren. Da gab es einiges: die verbotene Lieferung von Blaupausen für HDW-U-Boote an Südafrika etwa, dubiose Gegengeschäfte um den Verkauf des Kreuzfahrtschiffes "Astor" von Südafrika über Kiel in die DDR; den Streit um angezahlte, aber nie gelieferte HDW-U-Boote für Iran.
Es gab zu viele Teilnehmer dieser Geschäfte, die Enthüllungen zu fürchten hatten: südafrikanische Waffenhändler, iranische Agenten, die Stasi, deren Auftrag es ja war, Devisengeschäfte Alexander Schalck-Golodkowskis mit Westdeutschland operativ abzusichern.
Barschel wurde von einem Agenten dieser Kreise in die Schweiz gelockt, damit er dort mundtot gemacht wurde. Der Mord wurde als Selbstmord getarnt.
Es ist nicht auszuschließen, daß eine solche dritte Version der Wahrheit am nächsten kommt, eine, die nur mit viel Phantasie zu entdecken ist und die viele der offenen Fragen des Rätselfalles Barschel beantworten würde. Es könnte eine letzte schwarze Geschichte geben, eine Geschichte, die wie so vieles in Barschels Leben unvollendet blieb.
"Herostrat", die Sartre-Erzählung, die aufgeschlagen auf dem Bett des Toten lag, ist auch so eine Geschichte. Sie handelt von einem Mann, der aus Menschenhaß eine schwarze Tat bis ins Detail plant: Er will sechs zufällig vorbeikommende Passanten erschießen.
Doch selbst das große Ding gerät dem traurigen Helden so armselig, daß er zum Schluß auf dem Herrenklo seine Verhaftung abwartet.
So armselig und traurig wie ein toter Politiker in einer Hotelbadewanne.
ENDE
Es gab zu viele Teilnehmer dieser Geschäfte, die Enthüllungen
zu fürchten hatten: südafrikanische Waffenhändler, iranische
Agenten, die Stasi, deren Auftrag es ja war, Devisengeschäfte
Alexander Schalck-Golodkowskis mit Westdeutschland operativ
abzusichern.
Barschel wurde von einem Agenten dieser Kreise in die Schweiz
gelockt, damit er dort mundtot gemacht wurde. Der Mord wurde als
Selbstmord getarnt.
* "GVA" bedeutet Genf, "FRA" Frankfurt, "DUS" Düsseldorf, "ZRH" Zürich, "Lange" ist der Deckname des Fluggastes. * Oben: am 12. Oktober 1987 in Genf; unten: wenige Stunden nach der Entdeckung des Toten. * Werner Kalinka: "Schicksal DDR". Ullstein Verlag, Berlin; 208 Seiten; 17,90 Mark.
Von Thomas Darnstädt

DER SPIEGEL 43/1997
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Barschel-Affäre (III):Wie starb Uwe Barschel und warum? Der Tod in der Badewanne des Genfer Hotels vor zehn Jahren ist bis heute ein Rätsel.War Barschel am Ende allein? Spuren aus Zimmer 317 wecken Zweifel.Widersprüchliche Zeugenaussagen nähren den Verdacht: Es gab eine Geschichte hinter der Geschichte. Von Thomas Darnstädt:
Aktenzeichen 33247/87 ungelöst

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